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Kita im Landkreis Forchheim
So helfen Sie Ihrem Kind bei Verdacht auf Missbrauch
Missbrauch in der Kita ist für viele Eltern ein absolutes Horrorszenario.
Missbrauch in der Kita ist für viele Eltern ein absolutes Horrorszenario. Ein Kita-Mitarbeiter im Kreis Forchheim wird des sexuellen Missbrauchs beschuldigt. // Foto: sima-box, adobe stock
Lkr Forchheim – Nach mutmaßlichen Fällen in einer Kita im Landkreis Forchheim: Was tun bei Missbrauchsverdacht in der Kita? Sozialpädagoge Heibel gibt wichtige Ratschläge für betroffene Eltern und ihre Kinder.

Im Fall um die Missbrauchsvorwürfe in einer Kita im Landkreis Forchheim sind der Polizei inzwischen weitere mögliche Opfer bekannt. Wie die Staatsanwaltschaft Bamberg mitteilt, hätten sich zwischenzeitlich die Eltern zweier weiterer Kinder gemeldet und über Erzählungen ihrer Kinder von ähnlichen Vorfällen berichtet.

Nach Missbrauchsvorwurf in Kita im Landkreis Forchheim

Viele Eltern fragen sich nun, wie sie in einer derartigen Situation reagieren sollten. Johannes Heibel, Sozialpädagoge und Vorsitzende der deutschlandweit aktiven „Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen“, unterstützt Eltern von betroffenen Kindern.

1. Ruhe bewahren

„Das Wichtigste in einer solchen Situation ist zunächst erstmal Ruhe zu bewahren“, betont Heibel. Dass dies in einer derartigen Situation Eltern schwerfalle, sei ihm bewusst. Es sei jedoch außerordentlich wichtig, um die richtigen Schritte ergreifen und feststellen zu können, ob das eigene Kind auch betroffen sei. Dies sei gerade bei Kleinkindern ausgesprochen schwer, wenn alle in ihrem Umfeld aufgeregt seien.

„Zunächst muss ich schauen, wie viel Kontakt mein Kind mit dem mutmaßlichen Täter hatte“, erklärt der Sozialpädagoge. Sei dieser sehr eingeschränkt – etwa, weil das Kind in einer anderen Gruppe sei – so sei ein Übergriff schon deutlich unwahrscheinlicher. Aber auch Kinder, die von dem Beschuldigten betreut wurden, seien nicht zwangsläufig Opfer.

„Im dritten Schritt muss ich das Verhalten meiner Kinder beobachten“, rät der Experte. Hier werde es knifflig. So sei es gerade bei kleinen Kindern möglich, dass diese auch ohne Missbrauch ihr Verhalten ändern und beispielsweise nicht auf Toilette gehen wollen. Würden sich Verhaltensveränderung aber mehren, seit sie mit einem Verdächtigen in Kontakt sind, könne dies ein Indiz für Missbrauch sein. „Wichtig ist in so einem Fall, dass Eltern sich Notizen machen“, erklärt er. Dies sei zum einen wichtig, um selbst den Überblick zu behalten, könne aber auch im Zuge der polizeilichen Ermittlungen später eine wichtige Rolle spielen.

2. Kinder erzählen lassen

Würden Eltern zu dem Schluss gelangen, dass ihr Kind möglicherweise betroffen sei, so sei im nächsten Schritt die Kommunikation mit dem Kind wichtig. „Hier sollte man darauf achten, dass die Kleinen offen erzählen dürfen, was in ihren Augen passiert ist“, betont der Experte. Aufgabe der Erwachsenen sei es hingegen, zuzuhören.

