Herbstzeit ist Pflanzzeit und damit die wohl beste Gelegenheit, den Garten umzugestalten. Doch welche Sträucher sind dazu geeignet? Wem nutzt welcher Busch, und macht die Eberesche wirklich Sinn, gilt sie doch als giftig? Auf all diese Fragen weiß Naturparkrangerin der Fränkischen Schweiz Christine Berner Antwort.
„Entgegen der landläufigen Meinung ist die Eberesche (Endulis) nicht giftig. Sie hat viel Vitamin C und getrocknet schmecken die Ebereschenbeeren am besten“, sagt die Expertin. Sie hat auch bei der „Essbaren Hecke“, einem Teil des neuen Naturlehrpfads am Obstinformationszentrum in der Fränkischen Schweiz, mitgewirkt und erklärt, welche Sträucher aus ihrer Sicht einen Platz im heimischen Garten finden sollten.
Nahrung und Lebensraum für Insekten
„Wichtig ist, auf heimisches, also autochthones Gehölz im Garten zu achten, damit unsere heimischen Insektengilden Nahrung und Lebensraum haben“, sagt Berner. Ein Beispiel dafür sei die Kornelkirsche (Cornus mas), die mancher auch als Hartriegel, Hirnnuss oder Dirndl kenne. „Die Kornelkirsche ist ein wichtiges Bienen- und Vogelnährgehölz, aber auch ein Nistgehölz“, sagt sie. Die Beeren schmecken nicht nur den Vögeln. Auch für Menschen sind diese Früchteausgesprochen gesund, besitzen sie doch viel Vitamin B und C sowie zellschützende Flavonoide.
Die Blätter werden als Beimischung für Tee genutzt. Die Kornelkirsche ist somit eine Heilpflanze, wenn auch wenig bekannt, und verschafft Linderung bei Magen- und Darmproblemen. Als Strauch ist sie vor allem eine gute Alternative zur Forsythie.
Anfang März blüht die Kornelkirsche, ein Großstrauch, der bis zu acht Meter hoch und hundert Jahre alt werden kann. Die roten Früchte am besten im überreifen Zustand ernten und gleich essen, einen Likör oder Marmelade daraus bereiten. Die Beeren können nicht gelagert werden. Die Kornelkirsche bevorzugt kalkhaltige, lockere und durchlässige Böden oder sonnige Waldränder.
Multifunktionale Heilpflanze
Eine weitere spannende Art sei die Wildhimbeere (Rubusidaeus). Sie schmecke nicht nur besser als die Kulturpflanze, sie sei auch eine Bienenweide und ein wichtiges Vogel- und Schmetterlingsnährgehölz. „Sie ist ein Hotspotgehölz, beherbergt sie doch bis zu 54 Schmetterlingsraupenarten“, sagt Berner. Gepflanzt werden kann sie in eine Heckenreihe, wird aber auch gerne an Hängen zur Bodenbefestigung angesiedelt, da sie besonders starkwüchsig ist.
Die Wildhimbeere bevorzugt nährstoffreichen, nicht zu trockenen Boden. Zwischen Mai und August blüht sie. Alle Pflanzenteile können verwendet werden. Seit dem Altertum sei sie als Heilpflanze bekannt. „Die Wirkung der Pflanze reicht von entzündungshemmend, blutreinigend, adstringierend bis zu beruhigend, fiebersenkend, harn- und schweißtreibend. Eingesetzt wird sie vor allem in der Geburtsheilkunde und bei geschwächtem Immunsystem“, sagt die Expertin. Steinkernfunde bei Pfahlbauten aus dem Neolithikum zeigen zudem, dass Himbeeren bereits in der Steinzeit wichtige Obstpflanzen waren.
Kleiner Snack für Rehe
Darüber, dass die Mispel (Mespilusgermanica) wieder Einzug hält, freut sich Berner besonders. Auch bei ihr handelt es sich um ein „Hotspotgehölz“. „Die Echte Mispel ist eine Schmetterlingsfutterpflanze sowie ein Vogelschutz- und Nährgehölz. Sie dient auch zahlreichen Säugetierarten wie Eichhörnchen, Siebenschläfern, Igeln und Rehen als Nahrungsquelle“, sagt die Rangerin.
Der sommergrüne Baum mit sparrigem Wuchs, einem krummen Stamm und einer breiten Krone bevorzugt mäßig trockene, steinige oder sandig-lehmige, kalkhaltige Böden. Blüten sind Ende Mai nach dem Laubaustrieb sichtbar. Die Mispel kann fünf Meter Höhe erreichen, wird sie nicht geschnitten.
Nur naschen kann man die Mispel erst nach der Überreife oder dem Frost, wenn das harte Fruchtfleisch der orange-braunen Apfelfrüchte teigig und die Fruchtsäuren abgebaut sind. Aus den Früchten können Gelee und Parfait hergestellt werden. Früher war die Mispel als Obst sehr geschätzt in Europa. Das Mispelholz eignet sich für die Kunsttischlerei, zum Drechseln und für Intarsien.
Bei Vögeln begehrt
Gerade Amseln führen regelrechte Kunststücke aus, um an die roten Beeren der Felsenbirne (Amelanchier ovalis) zu gelangen. Die Früchte der Felsenbirne sind aber auch für den Menschen gesund, denn die Flavonoide in den Früchten halten die Gefäße geschmeidig und das Herz gesund. Mineralstoffe wie Magnesium, Kalzium und Eisen unterstützen den Schlaf, eine normale Nervenfunktion und Muskeltätigkeit.
Unverdauliche Ballaststoffe wie Pektin sättigen, ohne Nahrungsenergie zu liefern, und unterstützen so das Abnehmen und die Verdauung. Die Gerbstoffe werden in der Naturmedizin eingesetzt, um Entzündungen im Mund- und Rachenraum zu bekämpfen.
Bei den Beeren handelt es sich eigentlich um Apfelfrüchte, die früher Ersatz für getrocknete Rosinen waren. Sollten die Vögel genug Beeren übrig lassen, können die Menschen die Früchte vom Baum weg essen oder zu Dörrfrüchten, Marmelade und Sirup verarbeiten.
Die Pflanze kann als Wildgehölzhecke oder für eine Blütenhecke gepflanzt werden und ist auch als Solitärgehölz geeignet. Die Gewöhnliche Felsenbirne ist übrigens die einzige in Europa heimische Art. Weltweit gibt es insgesamt 25 Sorten, von denen die meisten in Nordamerika heimisch sind.
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