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Einmaliges Projekt
Schlossherr saniert Kirche in Unterleinleiter
Kirche und Schloss UnterleinleiterForchheim & Fränkische Schweiz
Kirche und Schloss Unterleinleiter // Peter Herbert
Unterleinleiter – Ludwig Fleckenstein will das Gotteshaus auf eigene Kosten wiederherstellen. Es dürfte einmalig in Deutschland sein.

„Ich denke, wir alle werden so etwas in unserem Leben nie wieder erleben und wir können froh und dankbar sein, dass es solche Menschen gibt, die sich in jeder Hinsicht zu ihrem Glauben bekennen und dazu noch bereit sind, dafür so viel Geld in die Hand zu nehmen.“ Das sagt Bürgermeister Alwin Gebhardt zu dem einmaligen Angebot des Schlossherrn Ludwig Fleckenstein, die benachbarte evangelische Sankt-Bartholomäus-Kirche auf eigene Kosten generalsanieren zu lassen.

Das Angebot ist nur an eine einzige Bedingung geknüpft: einen Erbaurechtsvertrag mit einer Laufzeit von 49 Jahren. Stirbt Fleckenstein vor Ablauf des Vertrags, geht dieser an die Ludwig-Fleckenstein-Stiftung. Nach 49 Jahren ist dann wieder die Kirchengemeinde Besitzer.

Unglaublicher Glücksfall

„Es ist ein unglaublicher Glücksfall für unseren Ort, aber besonders natürlich für unsere evangelische Kirchengemeinde“, so Gebhardt weiter. „Ich freue mich sehr und gratuliere unseren evangelischen Glaubensbrüdern und -schwestern“, sagt Gebhardt, der selbst Katholik ist.

Auch Ludwig Fleckenstein ist Katholik. Vor vier Jahren hat er das Schloss Unterleinleiter übernommen und sich vorgenommen, die kleine und schmucke Sankt-Bartholomäus-Kirche von Unterleinleiter von Grund auf außen wie innen auf eigene Kosten sanieren zu lassen. Ein einmaliger Fall, den es so wohl in ganz Deutschland noch nie gegeben hat.

Sechs Töchter und 500 Mitarbeiter

Der 73 Jahre alte Unternehmer, der nach eigenem Bekunden aus einem „kleinen Bauernkaff“ in der Nähe der unterfränkischen Stadt Ochsenfurt stammt, ist erfolgreicher Unternehmen. Er hat nicht nur sechs Töchter, sondern auch eine Firma mit europaweit 500 Mitarbeitern, die über 6000 Artikel für den Werkunterricht in Schulen vertreibt. Dies ermöglichte ihm, Schloss und Schlosspark Unterleinleiter nicht nur zu erwerben, sondern daraus ein Schmuckstück zu machen und die Kultur mit verschiedenen Veranstaltungen in Unterleinleiter wiederzubeleben.

Unmittelbar angrenzend an sein Schloss liegt die evangelische Kirche, die seit mehr als 500 Jahren auf dem Schlossberg thront und einst von den adeligen Lehnsherren des Schlosses auch unterhalten wurde. Früher war es einmal die Schlosskirche, wovon in der Kirche noch die eingemauerten Grabmäler der früheren Schlossherren zeugen. Eigentümer der Kirche ist heute die evangelische Kirchengemeinde Unterleinleiter, der rund 400 Gläubige angehören.

Kirche in jämmerlichem Zustand

Die Kirchengemeinde alleine wäre aber finanziell nicht in der Lage, die Kirche zu sanieren. Nicht nur deshalb ist Pfarrer Peter Herbert begeistert von Fleckensteins Angebot. Die Kirche sei in einem „jämmerlichem Zustand“. Deshalb möchte Fleckenstein die wunderschöne Kirche wieder so herstellen, dass sie ein Schmuckstück wird. Er spricht von einem „Fünfjahresprojekt“ und will noch in diesem Jahr mit der Außensanierung beginnen, nächstes Jahr dann die Innensanierung.

Ernst König ist Mitglied im Kirchenvorstand, Gemeinderat und Verwaltungsrichter. Der Jurist hat den Erbaurechtsvertrag von Fleckensteins Anwalt geprüft, überarbeitet und eigene Vorstellungen der Kirche eingearbeitet. König resümiert: „Das ist ohne Vorbild, wir betreten Neuland, und nun liegt es an uns, wie wir das umsetzen.“

Glockenläuten steht im Vertrag

Neben der örtlichen Kirchenverwaltung ist auch die evangelische Landeskirche in das Projekt involviert. Man braucht also eine kirchenaufsichtliche Genehmigung vom Landeskirchenamt. Das war laut König die spannendste Frage überhaupt. Diese Frage sei inzwischen aber offenbar geklärt: „Das kann man machen“, so in kurzen Worten die bisher mündliche Zustimmung eines Vertreters der Landeskirche.

„Mir fehlen die Worte“, bekennt die frühere Gemeinderätin Gabriele Aign. Ihr Vater war einst viele Jahre Mesner der Kirche. Einige Bedenken konnte Fleckenstein schnell ausräumen. Zum Beispiel, ob die Kirchenglocken wie gewohnt läuten dürfen. „Ich möchte, dass alles so bleibt, wie es ist“, sagt Fleckenstein. Das Glockenläuten stehe sogar im Vertrag, ergänzt König.

Viel verändern will Fleckenstein ohnehin nicht, eventuell die eine oder andere farbliche Gestaltung in der Kirche. So sei das Blau in der Kuppel nicht schön. Allerdings muss dabei der Denkmalschutz mitspielen. Während der Vertragslaufzeit bleibt das Kirchengebäude weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich und steht der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde uneingeschränkt für Gottesdienste zur Verfügung. Außerdem kann Helmut Fens weiterhin seine Kirchenführungen abhalten.

Einzigartiges Kulturzentrum

Mehr noch: Fleckenstein will die Pfarrkirche künftig auch für Veranstaltungen des Vereins „Kunst und Musik im Schlosspark Unterleinleiter“ nutzen, insbesondere für klassische Konzerte in der Adventszeit, an Ostern und Pfingsten und für Liederabende und Lesungen. Mit der Verbindung von Schloss und Pfarrkirche soll so ein einzigartiges Kunst- und Kulturzentrum entstehen. Fleckenstein will auch die Orgel generalüberholen lassen und eine Figur des heiligen Bartholomäus und vielleicht auch noch des heiligen Ludwig stiften - wenn es erlaubt wird.

Für die Zeit der Sanierung bot Gebhardt den evangelischen Schwestern und Brüdern schon mal die katholische Kirche Peter und Paul sowie den katholischen Pfarrsaal als Ausweichgebäude zur Abhaltung der Gottesdienste und Feiern an.

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