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Am damaligen Tatort
Echo der Bluttat hallt noch nach
Einige Blumen und Kerzen säumen nun den Tatort.Forchheim & Fränkische Schweiz
Einige Blumen und Kerzen säumten den Tatort des Messerangriffs 2021. // Julia Scholl
Ebermannstadt – 2021 wurde ein Mann auf offener Straße getötet. Zum Prozessstart kocht das Geschehene wieder hoch. Besuch in einem Ort voller Anteilnahme.

Die Kerzen sind verschwunden, die Blumen auch. An diesem warmen Märztag erinnert auf den ersten Blick nichts daran, dass hier vor acht Monaten ein Mensch gestorben ist. Hier, an der werktags viel befahrenen B470, die sich durch Ebermannstadt schlängelt, scheint alles, als hätte es den 17. Juli 2021 nie gegeben. Hier, mitten im Idyll der Fränkischen Schweiz, wo sich lachende Schulkinder ihr Mittagessen holen und Autofahrer genervt warten, bis die Ampel auf Grün springt, herrscht Alltag.

Und doch ist etwas anders, seit der Gerichtsprozess begonnen hat und das zarte Pflaster des vielleicht Vergessens wieder abreißt.

Aber wie gehen die Menschen in Ebermannstadt mit dem Geschehenen mittlerweile um? Manche Anwohner zeigen sich unbeeindruckt, haben weder von der Tat noch den Nachwehen viel mitbekommen. Gesprächsthema ist es aber, in den Friseuren, den Gaststätten, auf der Straße.

Den Tatort vom Juli 2021 zieren keine Blumen mehr, aber die Anteilnahme ist nach wie vor groß in Ebermannstadt. So schnell wird die Tat nicht verblassen.Forchheim & Fränkische Schweiz
Den Tatort vom Juli 2021 zieren keine Blumen mehr, aber die Anteilnahme ist nach wie vor groß in Ebermannstadt. So schnell wird die Tat nicht verblassen. // Stephan Großmann

Eine direkte Anwohnerin des Tatortes, die ihren Namen lieber nicht lesen möchte, wiederholt ein Wort immer wieder: „Schlimm.“ Zwar habe sie kaum Kontakt zu der Familie der mutmaßlichen Täterin gehabt, auch nicht zum Opfer. „Aber das alles kocht jetzt wieder hoch. Das war schlimm.“

Anwohnerin: „Ich erschaudere noch heute“

Eine weitere Anwohnerin erschaudere noch heute, wenn sie am frühen Morgen aus dem Haus geht und die Stelle passiert. „Auch wenn es keine reale Gefahr gibt, habe ich immer noch manchmal ein mulmiges Gefühl“, sagt sie.

Prozess gestartet: Was ist damals passiert?

Einer heute 54-Jährigen wird vorgeworfen, ihren 32 Jahre alten Schwiegersohn damals mit mehreren Messerstichen getötet zu haben. Los ging der Angriff wohl an der Haustür ihrer Tochter und setzte sich bis zu der Stelle fort, an der der 32-Jährige schließlich zusammenbrach und trotz mutigen Eingreifens von Anwohnern seinen Verletzungen erlag. Am ersten Verhandlungstag am Montag räumte die 54-Jährige die Tat ein – wie es dazu kam, wird der Prozess am Bamberger Landgericht nun zu ermitteln suchen.

Verhandlung wird genau beobachtet

Ebermannstadts Bewohner werden diese Schilderungen gespannt verfolgen. Eine davon ist Sylvia Seibert. Sie arbeitet im Hotel-Gasthof Resengörg, direkt am Marktplatz, und kommt viel mit Gästen ins Gespräch.

„Es war ein großer Schock damals“: Sylvia Seibert verfolgt gespannt, wie es mit dem Prozess weitergeht.Forchheim & Fränkische Schweiz
"Es war ein großer Schock damals“: Sylvia Seibert verfolgt gespannt, wie es mit dem Prozess weitergeht. // Stephan Großmann

Sie erinnert sich genau, an dem Tat-Samstag gerade auf dem Weg zur Arbeit gewesen zu sein, direkt etwas mitbekommen habe sie zwar nicht. „Aber es war ein großer Schock damals“, erzählt sie. „Beängstigend war, dass so etwas hier in Ebermannstadt stattfindet und nicht etwa in Großstädten wie Berlin. Das war noch lange Thema hier bei den Leuten.“

Unmittelbar nach der Tat haben die Rettungskräfte die Bürger betreut. Krisenintervention gegen mögliche Traumata. Kein Wunder, die Ecke rund um den Tatort ist belebt, die Tat geschah auf offener Straße. „Dieser Tag hat sich ins Gedächtnis der Stadt gebrannt“, sagt auch Ebermannstadts Bürgermeisterin Christiane Meyer rückblickend.

Nun hätten die Ereignisse der vergangenen Monate, etwa der Ukraine-Krieg oder der Prozess gegen die wegen Mordes verurteilte 19-Jährige aus Gasseldorf, den Messerangriff etwas überschattet. Aber auf keinen Fall vergessen gemacht.

Entwarnung: Die Angst geht nicht um

„Im Gegenteil“, sagt Meyer. „Die Menschen sind nach wie vor betroffen. Aber viele sind auch stolz, dass einer von uns so mutig eingegriffen hat damals.“ Nun lasse der Prozess diesen Tag für viele noch einmal sehr präsent werden. Glücklicherweise, so Meyer, erkenne sie aber nicht, dass die Leute in der Masse Angst haben. „Es ist ihnen klar, dass dies ein tragischer Einzelfall war.“

Gleichwohl führe sie seit einigen Wochen wieder vermehrt Gespräche mit Bürgern über die Tat. Vor allem darum, wie es nun weitergehe. „Es ist ihnen wichtig, dass sie mitbekommen, wie die Sache geklärt wird.“

Am Mittwoch führt der Vorsitzende Richter Manfred Schmidt am Bamberger Landgericht den zweiten Prozesstag. Ein Urteil könnte bereits am 7. April fallen.

Lesen Sie dazu die Hintergrundgeschichte:

 

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