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Gleichberechtigung
Feuerwehr von Schweinthal: Frauen in der Überzahl
Hydrant-Spülen? Bitte sehr, kein Problem für die Wassertrupp-Frau.Forchheim & Fränkische Schweiz
Hydrant-Spülen? Bitte sehr, kein Problem für die Wassertrupp-Frau. // Petra Malbrich
Signet des Fränkischen Tags von Petra Malbrich
Schweinthal – Es gibt auch Männer in der Freiwilligen Feuerwehr Schweinthal. Aber der Frauen-Anteil liegt hier bei 55 Prozent. Warum das Vorteile bringt.

Mit der Rettungsschere ein Auto zerlegen? Kein Thema für Wolfgang Gantke, den ersten Kommandanten der Feuerwehr in Schweinthal. Drei seiner Frauen greifen zu und erledigen das.

Eine 160 Kilo schwere Pumpe tragen? Ebenfalls kein Thema für Wolfgang Gantke. Vier seiner Frauen tragen die Pumpe. „Sie haben keine Berührungsängste“, betont der Kommandant.

Frauenanteil bei Feuerwehr Schweinthal liegt bei 55 Prozent

Während der Landesfeuerwehrverband Bayern für mehr Frauen in der Feuerwehr wirbt, um einen Frauenanteil von 15 bis 20 Prozent zu erreichen, sind in der Feuerwehr in Schweinthal (Gemeinde Egloffstein) 55 Prozent Frauen. Von 35 Aktiven sind 19 Frauen, vier davon aus Schlehenmühle, drei aus Äpfelbach. Die beiden Dörfer wurden in die 1980 als eigenständig gegründete Wehr integriert.

Die Frauenstärke der Wehr hat viele Vorteile. „Viele der Frauen sind Mütter. Sie können mit Stresssituationen leichter umgehen“, sagt der Kommandant. Ob jemand bei einem Unfall betreut werden muss oder bei einer Verkehrsabsicherung – die Frauen sind geübt und charmanter, und durch ein Lächeln lässt sich ein ungeduldiger Autofahrer eher beruhigen.

Frauen haben nötiges Fingerspitzengefühl

„Das Zwischenmenschliche können wir Frauen gut“, sagt Sabrina Gantke. Sie hätten gerade in Stresssituationen das nötige Fingerspitzengefühl, sind oft multitaskingfähig und sie redeten mehr.

Sieben auf einen Streich: Insgesamt zählt die  Freiwillige Feuerwehr Schweinthal 19 aktive Frauen.Forchheim & Fränkische Schweiz
Sieben auf einen Streich: Insgesamt zählt die Freiwillige Feuerwehr Schweinthal 19 aktive Frauen. // Petra Malbrich

„Frauen sind die kleinen Zahnräder, die ineinander greifen“, sagt Sabrina Gantke. Frauen träfen andere Absprachen. Aber Frauen gehorchten auch den Anweisungen ihrer Kommandanten, selbst wenn sie zu Hause die Hosen anhätten. „Unsere Frauen stehen ihre Frau“, ergänzt Gantke ganz korrekt. In der Schweinthaler Wehr arbeiten sogar drei Frauengenerationen routiniert miteinander.

Dass in Schweinthal überhaupt so viele Frauen in der Wehr sind, hat einen ganz einfachen Grund. „Wir hatten 18 Kinder im Dorf. 16 davon waren Mädchen“, sagt Gantke. Also wurde eine Jugendwehr gegründet, von ihm betreut. Aus den Mädchen wurden Frauen, und wer bereits in der Jugendfeuerwehr dabei war, blieb.

Zehn Frauen meldeten sich auf eine Werbekampagne der örtlichen Feuerwehr

Doch mit dem Erwachsenwerden und der folgenden Heirat gab es auch Wegzüge und aufgrund des Alters auch Feuerwehrleute, die aus dem aktiven Dienst ausschieden. 2020, mit dem Erhalt des neuen Feuerwehrautos, wurde gleichzeitig eine neue Werbekampagne für das Ehrenamt bei der Feuerwehr gestartet, um die dreifache Besetzung zu haben.

Auf diese Kampagne haben acht Männer und zehn Frauen reagiert. Eine davon war Sabrina Gantke und hat bei der Feuerwehr ihre Trupp-Ausbildung begonnen. Für sie war das selbstverständlich.

Ob ein Ehrenamt bei der Feuerwehr oder bei einem Sportverein: „Überall werden die Vorzüge gerne in Anspruch genommen. Man muss aber auch der Gesellschaft etwas zurückgeben“, sagt Sabrina Gantke. Sie hat beschlossen, im Ehrenamt bei der Feuerwehr ihren Beitrag für die Gesellschaft zu leisten.

Frauen sind nicht mehr zu ersetzen

Auch ihre Kinder sind in der Jugendfeuerwehr. „Sie lernen den Umgang mit Feuer, erste Hilfe und Gemeinschaft“, sagt Gantke. Interessierte die noch zögern, weil alles neu ist, kann sie nur ermutigen. „Egal, wo man neu hinzukommt – man ist immer der Neue, bis der Nächste kommt“, sagt Sabrina. Jeder finde seinen Bereich. Jeder habe seine Vorlieben.

Die Feuerwehr sei wichtig. Aber: „Wichtig ist, dass jemand vor Ort ist, der sich auskennt. Man muss nicht große Taten vollbringen. Manchmal reicht es, dass man da ist“, sagt Sabrina. „Die Frauen sind ein nicht mehr wegzudenkender Pfeiler der Wehr. Ohne sie könnten wir die Sollstärke, 27 Feuerwehrdienstleistende, nicht mehr erreichen“, sagt Gantke.

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