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Musikvideo macht Mut
Pfleger aus Franken rappt gegen den Pflegenotstand
Pfleger und Rapper: Daniel Scherer aka RB zum Jott will mehr Aufmerksam auf seine Branche richten und junge Leute für den Beruf motivieren.Forchheim & Fränkische Schweiz
Pfleger und Rapper: Daniel Scherer aka RB zum Jott will mehr Aufmerksam auf seine Branche richten und junge Leute für den Beruf motivieren. // Flexingmyownwave
Forchheim – Der 32-jährige Daniel Scherer ist mit Leib und Seele Pflegekraft. Und er hat sich in Frankens Rap-Szene einen Namen gemacht. Diesen will er nun nutzen, um junge Leute in Pflegeberufe zu holen.

Sein Arbeitsalltag gilt den Menschen. Besonderen Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Daniel Scherer ist Altenpfleger, mit Leidenschaft, wie er betont.

Was er und seine Kolleginnen und Kollegen bei der Diakonie Bamberg-Forchheim sowie die insgesamt knapp 89.000 Pflegekräfte in Bayern tagtäglich leisten, zeigt der 32-jährige Rapper in seinem Musikvideo zu seinem neusten Song „Bedeutsam und Wichtig“.

Sein Ziel: Junge Leute für den Pflegeberuf motivieren.

Daniel Scherer alias RB zum Jott: „Jeden Tag ’ne gute Tat“

„Jeden Tag ’ne gute Tat, weil Pflege so viel Gutes hat“, heißt es beispielsweise in dem knapp dreieinhalb Minuten langen Stück, das Scherer im Dezember unter seinem Künstlernamen RB zum Jott veröffentlicht hat.

Ein Lied gegen den Pflegenotstand soll es sein, „helft zusammen, um dieser prekären Lage entgegenzusteuern“, ruft der in ganz Franken beliebte Deutschrapper seine Fans auf.

Weiterbildung an Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe in Forchheim

Aktuell absolviert Daniel Scherer an Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe (bfz) eine einjährige Weiterbildung zum Pflegedienstleiter.

Im Rahmen dieser Ausbildung muss er ein Projekt zum Thema „Gewinnung von Auszubildenden für die Pflege“ arbeiten. Für den passionierten Musiker ist schnell klar, dass er sein Rap-Talent für den Erhalt seiner Traumberufung einsetzen will.

Aktuell absolviert Daniel Scherer  eine Fortbildung zum Pflegedienstleiter.Forchheim & Fränkische Schweiz
Aktuell absolviert Daniel Scherer eine Fortbildung zum Pflegedienstleiter. // Daniel Scherer

Musikvideo auf Youtube, Instagram und Facebook geteilt

Das Musikvideo ist düster, gedreht zum großen Teil in Hinterhöfen Bambergs, schwarz-weiß, schnelle Schnitte. Wie der dramaturgische Gegenentwurf wirkt der Text, den Scherer in harten Rap-Passagen ins Mikrofon hämmert.

Darin nimmt er absichtlich nicht nur die oft zitierten Schattenseiten des Berufes in den Fokus. Sondern die guten Dinge. Er singt von Verantwortung, von Jobgarantien, davon, dass man in der Pflege etwas Gutes tun kann. „Du rettest Leben und löst Probleme. Jetzt mal ehrlich, kann es Schöneres geben?“.

Vereinigung der Pflegenden in Bayern: „Situation erreicht katastrophale Ausmaße“

Für viele Menschen scheint es aktuell noch Schöneres zu geben. Denn um die Zukunft der Pflege steht es nicht zum Besten.

Erst in dieser Woche hat der Präsident der Vereinigung der Pflegenden in Bayern (VdPB) Georg Sigl-Lehner gemahnt, dass 2027 mehr Pflegende altersbedingt aus dem Beruf ausschieden, als durch die Pflegeausbildung neue in die Pflegepraxis starten würden.

„Wenn wir den Personalnotstand jetzt schon als dramatisch erleben, erreicht die Situation in drei Jahren katastrophale Ausmaße, die wir als Gesellschaft nur werden bewältigen können, wenn wir jetzt die richtigen Schritte wählen und konsequent einleiten“, sagt er.

Pflegegutachten Bayern 2050: Bedarf steigt im Landkreis Forchheim

Daten des Pflegegutachtens Bayern 2050 zufolge steigt auch im Landkreis Forchheim der Bedarf an Pflegekräften rasant an. Brauchte es 2021 rechnerisch noch knapp 690 Pflegekräfte auf 100.000 Einwohner, sind es im nächsten Jahr schon 736.

Im Jahr 2050 sogar 1259. Denn die Zahl der Pflegebedürftigen steigt rasant an, 2021 waren es noch 4686 Menschen (auf 100.000 gerechnet). Im Jahr 2050 werden es mehr als 7653 sein.

Initiativen gegen Pflegekraftmangel

Zwar haben viele das Problem erkannt, auch existieren schon Lösungsansätze. So haben sich im vorigen Jahr mehr als 80 Pflege- und Gesundheitseinrichtungen sowie drei Berufsfachschulen in der Region zum Ausbildungsverbund Pflege der Region Forchheim zusammengeschlossen.

Auch erhofft sich die Branche durch die Einführung der generalistischen Ausbildung mehr Interessierte, darüber hinaus gibt es längst Anwerbe-Initiativen im Ausland et cetera. Aber es scheint nicht zu reichen.

Umso mehr braucht es innovative Kräfte wie Daniel Scherer. Seit seiner Zivildienstzeit im Altenheim hat er sich beruflich der Pflege verschrieben. Zunächst als Hilfskraft bildete er sich stets weiter, arbeitet nunmehr seit fünf Jahren als Pflegefachkraft in einer diakonischen Einrichtung in Ebern (Landkreis Haßberge).

Nächste Woche darf er seine Pflegerkleidung wieder eine Woche lang im Schrank hängen lassen, im Forchheimer bfz braucht er sie vorübergehend nicht. Wenn er fertig fortgebildet ist, möchte er als Pflegedienstleiter seinen Beruf weiter voranbringen und andere inspirieren, ihr Glück in der Pflege zu finden.

So wie er schon heute über seine Musik tut. Seine Liebe zur Pflege beweist er spätestens im Refrain: „Es ist nicht nur ein Berufsfeld. Es ist die Zukunft.“

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