0
Ehrenamtliches Engagement
Besuchshunde: Vierbeiner bringen Gesichter zum Strahlen
Trotz ihrer geringen Größe lässt sich Hündin Angel von den Rädern des Rollstuhls nicht beeindrucken.Forchheim & Fränkische Schweiz
Trotz ihrer geringen Größe lässt sich Hündin Angel von den Rädern des Rollstuhls nicht beeindrucken. // Katharina Steinhäuser
Forchheim – Über den Besuchshundedienst des Arbeiter-Samariter-Bundes helfen Ehrenamtliche mit ihren Vierbeinern Senioren, Kindern oder Menschen mit Behinderung. Wir haben sie einen Nachmittag begleitet.

Nach und nach trudeln immer mehr Menschen ein. Und Vierbeiner. Die Stimmung ist gut vor dem Gebäude des Arbeiter-Samariter Bundes (ASB), Neuankömmlinge werden freudig begrüßt. Die Hunde wedeln mit dem Schwanz und wuseln umher. Man kennt sich. Es ist ein sonniger Nachmittag, doch die eisige Luft riecht zum ersten Mal nach Winter.

Auch Manu Kraus von der offenen Behindertenarbeit Forchheim (OBA) ist dabei. Seit etwa drei Jahren begleitet sie mit Hund Oskar regelmäßig die Besuchshundegruppe. Einmal im Monat findet der gemeinsame Spaziergang mit der OBA statt.

Deshalb bringt sich Manu Kraus bei der Besuchshundegruppe ein:

Christian Feeß ist diesmal nur kurz zum „Hallo sagen“ vorbeigekommen. Sein Hund Willi hat sich die Pfote verletzt und kann die Runde nicht mitlaufen.

Seit einem halben Jahr engagiert sich Feeß beim Besuchshundedienst. Mit Begeisterung erzählt er von einem Besuch im Seniorenheim Bamberg. Eine alte Dame, die früher selbst Hunde hatte, habe sich riesig über die Begegnung mit dem Vierbeiner gefreut. „Da weiß man, warum man es macht“, sagt Feeß.

Christian Feeß und sein „bester Kumpel“ Hund WilliForchheim & Fränkische Schweiz
Christian Feeß und sein „bester Kumpel“ Hund Willi // Katharina Steinhäuser

Rund 35 Hunde seien mit ihren Herrchen und Frauchen regelmäßig im Einsatz, erklärt Karin Fenzl, zuständig für Freiwilligenkoordination und Besuchshundedienst beim ASB. Sie besuchen Senioreneinrichtungen, den Kinderhort oder Menschen mit Behinderung. Auch Ferienbetreuungen oder Schulklassen können die Hunde einladen. Der Dienst ist kostenfrei, die Hundehalter engagieren sich ehrenamtlich.

Unterwegs mit den Besuchshunden

Diesmal sind rund acht Teilnehmer und mehrere Betreuerinnen beziehungsweise Hundehalterinnen dabei. Als endlich alle eingetroffen sind, setzt sich die Gruppe langsam in Bewegung. Einige Teilnehmer sitzen im Rollstuhl oder sind nicht so gut zu Fuß. Gegenseitige Rücksichtnahme ist selbstverständlich.

ASB BesuchshundedienstForchheim & Fränkische Schweiz
Die Teilnehmer sind gemeinsam mit den Hunden in der Natur unterwegs. // Katharina Steinhäuser

Auch Carola Jander vom Besuchshundedienst hat ihre zwei Fellnasen dabei. Abwechselnd dürfen die Teilnehmer die Hunde an der Leine führen. Nach etwa zehn Minuten entlang der Wiesent blinkt der Akku bei einem elektrischen Rollstuhl plötzlich rot. Schieben ist nicht möglich, die Bremse blockiert. Für diese Teilnehmerin ist die Runde an der Stelle zu Ende, sie muss umkehren.

