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Blutkrebs besiegen
Neue Typisierungsaktion für Louis aus Heroldsbach
Sein Blutkrebs ist zurück: Louis Scordo aus Heroldsbach will sich erneut ins Leben zurückkämpfen. Er  braucht eine Transplantation.Forchheim & Fränkische Schweiz
Sein Blutkrebs ist zurück: Louis Scordo aus Heroldsbach will sich erneut ins Leben zurückkämpfen. Er braucht eine Transplantation. // Stephan Großmann
Aufgeben kommt für den lebenslustigen 22-jährigen Louis Scordo nicht in Frage.Forchheim & Fränkische Schweiz
Aufgeben kommt für den lebenslustigen 22-jährigen Louis Scordo nicht in Frage. // Stephan Großmann
Heroldsbach – Der 22-jährige Louis Scordo aus Heroldsbach erkrankt heuer zum zweiten Mal an Blutkrebs. Nun gibt es gute Nachrichten - zumindest theoretisch.

Update vom 12. Oktober 2023, 15 Uhr

Louis Scordo aus Heroldsbach: Lichtblick in Datenbank

Am Montag (16. Oktober) muss Louis Scordo wieder nach Erlangen. Dann beginnt erneut ein vierwöchiger Therapiezirkel. Ein paar Tage Uniklinik, der Rest ambulant.

„Mir geht es zur Zeit gut", sagt er unserer Redaktion auf Anfrage. Das liegt auch daran, dass es in Sachen Knochenmarks-Spende einen kleinen Lichtblick gibt. „Auf der Liste sind zwei Personen aufgetaucht, die für eine Spende in Frage kommen könnten." Der 22-Jährige freut sich, von Euphorie will er aber nichts wissen.

Denn selbst wenn die beiden theoretische Spender sein könnten, beginnt für sie jetzt erst ein kleiner Untersuchungs-Marathon. Ob und wann Louis die Transplantation erhalten kann, bleibt fraglich.

Daher bleibt es für ihn – und Tausende andere an Blutkrebs Erkrankte in Deutschland – so wichtig, dass sich so viele Menschen wie möglich typisieren lassen.

Typisierungsaktion:  Fußballspiel des TSV Buch gegen den 1. FC Nürnberg

Erst am Mittwoch (11. Oktober) hatte es eine große Aktion für Louis gegeben – beim Freundschaftsspiel des Nürnberger TSV Buch gegen die großen Stars des 1. FC Nürnberg.

„71 Leute haben sich an diesem Tag beteiligt", erzählt Louis Scordo stolz. „Unter anderem die gesamte Damenmannschaft des TSV Buch."

Und auch in seinem Heimatort Heroldsbach wird es demnächst noch eine Typisierung geben.

DKMS: Typisierung am 29. Oktober in Heroldsbach

In der Hirtenbachhalle kann sich jedermann bei einer Registrierungsaktion in die Deutsche Knochenmarkspenderdatei der DKMS eintragen lassen.

Die Halle in der Heroldsbacher Schloßstraße öffnet dafür am Sonntag, 29. Oktober, von 13 bis 17 Uhr.

 


Ursprünglicher Artikel vom 15. September 2023

Louis aus Heroldsbach hofft auf Stammzellen-Spender

Eigentlich. Ein eigenartiges Wort.

Eigentlich wollte Louis Scordo im September in Baiersdorf seine Ausbildung zum Erzieher beginnen. Eigentlich wollte er wie ein ganz normaler 22-Jähriger sein Leben leben. Eigentlich hatte er geglaubt, seine schwere Erkrankung hinter sich gelassen zu haben.

Es kommt anders, der Krebs ist zurück. Doch Louis will sich erneut nicht unterkriegen lassen und sagt seinen entarteten Blutzellen den Kampf an. Den kann er nun aber nicht mehr aus eigener Kraft führen – und ist auf eine Stammzellenspende angewiesen.

