Jedes Jahr kommen mehr als 2000 Kinder auf der „Missio“-Geburtsstation am Klinikum Würzburg Mitte (KWM) zur Welt. Doch ob das auch in Zukunft so bleiben wird, ist ungewiss. Wegen Verlusten in Millionenhöhe droht der Station die Schließung. Auch am Rhön-Klinikum Campus Bad Neustadt gibt es eine Geburtsstation. Nachfolgend werden die wichtigsten Fragen zur Finanzierung und zur Zukunft der Station beantwortet.
Wie viele Geburten gab es in den Jahren 2023, 2024 und 2025 am Rhön-Klinikum Campus?
Trotz im deutschlandweiten Trend liegender rückläufiger Geburtenzahlen sei der Bedarf an geburtshilflicher Versorgung in der Region stabil, teilt die Pressestelle des Rhön-Klinikum Campus auf Nachfrage mit. Die Geburtshilfe werde sowohl gebraucht als auch sehr gut angenommen. 590 Geburten wurden 2021 am Campus verzeichnet, 548 im Jahr 2022, 2023 waren es 460 und 2024 wurden 427 Geburten verzeichnet. Für 2025 werden etwa 450 Geburten erwartet.
Wie sieht die Wirtschaftlichkeit der Geburtsstation in Bad Neustadt aus?
Wie in einer Sitzung des Kreistags deutlich wurde, betrug 2022 das Defizit der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe rund 1,12 Millionen Euro, die Rede war von einem Fehlbetrag von rund 2000 Euro pro Geburt. 2023 betrug der Fehlbetrag der Geburtshilfe-Station 1,17 Millionen Euro.
Was sind die Gründe dafür, dass die Station defizitär arbeitet?
Aus Sicht der Campus-Verantwortlichen „fehlt es an ausreichender Finanzierung für die Geburtshilfe“. Grund dafür sei ein grundlegendes strukturelles Problem im Vergütungssystem der Krankenhausfinanzierung. Die Fallpauschale, eine pauschale Vergütung für jede Geburt, decke nicht die tatsächlich bei einer Geburt anfallenden Kosten.
Kliniken müssen sogenannte „Vorhaltekosten“ zur Rund-um-die-Uhr-Gewährleistung einer qualitativ hochwertigen Betreuung tragen, die unabhängig von der Anzahl der betreuten Geburten anfallen. Beispielsweise für die Bereitstellung von Fachpersonal, Infrastruktur wie Kreißsäle, Operations- und Notfallkapazitäten sowie medizintechnische Ausstattung.
„Zudem steigen exogene Kosten, etwa für Energie, medizinische Sachmittel und Personal, die zunehmend nicht oder nur unzureichend kompensiert werden. Ein Rückgang der Geburtenzahlen führt unweigerlich zu geringeren Erlösen aus der Geburtshilfe“, so die Klinik.
Wie finanziert sich die Station?
„Kliniken erhalten für jede Geburt eine pauschale Vergütung, die sogenannte Fallpauschale. Doch diese deckt nicht die tatsächlichen Kosten, die mit der Betreuung und den komplexen, zeitintensiven Prozessen rund um eine Geburt verbunden sind“, teilt eine Pressesprecherin des Campus mit. Geburtshilfe sei personalintensiv und nicht planbar.
Im aktuellen System sei es häufig nicht möglich, eine Geburtsstation kostendeckend zu betreiben: „Die Vergütung reicht nicht aus, um die notwendigen Aufwendungen für eine sichere und qualitativ hochwertige Geburtshilfe zu finanzieren.“ Bundesweit stünden Kliniken und Geburtszentren insbesondere in ländlichen Regionen vor großen Herausforderungen: „Viele Einrichtungen kämpfen darum, eine verlässliche Versorgung für werdende Eltern sicherzustellen.“
Welche Rolle spielen Freistaat Bayern und Landkreis Rhön-Grabfeld bei der Finanzierung?
Mit dem „Zukunftsprogramm Geburtshilfe“ fördert der Freistaat Bayern Geburtshilfestationen mit maximal 800 Geburten pro Jahr im ländlichen Raum, also auch den Rhön-Klinikum Campus: „Mit diesem Förderprogramm unterstützt der Freistaat die Landkreise, damit die Geburtshilfe auch künftig auf hohem Niveau flächendeckend zur Verfügung steht und vor allem in ländlichen Regionen wohnortnah erhalten bleibt“.
Der Staat übernimmt dabei 85 Prozent des Defizits, der Landkreis 15 Prozent. So erhielt der Rhön-Klinikum Campus etwa rückwirkend für 2023 eine Förderung von mehr als einer Million Euro. Der Anteil des Landkreises für 2023 betrug dabei 176.470 Euro. Für das Jahr 2022 waren es 168.800 Euro.
Wie sicher ist es, dass die Geburtsstation des Campus auch in Zukunft erhalten bleibt?
Trotz finanzieller Defizite halte der Rhön-KIinikum Campus gemeinsam mit dem Landkreis Rhön-Grabfeld an der Geburtshilfe fest, heißt es weiter. Dies erfolge „nicht aus wirtschaftlichen Gründen, sondern, um dem Versorgungsauftrag nachzukommen“. Ziel sei es, für die Frauen im Landkreis und darüber hinaus eine hochwertige, wohnortnahe Versorgung zu erhalten.
„Dank der finanziellen Unterstützung des Freistaats Bayern sowie des Landkreises Rhön-Grabfeld ist die Geburtshilfestation am Rhön-Klinikum Campus Bad Neustadt weiterhin gesichert“, antwortet die Campus-Pressesprecherin. „So können junge Eltern auch in Zukunft in der Region auf eine verlässliche und kompetente Geburtshilfe zählen.“











