Die Region ist in Bewegung. Vor allem der Arbeit wegen. Fast 40.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftige zählte die Bundesagentur für Arbeit (BA) in ihrer jüngsten Auswertung vom März 2023 im Landkreis, Zuwächse gab es vor allem in der Metall- und Elektroindustrie sowie im Sozialwesen.
Weil aber nicht alle an ihrem Wohnort arbeiten, pendeln laut Zahlen aus dem Jahr 2022 20.787 Arbeitnehmer innerhalb des Landkreises, 30.641 Menschen verlassen den Landkreis sogar.
Auf den Straßen merken das alle Landkreisbewohner vor allem im Berufsverkehr, zumal zusätzlich noch 13.479 Menschen aus anderen Regionen täglich in die 29 Landkreisgemeinden pendeln.
Zum Vergleich: Aus, in und innerhalb des Landkreises Forchheim gibt es mit 64.907 Pendlerbewegungen fast so viele wie in der Stadt Bamberg.
Interaktive Karte zeigt Pendlerströme für Gemeinden im Landkreis Forchheim
Aus unserer anhand aktuell veröffentlichter BA-Daten erstellten, interaktiven Karte lässt sich auf Gemeindeebene herauslesen, wohin die Menschen von ihrem Wohnort aus zum Arbeiten fahren und wo sie losgefahren sind, wenn sie auf ihrer Arbeitsstelle erscheinen.
Fazit: Insgesamt verlassen weit mehr Menschen den hiesigen Landkreis, als zum Arbeiten hierherkommen.
Stadt Forchheim hat als einzige einen positiven Pendlersaldo
Einzig die Große Kreisstadt Forchheim dient in der Region weiterhin als wirtschaftliches Zugpferd und weist einen positiven Pendlersaldo auf. Das bedeutet, dass 4730 Menschen jeden Tag mehr einpendeln als auspendeln.
Hauptsächlich kommen die angereisten Arbeitnehmer aus Erlangen, Nürnberg, Eggolsheim, Ebermannstadt und Bamberg.
Bei allen anderen 28 Landkreisgemeinden schrumpft die sogenannte Tagesbevölkerung; es verlassen also zum Arbeiten mehr Menschen den Ort, als hineinkommen. Wichtigste Außen-Dienstorte sind für die Landkreisbewohner Erlangen, Nürnberg und Bamberg.
Hohe Pendelzahlen auch als positiver Indikator
„Dass Menschen nicht da wohnen, wo sie arbeiten, ist normal“, sagte Professor Wolfgang Dauth, Leiter des Forschungsbereichs Regionale Arbeitsmärkte am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit, in einem früheren Gespräch mit unserer Redaktion.
Grundsätzlich kann es für eine Region sogar ein guter Indikator sein, wenn dort viele Menschen wegen der Arbeit umherreisen.
Agora Verkehrswende kritisiert: Auto bestimmt weiterhin die Mobilität
Philipp Kosok von der Denkfabrik Agora Verkehrswende erklärt das so: „Grundsätzlich geht das Pendeln mit einer hohen wirtschaftlichen Entwicklung einher. Viele spezialisierte Berufe und eine hohe Beschäftigung lassen die Zahl der Pendelnden steigen. Leider haben gerade sehr lange Pendelwege auch negative Folgen für die Gesundheit, das Beziehungsleben und die Umwelt.“
Er sieht ein großes Problem darin, dass das Auto die Mobilität auf dem Land auch in Zukunft bestimmen wird. Zwar machten die Wege zur Arbeit deutschlandweit nur ein Fünftel der Straßenkilometer aus. Aber vom Verkehr insgesamt stammten 95 Prozent der CO₂-Emissionen.
ÖPNV auch im Landkreis Forchheim noch mit Verbesserungspotenzial
„Durch ein garantiertes Grundangebot an Bus- und Bahnverkehr, eine Mobilitätsgarantie, können auch in ländlichen Räumen Autofahrten reduziert werden“, sagt er. Da hapere es aber noch.
Wenngleich es im Landkreis Bestrebungen für einen verbesserten ÖPNV gibt, sind längst nicht alle Menschen zu jeder Zeit angebunden. Zugleich lässt sich für den Landkreis Forchheim auch auf Grund der vielen innovativen Unternehmen in der gesamten Metropolregion Nürnberg eine weitere Erhöhung der Pendlerzahlen voraussagen.
Zahlen der Bundesagentur für Arbeit nur theoretisch
Zur Einordnung der vorliegen Zahlen des Pendleratlas gehört aber auch die Information, dass dessen Ergebnisse auf Auswertungen des Wohn- und Arbeitsortes basieren und lediglich die potenzielle Mobilität der Pendelnden darstellen. In der Theorie.
Das heißt, dass der in den Daten aufgezeigte Weg zum Arbeitsort nicht zwangsläufig täglich zurückgelegt werden muss. Beispielsweise berücksichtigen die Zahlen nicht den seit der Corona-Pandemie sprunghaft angestiegenen Anteil von Stunden, die zahlreiche Arbeitnehmer seither von Zuhause aus erledigen können.
Ausblick: Reduzieren Homeoffice und Deutschlandticket den Straßenverkehr?
Experten wie Philipp Kosok hoffen, dass der Straßenverkehr trotz steigender Pendlerzahlen zurückgehen oder zumindest stagnieren könnte; eben wegen des vermehrten Arbeitens im Homeoffice und ÖPNV-Strategien wie etwa dem Deutschlandticket.
Ein Blick auf die Daten der beiden Verkehrszählstellen an der Autobahn A 73 (AS Forchheim-Nord und AS Forchheim-Süd) sprechen jedoch eine andere Sprache: Nach starken Einbrüchen in den Jahren 2020 und 2021 sind die Werte im Jahr 2022 bereits wieder mindestens auf Vor-Corona-Niveau angestiegen. Tendenz: steigend.
Lesen Sie auch:














