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Bürokratie in der Medizin
E-Rezept und Gesundheits-ID lösen Probleme der Ärzte nicht
Christian Vulpescu ist Gynäkologe mit einer Praxis in Ebermannstadt.Forchheim & Fränkische Schweiz
Christian Vulpescu ist Gynäkologe mit einer Praxis in Ebermannstadt. // Franka Struve-Waasner
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Forchheim – Zum Jahreswechsel wurde die Gesundheits-ID eingeführt. Funktioniert das System und was sagen Ärzte dazu? Ein Fach- und ein Klinikarzt aus der Region berichten.

Am 1. Januar 2024 wurde in Arztpraxen die Gesundheits-ID eingeführt, die eine digitale Identität für Patienten schafft. Diese ID ist mit einem digitalen Gesundheitskonto verbunden, das ähnlich wie Online-Banking funktioniert. Patienten können sich über ihr Smartphone in ihre elektronische Patientenakte einloggen und E-Rezepte herunterladen, die sie dann in Apotheken vorzeigen können. 2026 soll diese die Versichertenkarte beim Arztbesuch ersetzen.

Herausfordernde Umstellung in der Arztpraxis

Auch der Gynäkologe Christian Vulpescu, der seine Praxis seit 2014 in Ebermannstadt führt, sieht die Vorteile der elektronischen Gesundheits-ID. Bei der Umstellung der Rezeptvergabe gab es allerdings in seiner Praxis einige Herausforderungen − etwa lange Übertragungszeiten. Zudem musste er nach eigener Aussage für die Einhaltung der Datenschutzanforderungen erhebliche Investitionen tätigen, etwa für einen neuen Server, was zusätzliche finanzielle Belastungen bedeute.

Allgemein nach Verwaltungsaufgaben in seiner Arztpraxis gefragt, die viele Ressourcen binden, verweist der Frauenarzt auf Programme wie das Disease Management Programm (DMP) für Brustkrebspatientinnen, wo eine detaillierte und regelmäßige Dokumentation erforderlich ist. Obwohl solche Programme – auch für andere chronische Krankheiten wie Diabetes mellitus − positiv in Bezug auf die Leistungen seien, sei der hohe Dokumentationsaufwand ein kritischer Aspekt.

Doppelte Arbeit, weil Datenquellen ungenutzt bleiben

Ein weiteres Beispiel sei das seit 2020 eingeführte Zervixkarzinom-Screening, das ebenfalls einen enormen Mehraufwand an Dokumentation mit sich bringe. Vulpescu habe ausgerechnet, dass seine Mitarbeitenden ungefähr zwei bis drei Minuten pro Patientin brauchen für die Eingabe und das Versenden der Dokumentation am PC. Hochgerechnet seien das ungefähr 20 Stunden im Quartal. „Das sind ungedeckte Kosten, die unsere Praxis tragen muss für eine Datenerhebung, die aus meiner Sicht sehr fragwürdig ist, weil man diese bereits vorhandenen Daten aus anderen Quellen wie der elektronischen Patientenakte generieren kann“, sagt er.

Die Bürokratie erstrecke sich auch auf andere Bereiche. Beispielsweise erforderten Anfragen von Krankenkassen oder Ämtern umfangreiche Stellungnahmen und Berichte, für die ein Besuch beim Frauenarzt nicht notwendig ist, zum Beispiel wenn es um den Antrag auf Frühverrentung gehe. Sogar für scheinbar einfache Dinge wie die Gewährung von Haushaltshilfen müsse der Arzt persönliche Gespräche führen, um Entscheidungen nicht über den Kopf der Patientinnen hinweg zu treffen. Dies nehme wertvolle Zeit in Anspruch, die im hektischen Alltag einer Arztpraxis fehle.

Probleme am Übergang vom Klinikum zur Arztpraxis

Und wie sieht der bürokratische Aufwand bei Klinikärzten aus? Stefan Weingärtler, Chefarzt der Gynäkologie und Frauenheilkunde am Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz, kritisiert insbesondere den komplexen Übergang zwischen ambulanter und stationärer Versorgung. Patientinnen, die mit Problemen zur Klinik kommen, würden oft zwischen Klinik und niedergelassenen Ärzten hin- und hergeschickt, da bestimmte Behandlungen nur ambulant oder stationär durchgeführt werden dürfen.

Die bürokratischen Hürden, um spezielle Untersuchungen durchzuführen, seien hoch, und die Vergütung für diese Leistungen ist oft unzureichend. „Weil unser Schwerpunkt die Urogynäkologie ist, ist eine urogynäkologische Sprechstunde mit Blasendruckmessung nur über den Umweg einer konsiliarisch ambulanten Überweisung durch den Frauenarzt überhaupt durchführbar, aber dennoch nicht kostendeckend“, erläutert der zertifizierte Beckenbodenchirurg.

Großer Wunsch: Einfach mehr Freiraum für die Medizin

Außerdem erfordere die mangelnde Kompatibilität von IT-Programmen oft mehrfache Eingaben ein und derselben Daten. Jeder Klinikwechsel bringe für angehende Fachärzte zusätzlich die Herausforderung mit sich, sich in ein neues System einzuarbeiten, was Zeit kostet und Fehlerquellen birgt.

Der Gynäkologe sieht eine Lösung in der Verbesserung der Schnittstellen zwischen verschiedenen Systemen. Zudem könnten zusätzliche administrative Kräfte wie Stationssekretariate den Ärztinnen und Pflegefachkräften bürokratische Aufgaben abnehmen, was jedoch nicht in den Budgets berücksichtigt werde. Insgesamt wünscht sich Weingärtler mehr Freiraum für die medizinische Behandlung und weniger Zeitverlust durch administrative Aufgaben. Er betont, dass eine Entlastung von bürokratischen Pflichten zu einer effizienteren und fokussierteren Patientenversorgung führen würde.

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