Johannes Heibel, Sozialpädagoge und Vorsitzender der Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen.
Johannes Heibel, Sozialpädagoge und Vorsitzender der „Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen“ // Gros, Montabaur

Rückfragen und Gespräche mit anderen Eltern über die Vorfälle seien in dieser Phase jedoch oftmals eher kontraproduktiv. „Oftmals schaukelt man sich in solch einer Situation gegenseitig hoch“, erläutert der Sozialpädagoge. Außerdem könne man so mitunter sogar unbewusst an Wissen gelangen, mit dem man dann die Aussage seines eigenen Kindes versehentlich beeinflusse. Oder einen dazu verleite, zu viel Druck auf das Kind aufzubauen.

„Wenn mein Kind mir beispielsweise berichtet, dass es am Arm angefasst wurde, sollte ich nicht fragen, ob es auch anderswo, beispielsweise am Po, berührt wurde“, erklärt er. Diese Art von Suggestivfragen könnten kleine Kinder überfordern und zu falschen Antworten verleiten, was wiederum eine spätere juristische Aufarbeitung der Sache möglicherweise problematisch mache.

3. Persönliches Netzwerk und profesionelle Hilfe holen

Erlange man schließlich die unangenehme Gewissheit, dass ein Missbrauch stattgefunden habe, so sei es wichtig, dass eine Familie sich Hilfe hole. Dies betreffe nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern. Das beziehe sich sowohl auf professionelle Hilfe als auch das persönliche Netzwerk.

„Manche denken, dass es genügt, die Kinder zum Therapeuten zu fahren und dass sie das Erlebte mit sich selbst in Stille ausmachen müssen“, erklärt er. Das sei falsch. Auch Eltern bräuchten in einer solchen Situation Unterstützung.

„Oftmals passiert es, dass es einem beispielsweise abends, wenn die Kinder im Bett sind, plötzlich schlecht geht“, berichtet Heibel. Dann sei es gut, wenn man jemanden habe, an den man sich wenden könne. Zur Not auch telefonisch.

Ein persönlicher Kontakt sei aber oftmals besser. „Das Wichtigste, was Kinder in einer solchen Lage brauchen, ist Stabilität“, erzählt der Experte. Wenn Eltern niemanden hätten, dem sie vertrauen könnten, sollten sie auch nicht davor zurückschrecken, ein Hilfetelefon wie das seines Vereins anzurufen.

4. Hilfe von Außerhalb anfragen

Bei der professionellen Hilfe rate er Eltern übrigens dazu, nicht unbedingt Stellen in ihrer unmittelbaren Heimat aufzusuchen. Dies betreffe sowohl Therapeuten als auch Beratungsstellen und Anwälte. So könne einen die Nähe hemmen, sich zu öffnen. Örtliche Stellen stünden oftmals zudem oft mit Trägern oder Gerichten in Kontakt oder hätten sich schon vorab Gedanken über einen Fall in ihrer Region, gemacht. Außenstehende würden hingegen einen frischeren Blick auf die Situation einbringen.

Manche Opferfamilien hätten zudem ein Problem damit, wenn ein Anwalt sowohl Mandate von Opfern als auch von Tätern vertritt. In einem solchen Fall rät er dazu, sich gezielt einen Opferanwalt zu suchen, der einen als Nebenkläger vertritt, sobald es zum Prozess kommt. Schließlich sei dies für viele Betroffene im Zuge der persönlichen Verarbeitung eines Vorfalls ein wichtiger Schritt.

5. Normalität in der Familie herstellen

Auch langfristig sei es wichtig, dass der Missbrauchsvorfall korrekt betreut sei. Ziel müsse es sein, wieder eine Normalität im Familienalltag herzustellen, in der ein Kind heilen und aufwachsen könne. Auch hier müssten Eltern sich um Stabilität bemühen.

„Selbst wenn es einem Betroffenen später gutzugehen scheint, sollte man es weiter genau im Auge behalten“, berichtet Heibel. So sei möglich, dass jemand erst lange Zeit nach dem Vorfall plötzlich Probleme bekomme. Dies betreffe übrigens ebenfalls sowohl Eltern als auch Kinder.

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