Bei Mama Dagmar in guten Händen: Trotz zweiter Blutkrebs-Diagnose geht es Louis Scordo verhältnismäßig gut.Forchheim & Fränkische Schweiz
Bei Mama Dagmar in guten Händen: Trotz zweiter Blutkrebs-Diagnose geht es Louis Scordo verhältnismäßig gut. // Stephan Großmann

Alle 12 Minuten erkrankt in Deutschland ein Mensch an Blutkrebs

Damit ist der Heroldsbacher nicht alleine. Laut Statistik erkrankt in Deutschland alle zwölf Minuten ein Mensch an Blutkrebs, weltweit sogar alle 27 Sekunden. Jedes Jahr sterben hierzulande etwa 19.500 Menschen daran, darunter auch viele junge Menschen. Blutkrebs ist nach wie vor die häufigste Ursache für krebsbedingte Todesfälle bei Kindern.

Blutkrebs ist ein Sammelbegriff für verschiedene bösartige Erkrankungen des blutbildenden Systems, bei denen Blutzellen entarten und sich unkontrolliert vermehren. Diese bösartigen Zellen verdrängen die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und die Blutplättchen (Thrombozyten).

Erste Krebs-Diagnose 2019, 2023 folgt die zweite

ALL. Eine Buchstabenkombination, die das Leben des jungen Heroldsbachers im Jahr 2019 völlig auf den Kopf stellen sollte.

Kurz nach seinem 18. Geburtstag verspürt er plötzlich große Schmerzen in den Knochen, bekommt abends häufig Fieber, fühlt sich elend. Eines Tages muss er sogar in die Notaufnahme. Dann bekommt er die Diagnose: akute lymphoblastische Leukämie. ALL. Blutkrebs.

In seinem Kopf dreht sich alles, das Wort „Krebs“ erscheint ihm unwirklich.

Doch es ist real, so real wie das Piepsen des Patientenmonitors an seinem Krankenhausbett, so real wie der Arzt, der ihm die Diagnose überbringt. Doch Louis berappelt sich schnell. Er merkt: „Vor dieser Sache kann ich nicht davonlaufen. Der Krebs wird mir überallhin folgen. Also muss ich mich dieser Sache stellen.“

Freundin, Familie, Ärzte: Louis fühlt sich gut aufgehoben

Sein Glück ist zum einen seine Freundin Laura, die ihm von Beginn an zur Seite steht.

Freundin Laura ist schon während der ersten Krebs-Therapie 2019 kaum von Louis’ Seite gewichen.Forchheim & Fränkische Schweiz
Freundin Laura ist schon während der ersten Krebs-Therapie 2019 kaum von Louis’ Seite gewichen. // privat

Sein Glück ist zum anderen die großartige Unterstützung seiner Familie, die ihm während der Chemotherapie nicht von der Seite weicht, sein Zimmer dekoriert, ihm Kraft gibt.

Sein Glück sind die Ärzte und das Pflegepersonal in der Erlanger Uniklinik, bei denen sich der lebenslustige junge Mann schnell einen Namen macht. Er bringe dort Leben in die Bude, sagen sie, im wahrsten Sinne des Wortes.

Und sein Glück ist er selbst. Schnell erkennt er den Krebs an, will sich ihm stellen. Seine offene Art und sein mitreißender Optimismus steckt sein Umfeld an. Selbst als ihm die Haare während der Therapie ausfallen, selbst als ihn ständige Übelkeit befällt, selbst als ihm klar wird, dass immer das Risiko besteht, dass der Krebs eines Tages zurückkehren könnte.

Ein großer Rückhalt für Louis (links) sind seine Eltern Dagmar und Mario.Forchheim & Fränkische Schweiz
Ein großer Rückhalt für Louis (links) sind seine Eltern Dagmar und Mario. // Stephan Großmann

Louis muss nun auf einen Spender hoffen

Louis schafft es. Lange danach sieht es gar so aus, als hätte er die Krankheit besiegt. Im Februar 2022 werden er und Laura sogar in die Giovanni Zarella Show eingeladen, wo sie ihre gemeinsame Geschichte erzählen.

