Bis oben hin gefüllte Maßkrüge, Schäuferla, Bratwurst und Schnitzel so weit das Auge reicht und eine bunte Auswahl an Fahrgeschäften und Buden. All das zeichnet das Forchheimer Annafest im Jahr 2025 aus. 2025 ist dabei ein weiteres rundes Jubiläumsjahr für das bekannte Volksfest im Kellerwald. Es ist das 185. Annafestjahr für die Stadt Forchheim. Zwar konnte das Fest nicht durchgängig einmal pro Jahr gefeiert werden, dennoch blickt man heute auf eine Festhistorie von mehr als einem Jahrhundert. Eine Zeit, in der sich das Fest von einer einfachen Tradition nach der Wallfahrt zu einem der bekanntesten deutschen Volksfeste entwickelt hat.
Annafest Forchheim: Wie hat sich das Volksfest verändert
Die Geschichte des Forchheimer Annafests kann aber nicht erzählt werden, wenn man nicht auch die Geschichte der Forchheimer Bierkeller erzählt. „Ab 1691 wurden die Stollen erstmals als Lagerkeller für die Bierlagerung freigegeben“, erklärt der Forchheimer Historiker Reinhold Glas im Gespräch mit fraenkischertag.de. Er beschäftigt sich intensiv mit der Forchheimer Stadtgeschichte und auch der Geschichte des Forchheimer Bieres. „Damals gab es ja natürlich noch keine Kühlmaschinen. Damals musste Bier an kalten Orten, wie einem Keller, oder eben einem ehemaligen Steinbruchstollen gelagert werden“, erklärt Glas weiter.
Damit begann die Bierlagerung im heutigen Forchheimer Kellerwald. „Die waren natürlich anfangs noch nicht für Gäste oder eine Bewirtung gedacht“, erklärt Historiker Glas. Doch mit der Zeit stieg das Interesse der Forchheimer an einer Bewirtung an den Bierlagerstätten. „Im 18. Jahrhundert haben wir dann auch die ersten Belege für Schankhäuser auf den Kellern“, erzählt Glas. Aus eben diesen Schankhäusern bildeten sich über die nächsten Jahrzehnte größere Gaststätten auf den Kellern. Für viele Forchheimer waren die Maß und die Brotzeit im Kellerwald eine beliebte Beschäftigung an Sonntagen.
Wallfahrt als Basis für das heutige Annafest
Während sich die Bierkeller im Kellerwald also eigenständig formierten, entwickelte sich nebenbei eine lang bestehende Tradition, die ebenfalls ihren Fuß im Kellerwald finden sollte – die alljährliche Anna-Wallfahrt. „Seit dem frühen 16. Jahrhundert gab es in Unterweilersbach eine Kapelle, die der heiligen Anna gewidmet worden war. Jedes Jahr am 26. Juli pilgerten Forchheimer zu dieser Kapelle“, berichtet Forchheims Annafest Bürgermeister Udo Schönfelder auf Nachfrage. Als im Kellerwald dann die Bierkeller entstanden, entschlossen sich die ermüdeten Wallfahrer hinterher zu einer Rast im Wald. Dabei wurde dann natürlich zur Brotzeit auch Bier ausgeschenkt. „Es sind die Anfangszeiten des Annafests, aber offiziell wurde noch kein Volksfest gefeiert“, berichtet der Zweite Bürgermeister.
Forchheimer Schützenverein ruft Annafest ins Leben
Während mit der Zeit das Interesse an der jährlichen Anna-Wallfahrt abnahm, blieben aber die nachträglichen Feierlichkeiten im Gedächtnis. Darauf folgte, dass Forchheims ältester Verein, die königliche Schützengesellschaft, im Jahr 1840 die Tradition der Anna-Wallfahrt und eines traditionellen Schützenfests miteinander verbanden. Das erste offizielle Annafest war geboren. „Schon damals hat die Stadt Forchheim aktiv mitgewirkt, dass hier im Kellerwald noch mehr entstehen kann“, berichtet Schönfelder. Schon früh mit dabei sind Schausteller und ihre Buden. 1865 wurde etwa das erste Karussell auf dem Annafest aufgebaut.
Annafest Forchheim: Von der Blütezeit zum Weltkrieg
Bis zu Kriegsbeginn 1914 konnte das Annafest stetig an Wichtigkeit und Besucherzahlen zunehmen. „Für damalige Verhältnisse wurde auch schon ziemlich die Werbetrommel gerührt“, erzählt Glas. Das Annafest wurde per Zeitung und Flugblatt in den umliegenden Metropolen beworben. Von Nürnberg und Bamberg aus kamen mit dem Aufstieg der Eisenbahn in Franken auch Sonderzüge zum Einsatz, die die Besucher auf direktem Wege nach Forchheim brachten.
Erst mit Beginn des Ersten Weltkriegs kam das Annafest erstmals wieder ins Stocken. „In Zeiten des Krieges hatte man nicht unbedingt Zeit für ein fröhliches Volksfest“, beschreibt Glas. Gleiches auch für den Zweiten Weltkrieg, während das Volksfest bis 1939 wieder zur alten Blüte aufleben konnte, wurde das Fest mit Kriegsbeginn auf Eis gelegt. Erst 1947, also zwei Jahre nach dem Sieg der Alliierten, konnte in Forchheim wieder offiziell Annafest gefeiert werden.
Vom Kriegsende bis heute: Das Annafest in der Neuzeit
Mit dem erneuten Wiederbeginn des Annafests konnte das Fest fast kontinuierlich stattfinden und entsprechend wachsen. „Nach dem Krieg hat das Fest dann wieder einen ähnlichen Schub erleben dürfen, wie damals in den Gründungsjahren“, berichtet Historiker Glas. Zum 115. Jubiläumsjahr fand 1955 erstmals ein großer Jubiläumsumzug statt. Diese Tradition wird bis heute noch alle fünf Jahre fortgeführt.
Während das Fest im 19. Jahrhundert meist nur drei bis vier Tage ging, wird heutzutage natürlich deutlich länger im Kellerwald gefeiert. Eineinhalb Wochen dauert das Annafest heute. Das bedeutet neben all der Freude natürlich jede Menge Mehraufwand für die Schausteller, Kellerwirte und natürlich auch die Stadt Forchheim selbst.
Wichtig zu beachten: Heuer wird übrigens nicht das 185. Annafest gefeiert. „Seit dem ersten Annafest sind 185. Jahre vergangen, diese Zahl feiern wir jährlich. Die tatsächliche Anzahl an Festen beträgt rund 170“, erklärt Bürgermeister Schönfelder abschließend.

















