Normalerweise geht es dort ruhig und beschaulich zu. Doch in dieser Woche erschüttert ein schlimmer Verdacht die 4500-Seelen-Gemeinde im Herzen der Fränkischen Schweiz. Ein Mitarbeiter einer Kita soll ein Kind sexuell missbraucht haben, seit einer Woche sitzt der 51-Jährige in Untersuchungshaft. Nachdem nun alle Eltern offiziell unterrichtet worden sind, herrscht große Unsicherheit in weiten Teilen der Dorfgemeinschaft.
Missbrauchs-Vorwurf: 75 Eltern in Kita informiert
„Zu Ort und Personen geben wir in Absprache mit der Staatsanwaltschaft weiterhin keine Auskunft“, teilt der Sprecher des Erzbistums Bamberg Harry Luck auf Nachfrage unserer Redaktion mit. Am Donnerstagabend hat es aber in der betroffenen Kita einen Elternabend gegeben. Dies bestätigt der Sprecher des Erzbistums Bamberg auf Nachfrage unserer Redaktion.
[Anmerkung der Redaktion: Mittlerweile ist klar, um welche Einrichtung in welchem Ort es sich handelt. Unserer Redaktion liegen die Informationen vor. Doch wir haben uns dagegen entschieden, diese zu veröffentlichen. Vor allem stützen wir uns auf die Prinzipien der Verdachtsberichterstattung. Weil die Unschuldsvermutung bis zum Beweis des Gegenteils gilt, ist es unsere Aufgabe, die Persönlichkeitsrechte auch eines mutmaßlichen Täters zu wahren. Weil bereits öffentlich bekannt ist, dass sich um eine katholische Kita handelt, haben wir uns auch gegen Nennung des Ortes entschieden, weil es im Ort nur eine solche gibt.]
Insgesamt 75 Eltern seien dabei gewesen, überdies seien auch Fachkräfte der Präventionsstelle des Erzbistums, der Caritas-Fachberatung und des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) vor Ort gewesen. Man habe die Eltern über die bisherigen Ereignisse aufgeklärt – zum konkreten Tatverlauf sei aber nicht mehr gesagt worden, als bereits aus der Mitteilung der Behörden hervorgegangen war.
Betroffene Kita: Wie es dort nun weitergeht
Weder Vertreter der Elternschaft noch der Kita sind am Freitag für eine Stellungnahme zu erreichen gewesen. Die Trägerin der Einrichtung, die örtliche Kirchenstiftung, verweist ihrerseits auf das Erzbistum als Stiftungsaufsicht. Laut Erzbistums-Sprecher Luck sei der Elternabend „ruhig und sachlich“ verlaufen. Aber: Viele Eltern hätten überrascht und schockiert auf die Festnahme reagiert. Ebenso das Kita-Team selbst sei „emotional sehr belastet“. Unter Umständen erwäge man für die kommende Woche einen außerplanmäßigen Schließtag, ansonsten solle der Betrieb aber normal weitergehen.
Aufgeschreckt hatte wohl einige Eltern, dass der betroffene Kinderpfleger gleich in Untersuchungshaft kam. Beim Elternabend verwies der Träger der Kita auf die Staatsanwaltschaft, die als Haftgründe wohl Flucht- und Wiederholungsgefahr genannt hatte. Weitere Schritte seien erst nach Abschluss der Ermittlungen möglich. Und diese können, wie die Staatsanwaltschaft auf Anfrage mitteilte, „noch einige Wochen dauern“.
BKA: „Sexualdelikte zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen“ nehmen zu
Seit Jahren steigen Straftaten in diesem Bereich an. Wie aus dem Bundeslagebild 2023 des Bundeskriminalamts (BKA) hervorgeht, habe es bundesweit 16.375 Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern gegeben. In Bayern alleine zählten die Behörden 1882 Fälle. Mädchen sind dabei viel häufiger betroffen als Jungen, vor allem in der Altersgruppe zwischen sechs und 13 Jahren. Auffällig: Bei mehr als der Hälfte der Opfer bestand laut BKA eine nachweisliche Vorbeziehung (Verwandtschaft, Freundschaft). Lediglich jeder zwanzigste dokumentierte Fall ereignet sich in einer Kita oder anderer Institution. Kinderschutzorganisationen gehen allerdings nach wie vor von einem großen Dunkelfeld von nicht angezeigten Fällen aus.
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