Schon seit Jahren tummeln sich im Garten des Seniorenzentrums Johann Wichern Federvieh. Dabei handelt es sich um die über 30 Tiere des Projekts „Leasing-Hühner“, das kürzlich mit dem Bayerischen Demenzpreis ausgezeichnet wurde. Zusammen mit dem Team der Einrichtung kümmern sich hier auch Senioren um die Tiere. So beispielsweise Hildegard Kreller.
Sie selbst ist auf einem großen Bauernhof aufgewachsen und arbeitete auch später als Dienstmagd in der Landwirtschaft: „Ich kenne alles, mit der Sense arbeiten und auch melken.“
Und natürlich kennt sie sich im Umgang mit den Hühnern aus. „Da habe ich hier schon viele Hühner wieder eingefangen, wenn sie mal ausgebüchst sind“, erzählt Kreller. Auch sonst weiß sie um die Vorlieben der Tiere. „Alles mögen sie nicht“, verrät sie, doch Brot, Abfälle und Unkraut kämen bei den Tieren eigentlich immer an.
Hühner erinnern an vergangene Zeiten
Genau auf dieses Anknüpfen an vergangene Zeiten zielt das Projekt ab, verrät Gina Ehrlich, Mitarbeiterin des Seniorenheims. Die meisten Bewohner der Einrichtung kennen die Haltung von Nutztieren noch von früher. Durch den Umgang mit den Hühnern werden verborgene Erinnerungen wieder präsent.
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Das sei nicht nur bei Nutztieren, sondern auch bei der Haltung von Hunden, Katzen oder Wellensittichen der Fall, die im Seniorenzentrum ebenfalls gestattet ist. Die „Leasing-Hühner“ sorgen noch dazu aber für die Begegnung mit Menschen außerhalb der Einrichtung.
Denn gegen eine Gebühr von 60 Euro pro Jahr können Menschen aus der Umgebung ein Huhn „leasen“ und sich pro Woche fünf Eier abholen.
Hunde brechen das Schweigen
Ebenfalls auf Begegnung setzt seit 2007 der Besuchshundedienst des ASB. Einrichtungen wie Seniorenheime, Kindergärten, Schulen, Einrichtungen für Menschen mit Behinderung oder Privatpersonen werden hierbei regelmäßig von Hundehaltern und ihren Vierbeinern ehrenamtlich besucht.
Die Funktion der Tiere ist dabei je nach Einrichtung verschieden. Ähnlich wie beim Projekt „Leasing-Hühner“ setzt man bei der Arbeit mit älteren Menschen besonders auf Erinnerungen. „Gerade Leute, die selber einen Hund hatten, animiert das dann zum Reden und wir hören zu“, erklärt Katrin Fenzl, Leiterin des Besuchshundedienstes. Aber auch der Körperkontakt und die dadurch spürbare Wärme des Tiers seien wichtig.
Bei Kindern hätten die Hunde eher eine erzieherische Wirkung. Nur wenn sich an bestimmte Regeln gehalten und verantwortungsbewusst gehandelt wird, sei der Besuch mit den Tieren möglich.
Welcher Hund in welcher Einrichtung eingesetzt wird, hängt natürlich einerseits von der Größe Tiers, andererseits aber auch von dessen Charakter ab. Insgesamt seien Hunde aber recht gut führbar und Menschen gegenüber offen.
Pferde helfen dem Körper und der Psyche
Während diese Projekte vor allem mit Emotionen uns Verhaltensweisen arbeiten, die im Umgang mit Tieren generell ausgelöst werden, ist in der Reittherapie die Rolle des Tiers eine spezifischere. So können Pferden gezielt auf psychische und physische Erkrankungen einwirken.
Anna Dürrbeck vom Reit- und Therapiezentrum Thurn behandelt beispielsweise Patienten mit Einschränkungen des Sprachzentrums oder mit Gehbehinderungen, Reha-Patienten, Kinder mit ADS und ADHS.
Einen Großteil der Arbeit mache dabei das Pferd selbst, ohne dass Dürrbeck selbst eingreifen müsse, erklärt sie. Denn schon durch den Schritt des Pferdes sind beim Reiten beispielsweise erste Lockerungen in der Muskulatur des Patienten bemerkbar.
Nicht jedes Pferd ist geeignet
Trotz dieser therapeutischen Wirkung des Pferds allein ist auch das Zusammenspiel von Pferd und Therapeut enorm wichtig. Denn das Pferd müsse sich immer wieder beim Therapeuten rückversichern können, wenn ein Patient beispielsweise einmal missverständliche Signale aussenden würde.
Relevant sei es deshalb, dass sich Pferd und Therapeut bereits lange kennen. Während dieser Zeit muss das Tier, das bestenfalls über Gutmütigkeit und Stressresistenz verfügt, auch an spezifische Hilfsmittel, wie etwa Rampen, gewöhnt werden. Erst wenn all diese Faktoren erfüllt sind, kann mit Patienten gearbeitet werden.
Neben körperlichen Erfolgen steht dabei auch das Wohlbefinden aller Beteiligten im Zentrum der Arbeit. „Die Verbindung von Patient und Pferd ist besonders wichtig, deshalb achten wir auch darauf, dass unsere Patienten immer das gleiche Pferd haben“, verrät Dürrbeck.
So kann das volle Potenzial der Therapie ausgeschöpft werden.