Die restliche Gruppe schlendert weiter entlang der Wiesent. Die Betreuerinnen müssen sowohl die Teilnehmer als auch die Hunde im Blick haben. Doch die Gruppe ist eingespielt. Routiniert wird Platz für vorbeifahrende Radfahrer gemacht und darauf geachtet, dass nicht aus Versehen eine unachtsam platzierte Pfote unter den Rädern eines Rollstuhls landet.

ASB BesuchshundedienstForchheim & Fränkische Schweiz
Die Gruppe der OBA zusammen mit ehrenamtlichen des Hundebesuchsdienstes // Katharina Steinhäuser

An einer Wiese werden die Hunde von der Leine gelassen und dürfen sich austoben – zur Begeisterung der Spaziergänger. Gegen Leckerli führen die Hunde kleine Kunststücke vor. Hündin Angel nimmt zwischenzeitlich auch einmal auf dem Schoß einer Rollstuhlfahrerin Platz.

Diese Ausbildung haben die Hunde

Alle Hunde müssen laut Karin Fenzl verschiedene Tests bestehen, bevor sie Teil des Besuchshundedienstes werden dürfen. Es werde zum Beispiel geschaut, wie sich das Tier in einer Menschenmenge oder bei einem plötzlichen Geräusch, wie einem platzenden Luftballon verhalte. Auch mit Berührungen und ungewohnten Begegnungen wie mit einem Rollstuhl müssten die Hunde zurechtkommen. Alle sechs Wochen bietet der ASB seinen Ehrenamtlichen Fortbildungen zu verschiedenen Themen an.

Nach bestandener Prüfung starten Besitzer und Hund eine Schnupperphase und begleiten zunächst einen „Paten“ bei Terminen. Nicht jeder Hund passe überall hin, erklärt Fenzl. „Manche Hunde mögen mehr Kuscheln mit Älteren und es gibt Hunde, die wollen lieber draußen sein und Ball spielen“, gibt sie zu bedenken. Die Größe spiele nicht unbedingt eine Rolle, sondern vielmehr der Charakter des Hundes.

ASB Besuchshundedienst ForchheimForchheim & Fränkische Schweiz
Mit Essen lässt sich die Aufmerksamkeit der Vierbeiner gewinnen. // Katharina Steinhäuser

Engagieren kann sich grundsätzlich jeder, ein paar Voraussetzungen gibt es allerdings. „Der Hund muss mindestens eineinhalb Jahre alt und grunderzogen sein“, betont Fenzl. Außerdem sollte der Vierbeiner gerne mit Menschen zusammen sein. Ein Hund, der vor allem und jedem Angst habe, sei nicht geeignet.

Deshalb ist Kontakt zu Hunden sinnvoll

Die Vorteile, die die Besuchshunde bieten, sind laut Fenzl total unterschiedlich. In einer Schlussklasse könnten Kinder zum Beispiel Verantwortungsbewusstsein trainieren, denn derjenige, der den Hund an der Leine führe, sei für ihn in dem Moment verantwortlich. Ältere Menschen würden sich generell freuen, wenn jemand zu Besuch komme und ihnen Aufmerksamkeit schenke.

Der Kontakt zwischen Mensch und Hund sei ein Besonderer. „Die Kommunikation lauft auf einer ganz anderen Ebene ab“, sagt Fenzl. Die Ehrenamtlichen würden auch Besuche auf der Palliativstation machen. Hier sei der Hund manchmal ein Türöffner für ein Gespräch. Bei den Spaziergängen mit Menschen mit Behinderung stehe dagegen die Bewegung an der frischen Luft im Vordergrund.

ASB Besuchshundedienst ForchheimForchheim & Fränkische Schweiz
Zum Abschluss führt die Runde durch die Forchheimer Innenstadt. // Katharina Steinhäuser

Knapp zwei Stunden ist die Gruppe an diesem Nachmittag unterwegs. Abschließend führt die Runde durch die Forchheimer Innenstadt. Da die Eisdiele bereits geschlossen hat, gibt es ein wohl verdientes Bratwurstbrötchen. Das finden die Vierbeiner eh besser.

Lesen Sie auch:

Inhalt teilen
  • kopiert!