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22-Jähriger kämpft gegen Krebs
So geht es Louis nach seiner rettenden Stammenzellen-Spende
Aufgeben kommt für den 22-jährigen Louis Scordo trotz Leukämie nicht in Frage. Nun hat er endlich seinen Stammzellenspender gefunden.Forchheim & Fränkische Schweiz
Aufgeben kommt für den 22-jährigen Louis Scordo trotz Leukämie nicht in Frage. Nun hat er endlich seinen Stammzellenspender gefunden. // Stephan Großmann
Heroldsbach – Louis Scordo aus Heroldsbach scheint den Kampf gegen Blutkrebs zu gewinnen. Schon wieder. Wie es dem 22-Jährigen nach der Stammzellen-Transplantation geht und welche Pläne er für seine Zukunft hat.

Gut gelaunt hebt Louis Scordo den Hörer ab. Das liegt nicht nur an der guten Nachricht, die er verkünden kann. Der 22-jährige Heroldsbacher lässt sich prinzipiell von nichts den Tag vermiesen. Auch nicht von seinem Kampf gegen Blutkrebs. Und den Rückschlägen, die sich schon häufiger verdunkelnd vor die Lichtblicke legten. Doch heute ist es keine selbst verordnete Jeden-Tag-Gute-Laune. Heute erzählt er von seinem neuen Leben.

Einem wahren Weihnachtswunder gleicht die Geschichte des jungen Mannes mit dem unbändigen Willen. Ende Oktober erhält Louis Scordo die rettende Nachricht: Ein passender Stammzellenspender ist gefunden. Endlich vorbei die wochenlange Zeit des Zauderns und Wartens, ob es ein passendes genetisches Gegenstück gibt. Und siehe da, es gibt ihn.

„Ich war natürlich überglücklich“, erzählt Scordo. Hunderte Menschen nehmen aus der Region und ganz Europa lassen sich seit Wochen typisieren, ob sie als Spender infrage kämen. Die meisten tun das nicht. Einer schon. Und einer reicht, wenn es der richtige ist. 

Zur Stammzellen-Transplantation ins Uniklinikum Erlangen

Kurz nach der frohen Botschaft packt er seine Sachen und zieht – wieder einmal – vorübergehend ins Universitätsklinikum Erlangen ein. Bevor es losgeht, steht ihm allerdings noch ein hartes Programm bevor.

So muss er unter anderem drei Tage lang eine Ganzkörperbestrahlung über sich ergehen lassen. Auch die Verabreichung des „Hasen-Eiweißes“ setzt seinem Körper ordentlich zu. Dabei werden, wie er erzählt, einem Kaninchen Zellen eingesetzt, sodass es Antikörper bilden kann. Diese werden dann wiederum ihm selbst eingesetzt.

Am 21. November 2023 ist es dann so weit. Louis Scordo bekommt die ihn rettenden Stammzellen transplantiert. „Man muss sich das wie eine Bluttransfusion vorstellen“, sagt er. „Nach 15 Minuten ist der ganze Spuk schon wieder vorbei.“ Die schlimmste Zeit schließt sich allerdings danach erst an. 

„Vor allem die ersten zwei, drei Wochen waren anstrengend. Dann erst haben die Nebenwirkungen der Bestrahlung so richtig begonnen. Eine echte Belastung.“ In einem isolierten Einzelzimmer im Uniklinikum verbringt der 22-Jährige die meisten Tage mit Schlafen. Kraft geben ihm – auch wie immer – die täglichen Besuche seiner Familie und seiner Freundin Laura. 

Ein großer Rückhalt für Louis (links) sind seine Eltern.Forchheim & Fränkische Schweiz
Ein großer Rückhalt für Louis (links) sind seine Eltern. // Stephan Großmann

Aber das Kämpfen lohnt sich, noch vor Weihnachten darf er nach Hause. Geschwächt von der Prozedur, aber überglücklich, feiert er das Fest mit seinen Lieben. Auch seinem Spender kann er – zumindest anonym – eine Dankeskarte zu Weihnachten schicken. Wer er ist, erfährt Louis Scordo frühestens nach zwei Jahren, solange gilt die Geheimhaltungsfrist. Nur so viel: Es ist ein junger Mann aus dem europäischen Ausland. „Ich sollte ihm auf Englisch schreiben“, so Scordo.

