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Versorgungsprobleme
Wenn Forchheims Babyboom auf Hebammenmangel trifft
Elise Beer und ihr Sohn Jonathan werden von Kathinka Löb (rechts) versorgt. Insgesamt bleibt die Hebammenversorgung in  Bayern aber problematisch.Forchheim & Fränkische Schweiz
Elise Beer und ihr Sohn Jonathan werden von Kathinka Löb (rechts) versorgt. Insgesamt bleibt die Hebammenversorgung in Bayern aber problematisch. // Matthias Hoch
Forchheim – In Forchheim werden wieder mehr Babys geboren, aber Versorgungslücken erschweren die Geburtshilfe. Wie es Hebammen ergeht und was Eltern tun können.

Jonathan bekommt nichts davon mit. Er ist eine Woche alt und bei Hebamme Kathinka Löb in der Forchheimer Hebammenambulanz in besten Händen. Mama Elise und Papa Martin aus Wimmelbach aber können von Glück reden, dort ihre Wochenbettbetreuung in Anspruch nehmen zu können. Denn der Mangel an Hebammen im Landkreis bleibt wie in ganz Deutschland ein großes Problem.

„Der Mangel ist akut und sogar noch schlimmer geworden“, sagt Bärbel Matiaske. Die Geschäftsstellenleiterin der GesundheitsregionPlus am Landratsamt Forchheim hat die Entwicklung in der Region im Blick. Niedergelassen, also in der Regel außerhalb des Klinikums eingesetzt, arbeiten im Landkreis derzeit 14 Hebammen, 2021 waren es noch 16.

Bärbel Matiaske, Geschäftsstellenleiterin der GesundheitsregionPlus in ForchheimForchheim & Fränkische Schweiz
Bärbel Matiaske, Geschäftsstellenleiterin der GesundheitsregionPlus in Forchheim // Landratsamt Forchheim

Viele davon seien selbst Mütter junger Kinder, könnten kaum Vollzeit arbeiten, so Matiaske. Auch die Impfpflicht habe Bewegung ins Personalkarussell gebracht.

40 bis 50 Frauen ohne Hebamme

„Wegen Urlaubs- und Ferienzeit standen vor allem in den Sommern deshalb regelmäßig 40 bis 50 Frauen auf den Listen, die keine Hebamme finden.“ 2021 sind insgesamt 1138 neue Landkreisbürger dazu gekommen.

Zwar stopften Einrichtungen wie die von der Hebammenpraxis Ebermannstadt betriebene Ambulanz in der Forchheimer Krankenhausstraße die größten Löcher.

Von einer adäquaten Versorgung mag aber niemand sprechen. Auch nicht Alexander Thor, Geschäftsführer der Hebammenambulanz. „Selbst wenn sich Frauen frühzeitig melden, fallen immer wieder welche aus der Versorgung.“

Alexander Thor, Geschäftsführer Hebammenpraxis EbermannstadtForchheim & Fränkische Schweiz
Alexander Thor, Geschäftsführer Hebammenpraxis Ebermannstadt // Matthias Hoch

Mit der Hebammenpraxis Ebermannstadt solle dem gegengesteuert werden. Bis zu 500 Frauen betreuen Thors Hebammen im Jahr, viele davon in der Forchheimer Hebammenambulanz. Die Geburtshelferinnen können als Angestellte arbeiten statt als Einzelkämpferinnen bestehen zu müssen. Denn laut Thor scheuten viele Hebammen den administrativen Aufwand, sich selbstständig zu machen, wechselten gar das Berufsbild.

Wochenbettbetreuung: „Nicht optimal“

„Wir wissen, dass diese Art der Wochenbettbetreuung nicht optimal ist“, sagt Thor. Frisch Entbundene brauchen Ruhe, wie es das Wochenbett eigentlich ausdrückt. Nur kosteten Hausbesuche Zeit und Ressourcen – das sei flächendeckend und rund um die Uhr nicht zu leisten. „Die Frauen nehmen lieber hier die Nachsorge an, als gar keine zu bekommen.“ Statt einer 1a-Lösung gebe es immerhin eine 1b-Lösung.

Immerhin Geburtshilfestation im Kreis

Und werdende Eltern verfügen im Landkreis Forchheim zumindest über den Luxus, einen Kreißsaal im heimischen Klinikum aufsuchen zu können. Das ist nicht selbstverständlich in der Region. Im vergangenen Jahr sind im Klinikum Forchheim 690 Kinder zur Welt gekommen, heuer waren es bisher 278. Chefarzt Dr. Stefan Weingärtler: „Die Geburtshilfe läuft weitgehend reibungslos. Probleme machen eher Ausfälle beim Personal, die nicht immer leicht zu ersetzen sind.“

Klinikum Forchheim: Stelle ausgeschrieben

Aktuell arbeiten laut Klinik zwölf Hebammen und drei Hilfskräfte im Kreißsaal. Hinzu kommen ärztliches Personal sowie Pflegekräfte auf Wochenbettstation und Gynäkologie. Eigentlich gute Zahlen. Aber: Wenn wie aktuell offene Stellen ausgeschrieben sind, sei eine rasche Nachbesetzung schwer.

Hebammenverband fordert Eins-zu-eins-Betreuung

Problematisch: Der Mangel an Hebammen wird mittelfristig bestehen bleiben. Zwar entzerren Projekte wie in Forchheim die schlimmsten Auswirkungen. Aber von der eigentlich vom Hebammenverband geforderten Eins-zu-Eins-Betreuung sind die aktuellen Zustände weit entfernt.

Der Mangel an Hebammen wird mittelfristig bleiben.Forchheim & Fränkische Schweiz
Der Mangel an Hebammen wird mittelfristig bleiben. // Matthias Hoch

Das gilt für die Vor- und Nachsorge. Und für die Geburt selbst: So bemühe sich das Klinikum Forchheim um individuelle Betreuung, wie Sprecherin Franka Struve mitteilt, könne aber keine Eins-zu-eins-Betreuung garantieren.

Landkreis Forchheim kein Einzelfall

Der hiesige Landkreis ist ein Einzelfall. Im Gegenteil. „Generell ist die flächendeckende Versorgung in Bayern nicht ausreichend“, sagt Mechthild Hofner, Vorsitzende des Bayerischen Hebammenverbandes.

„Die bessere finanzielle Förderung von außerklinischen, hebammengeleiteten Einrichtungen sowie die Förderung von Hebammenkreißsälen könnte dem Hebammenmangel entgegenwirken.“

Hebammenpraxis Ebermannstadt – mehr Förderung?

Wie zum Beispiel die Hebammenpraxis Ebermannstadt. Fördergeld gibt es nur für Kinder, die im Landkreis geboren sind. Fast 500 Forchheimer Kinder wurden jedoch außerhalb geboren – nehmen aber als Landkreisbürger hier die Nachsorge in Anspruch.

Wie der kleine Jonathan aus Hausen. Er kam in Fürth auf die Welt.

 

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