Verkehrsplaner und Ingenieur Robert Wunder war aus Nürnberg mit dem Zug nach Wiesenthau zur Hauptversammlung des Vereins „Bürgerinitiative pro Wiesenttal ohne Ostspange“ (Biwo) angereist und hatte dabei ein Schlüsselerlebnis: „Wenn man in Forchheim ankommt und der Anschlusszug ist schon weg, muss man eine Stunde warten, um die wenigen Kilometer nach Ebermannstadt zu kommen.“
Wunder unterstützt den Verein bei der Suche nach Lösungen, damit ein teils vierspuriger Bau der Bundesstraße B 470 vermieden und eine Verbesserung des Öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) vollzogen werden kann. „Ich stand vor einiger Zeit auf dem Walberla und habe ins Tal geschaut. Da dachte ich, dass es hier mit dem Straßenbau so nicht weitergehen darf.“ Für diese Aussage erhielt er spontan Applaus von den anwesenden Vereinsmitgliedern.
Vierspurige Ostspange würde viel Geld kosten
Die Biwo will erreichen, dass keine neue B 470 mit einer Länge von 6,9 Kilometern als Ostspange durch das Untere Wiesenttal gebaut wird. Die Mitglieder sind der Meinung, dass die Kosten für Natur und Bundeshaushalt drastisch überdimensioniert wären.
Zudem sehen sie damit keine Verbesserung für den ÖPNV oder den Schutz des Klimas. „Straßenbauämter rechnen mit ewig steigendem Verkehr. Das ist aber nicht so arg. Das aktuelle Verkehrskonzept setzt auf Straßenausbau und die Bahn passt scho“, trug Wunder in seinem Referat vor.
Sein Vorschlag war, das Erlebnis von Zug- und Busfahrten für die Menschen zu verbessern, damit sie den ÖPNV gerne nutzen: „Je besser die Erlebnisse, desto mehr werden sie genutzt.“ Eine Zuhörerin warf ein, dass sie versucht hatte, ein Sammeltaxi zu rufen. Das hatte aber nicht geklappt.
Ausbau der Zugstrecke nach Behringersmühle sei ein „Gewaltakt“
Wunder hält den Ausbau der Zugstrecke nach Behringersmühle für einen „Gewaltakt“. Seiner Meinung nach würde es reichen, die Strecke bis Streitberg und den dortigen Bahnhof zu ertüchtigen. Wichtig sei, dass die Menschen nicht zu lange auf Anschlusszüge warten müssen.
„Radwege, die zu den Bahnhöfen führen, muss man finden können und sie sollten gut ausgebaut sein“, meinte der Ingenieur und brachte als schlechte Beispiele die Radwege durch Pretzfeld und Kirchehrenbach an. Zudem empfahl er, Abstellmöglichkeiten für E-Bikes an den Bahnhöfen anzubieten und die Bahnhöfe zum Beispiel durch Einkaufsmöglichkeiten aufzuwerten.
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Um den Druck durch Staus aus Ebermannstadt zu nehmen, schlug er vor, vor der Stadt eine Ampel zu schalten, damit sich die Autos dort stauen. Er empfahl, mit Stadtvertretern aus Forchheim zu sprechen, dass bereits dort „der Druck auf die B 470 gedämpft wird“. Für Veränderungen brauche es einen positiven Gremienbeschluss des Landkreises Forchheim. „Straßenbau tut weh, nicht der Ausbau der Bahn“, endete Robert Wunder seinen Vortrag.
Anschließend präsentierte Corinna Brauer, Allianzmanagerin der Integrierten Ländlichen Entwicklung (Ile) „Fränkische Schweiz Aktiv“, die Aktivitäten dieser Vereinigung von 12 Kommunen der Region. Gerade im zwölften Jahr sei das Motto „Zug um Zug in die Zukunft“ gewesen. Brauer lobte den Dampfbahnverein Fränkische Schweiz, der die Strecke zwischen Ebermannstadt und Behringersmühle pflegt und befährt. Eine Ertüchtigung sei so kein großes Problem.
Und auch die agilis-Bahn unterstütze die Ile. Im Sommer gab es deshalb einen Zugtausch: Die Dampfbahn fuhr Richtung Forchheim, die agilis-Bahn Richtung Behringersmühle.
Corinna Brauer informierte außerdem, dass sie erfahren habe, dass die deutsche Luft- und Raumfahrt nach Teststrecken für autonomes Zugfahren suche und man sich beworben habe: „Damit könnte die Fränkische Schweiz eine Modellregion sein für die Verkehrswende.“
Abstellmöglichkeit für E-Bikes werden wichtiger
Die Allianzmanagerin erzählte auch von einer Idee, Jugendlichen kostenlose Bahntickets zu geben, um sie an den ÖPNV zu gewöhnen. Brauer berichtete zudem, dass einige Gemeinden bereits dabei seien, ihre Bahnhöfe aufzuwerten. In Pretzfeld soll zum Beispiel eine Abstellmöglichkeit für E-Bikes angebracht werden. Auch sei die Ile bereits an einer Studie zur Aufwertung von Bahnhöfen. Am Ende bat Corinna Brauer die Vereinsmitglieder um Unterstützung bei Befragungen und informierte, dass es auch im nächsten Jahr einen Zugtausch geben soll.
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