DKMS: Jeder zehnte Blutkrebs-Patient bleibt ohne Spender

In Deutschland sind laut Zahlen des Zentralen Knochenmarkspender-Registers Deutschland (ZKRD) mehr als zehn Millionen potenzielle Spender in 26 verschiedenen Spenderdateien registriert. Die meisten davon listet die Deutsche Knochenmarkspenderkartei (DKMS), laut deren Angaben sind das mehr als 7,6 Millionen Menschen. Dennoch findet jeder zehnte Blutkrebspatient keinen passenden Stammzellspender.

Laut Statistik erkrankt in Deutschland alle zwölf Minuten ein Mensch an Blutkrebs, weltweit sogar alle 27 Sekunden. Jedes Jahr sterben hierzulande etwa 19.500 Menschen daran, darunter auch viele junge Menschen. Blutkrebs ist nach wie vor die häufigste Ursache für krebsbedingte Todesfälle bei Kindern.

Blutkrebs ist ein Sammelbegriff für verschiedene bösartige Erkrankungen des blutbildenden Systems, bei denen Blutzellen entarten und sich unkontrolliert vermehren. Diese bösartigen Zellen verdrängen die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und die Blutplättchen (Thrombozyten).

Louis Scordo: Gute Werte, große Pläne

Aktuell geht es Louis Scordo gut. Jetzt, knapp zwei Monate nach dem Eingriff, haben die Ärzte die erste Punktion nach der Transplantation durchgeführt. „Negativ“, sagt Scordo, hörbar erfreut. Zwar wird seine vollständige Genesung noch Zeit in Anspruch nehmen, sein Immunsystem muss praktisch von null wieder hochgefahren werden. Aber er hat große Ziele: „Im September möchte ich endlich meine Ausbildung zum Erzieher anfangen.“

Seine Euphorie dämpft auch nicht, dass er mit Rückschlägen vertraut ist. Nach der ersten Diagnose 2019 (kurz nach seinem 18. Geburtstag) und dem Kampf gegen den Blutkrebs scheint es kurz schon einmal, als hätte er die Krankheit besiegt. Die Ernüchterung folgt Ende August 2023, als den Medizinern bei einer Routineuntersuchung erhöhte Entzündungswerte auffallen. Dann ist klar: Der Krebs ist zurück.

Nun setzen er, seine sich liebevoll kümmernde Familie und seine Freundin Laura alle Hoffnungen auf die Transplantation. Statistiken, Erfahrungen, Zahlen – damit braucht man Louis Scordo gar nicht zu kommen. „Natürlich schaffe ich das“, sagt er. Und lächelt hörbar am Telefon.

Louis Scordo aus Heroldsbach kämpft sich erneut zurück ins Leben - die Stammzellen-Transplantation ist ein wichtiger Schritt.Forchheim & Fränkische Schweiz
Louis Scordo aus Heroldsbach kämpft sich erneut zurück ins Leben - die Stammzellen-Transplantation ist ein wichtiger Schritt. // Stephan Großmann

So können Sie Stammzellenspender werden

Jeder zehnte Blutkrebspatient findet keinen passenden Stammzellspender. Jeder ab 18 Jahren kann sich grundsätzlich für die Stammzellspende registrieren. Ablauf der Registrierung: Dafür kann man über das Zentrale Knochenmarkspenderregister Deutschland (ZKRD)eine der deutschen Spenderdateien kontaktieren. Zunächst stellt die Spenderdatei sicher, dass der Freiwillige gesund ist, keines der Ausschlusskriterien erfüllt und über 50 Kilogramm wiegt.

Nach Aufklärung und Einwilligung wird dem Freiwilligen eine Blutprobe oder ein Wangenabstrich entnommen, um die Gewebemerkmale des Spenders zu bestimmen. Die Spenderdatei übermittelt die Gewebemerkmale pseudonymisiert an das ZKRD.

Nach der Typisierung steht der Freiwillige für Patienten auf der ganzen Welt als potenzieller Spender zur Verfügung. Die Einwilligungserklärung zur freiwilligen Stammzellspende kann man jederzeit ohne Angabe von Gründen zurückziehen. Daraufhin werden die Daten des Spenders in der Spenderdatei, in der er typisiert wurde, und im ZKRD gelöscht.

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