Routineuntersuchung offenbart Krebs-Rückkehr

Dann, bei einer Routineuntersuchung seines Blutes Ende August dieses Jahres, fallen den Medizinern erhöhte Entzündungswerte auf. Er erfährt davon während einer Urlaubs-Rückreise. Wieder dreht sich in seinem Kopf alles. Mitten am Frankfurter Hauptbahnhof, so erzählt er es, schreit er seine Ohnmacht in die Menge: „Ich will nicht sterben!“ Aber auch diese Ohnmacht verfliegt relativ schnell wieder. Wie beim ersten Mal vor vier Jahren.

Louis Scordo braucht eine Stammzellen-Transplantation

Jedoch gestaltet sich die Lage dieses Mal etwas schwieriger. Denn nun ist klar: Ohne eine Transplantation von Stammzellen wird er nicht überleben können. Er muss darauf hoffen, dass es irgendwo auf der Welt mindestens einen Menschen mit nahezu gleichen Gewebemerkmalen gibt, der zu einer Spende bereit ist.

In Deutschland sind laut Zahlen des Zentralen Knochenmarkspender-Registers Deutschland (ZKRD) mehr als zehn Millionen potenzielle Spender in 26 verschiedenen Spenderdateien registriert. Die meisten davon listet die Deutsche Knochenmarkspenderkartei (DKMS), laut deren Angaben sind das mehr als 7,6 Millionen Menschen. Dennoch findet jeder zehnte Blutkrebspatient keinen passenden Stammzellspender.

Das ist wieder so eine Statistik, von der sich Louis Scordo nicht beeindrucken lassen will.

Und tatsächlich hat es bereits zwei potenzielle Treffer in der Datenbank gegeben. Leider führen solche Treffer nicht automatisch zu einer erfolgreichen Transplantation – zu viele Faktoren müssen dafür noch positiv zusammenspielen. Stichwort positiv: Gedanklich bereitet sich Louis schon auf den Herbst vor, falls er bis dahin einen passenden Spender gefunden haben sollte.

Auch dann wird die Heilung kein Selbstläufer – zahlreiche Untersuchungen und Krankenhausaufenthalte werden ihm bevorstehen. „Aber das wäre doch gelacht, wenn ich den Krebs nicht auch ein zweites Mal besiegen könnte“, sagt er lächelnd.

Mit einem Blick, der keinerlei Widerspruch zulässt.

So können Sie Stammzellenspender werden

Jeder zehnte Blutkrebspatient findet keinen passenden Stammzellspender. Jeder ab 18 Jahren kann sich grundsätzlich für die Stammzellspende registrieren.

Ablauf der Registrierung: Dafür kann man über das Zentrale Knochenmarkspenderregister Deutschland (ZKRD) eine der deutschen Spenderdateien kontaktieren. Zunächst stellt die Spenderdatei sicher, dass der Freiwillige gesund ist, keines der Ausschlusskriterien erfüllt und über 50 Kilogramm wiegt.

Nach Aufklärung und Einwilligung wird dem Freiwilligen eine Blutprobe oder ein Wangenabstrich entnommen, um die Gewebemerkmale des Spenders zu bestimmen. Die Spenderdatei übermittelt die Gewebemerkmale pseudonymisiert an das ZKRD.

Nach der Typisierung steht der Freiwillige für Patienten auf der ganzen Welt als potenzieller Spender zur Verfügung. Die Einwilligungserklärung zur freiwilligen Stammzellspende kann man jederzeit ohne Angabe von Gründen zurückziehen. Daraufhin werden die Daten des Spenders in der Spenderdatei, in der er typisiert wurde, und im ZKRD gelöscht.

Weitere Infos unter www.zkrd.de.

 

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