0
Tiertherapie
Tierische Hilfe für Groß und Klein
Seit sieben Jahren kümmert sich Hildegard Kreller um die Hühner des Seniorenzentrums Johann Wichern.Forchheim & Fränkische Schweiz
Seit sieben Jahren kümmert sich Hildegard Kreller um die Hühner des Seniorenzentrums Johann Wichern. // Vera Schiller
Anna Dürrbeck greift als Therapeutin nur  ein, um darauf zu achten, dass die Haltung ihrer Patienten aufrecht bleibt.Forchheim & Fränkische Schweiz
Anna Dürrbeck greift als Therapeutin nur ein, um darauf zu achten, dass die Haltung ihrer Patienten aufrecht bleibt. // Vera Schiller
Signet des Fränkischen Tags von Vera Schiller
LKR Forchheim – Tiere können in der Krankheitsbehandlung Wunder bewirken. Im Forchheimer Seniorenheim helfen Hühner den Bewohnern sogar, ihr Gedächtnis zu trainieren.

Schon seit Jahren tummeln sich im Garten des Seniorenzentrums Johann Wichern Federvieh. Dabei handelt es sich um die über 30 Tiere  des Projekts „Leasing-Hühner“, das kürzlich mit dem Bayerischen Demenzpreis ausgezeichnet wurde. Zusammen mit dem Team der Einrichtung kümmern sich hier auch Senioren um die Tiere. So beispielsweise Hildegard Kreller.

Sie selbst ist auf einem großen Bauernhof aufgewachsen und arbeitete auch später als Dienstmagd in der Landwirtschaft: „Ich kenne alles, mit der Sense arbeiten und auch melken.“

Und natürlich kennt sie sich im Umgang mit den Hühnern aus. „Da habe ich hier schon viele Hühner wieder eingefangen, wenn sie mal ausgebüchst sind“, erzählt Kreller. Auch sonst weiß sie um die Vorlieben der Tiere. „Alles mögen sie nicht“, verrät sie, doch Brot, Abfälle und Unkraut kämen bei den Tieren eigentlich immer an.

Hühner erinnern an vergangene Zeiten

Genau auf dieses Anknüpfen an vergangene Zeiten zielt das Projekt ab, verrät Gina Ehrlich, Mitarbeiterin des Seniorenheims. Die meisten Bewohner der Einrichtung kennen die Haltung von Nutztieren noch von früher. Durch den Umgang mit den Hühnern werden verborgene Erinnerungen wieder präsent.

Lesen Sie auch:

Das sei nicht nur bei Nutztieren, sondern auch bei der Haltung von Hunden, Katzen oder Wellensittichen der Fall, die im Seniorenzentrum ebenfalls gestattet ist. Die „Leasing-Hühner“ sorgen noch dazu aber für die Begegnung mit Menschen außerhalb der Einrichtung.

Denn gegen eine Gebühr von 60 Euro pro Jahr können Menschen aus der Umgebung ein Huhn „leasen“ und sich pro Woche fünf Eier abholen.

Hunde brechen das Schweigen

Ebenfalls auf Begegnung setzt seit 2007 der Besuchshundedienst des ASB. Einrichtungen wie Seniorenheime, Kindergärten, Schulen, Einrichtungen für Menschen mit Behinderung oder Privatpersonen werden hierbei regelmäßig von Hundehaltern und ihren Vierbeinern ehrenamtlich besucht.

Die Funktion der Tiere ist dabei je nach Einrichtung verschieden. Ähnlich wie beim Projekt „Leasing-Hühner“ setzt man bei der Arbeit mit älteren Menschen besonders auf Erinnerungen. „Gerade Leute, die selber einen Hund hatten, animiert das dann zum Reden und wir hören zu“, erklärt Katrin Fenzl, Leiterin des Besuchshundedienstes. Aber auch der Körperkontakt und die dadurch spürbare Wärme des Tiers seien wichtig.

Besuchshund Nero eignet sich besonders für Besuche an Schulen.Forchheim & Fränkische Schweiz
Besuchshund Nero eignet sich besonders für Besuche an Schulen. // Karin Fenzl

Bei Kindern hätten die Hunde eher eine erzieherische Wirkung. Nur wenn sich an bestimmte Regeln gehalten und verantwortungsbewusst gehandelt wird, sei der Besuch mit den Tieren möglich.

Welcher Hund in welcher Einrichtung eingesetzt wird, hängt natürlich einerseits von der Größe Tiers, andererseits aber auch von dessen Charakter ab. Insgesamt seien Hunde aber recht gut führbar und Menschen gegenüber offen.

Pferde helfen dem Körper und der Psyche

Während diese Projekte vor allem mit Emotionen uns Verhaltensweisen arbeiten, die im Umgang mit Tieren generell ausgelöst werden, ist in der Reittherapie die Rolle des Tiers eine spezifischere. So können Pferden gezielt auf psychische und physische Erkrankungen einwirken.

Anna Dürrbeck vom Reit- und Therapiezentrum Thurn behandelt beispielsweise Patienten mit Einschränkungen des Sprachzentrums oder mit Gehbehinderungen, Reha-Patienten, Kinder mit ADS und ADHS.

Patientin Celine Neubauer reitet regelmäßig unter der Führung von Reittherapeutin Anna Dürrbeck auf Adena.Forchheim & Fränkische Schweiz
Patientin Celine Neubauer reitet regelmäßig unter der Führung von Reittherapeutin Anna Dürrbeck auf Pferd Adena. // Vera Schiller

Einen Großteil der Arbeit mache dabei das Pferd selbst, ohne dass Dürrbeck selbst eingreifen müsse, erklärt sie. Denn schon durch den Schritt des Pferdes sind beim Reiten beispielsweise erste Lockerungen in der Muskulatur des Patienten bemerkbar.

Nicht jedes Pferd ist geeignet

Trotz dieser therapeutischen Wirkung des Pferds allein ist auch das Zusammenspiel von Pferd und Therapeut enorm wichtig. Denn das Pferd müsse sich immer wieder beim Therapeuten rückversichern können, wenn ein Patient beispielsweise einmal missverständliche Signale aussenden würde.

Relevant sei es deshalb, dass sich Pferd und Therapeut bereits lange kennen. Während dieser Zeit muss das Tier, das bestenfalls über Gutmütigkeit und Stressresistenz verfügt, auch an spezifische Hilfsmittel, wie etwa Rampen, gewöhnt werden. Erst wenn all diese Faktoren erfüllt sind, kann mit Patienten gearbeitet werden.

Je nach Patient kommen im Reit- und Therapiezentrum Thurn auch die Therapie-Ponys Joy und Bella zum Einsatz.Forchheim & Fränkische Schweiz
Je nach Patient kommen im Reit- und Therapiezentrum Thurn auch die Therapie-Ponys Joy und Bella zum Einsatz. // Vera Schiller

Neben körperlichen Erfolgen steht dabei auch das Wohlbefinden aller Beteiligten im Zentrum der Arbeit. „Die Verbindung von Patient und Pferd ist besonders wichtig, deshalb achten wir auch darauf, dass unsere Patienten immer das gleiche Pferd haben“, verrät Dürrbeck.

So kann das volle Potenzial der Therapie ausgeschöpft werden.

Inhalt teilen
  • kopiert!