„Der Schuppen 3, der wird Legende, das weiß ich jetzt schon.“ Wolfram Weltzer, Blechbläser des Ensembles Hundshaupten und seines Zeichens musikalischer Berater des Kuratoriums zur Förderung von Kunst und Kultur im Forchheimer Land, zeigt sich begeistert während eines Pressegesprächs in besagtem Lokschuppen der Dampfbahn Fränkische Schweiz am Ebermannstädter Bahnhof. Denn hier findet am 25. und 26. Juli ein außergewöhnliches Konzertprojekt unter dem Titel „Da verschob sich die Ruhe“ statt.
Gefördert durch Kulturfonds
Wie einzigartig die Veranstaltung ist, zeigt bereits die Tatsache, dass es sich um das einzige Kulturprojekt im Landkreis Forchheim handelt, das in diesem Jahr vom Kulturfonds Bayern gefördert wird – mit strammen 17.700 Euro. Auch die Oberfrankenstiftung hat ihre Unterstützung zugesagt: Von hier kommen weitere 6000 Euro.
Das professionelle Kammerorchester „Ensemble Ruhr“ führt dabei Werke von Mozart, Mendelssohn und weiteren Komponisten der klassischen Musik auf und mischt sie mit einer Inszenierung aus Poetry-Slam und Lichtkunst. Das Ensemble will damit nicht nur Musikgenuss bieten, sondern das gesellschaftlich wichtige Thema Klimawandel emotional spürbar machen. Es kommt dabei bewusst ohne Dirigenten aus.
Ebermannstadt: Kultur ist der Schlüssel
Ebermannstadts Bürgermeisterin Christiane Meyer ist begeistert. „Was mich am meisten daran berührt, ist das Thema Klimawandel, das immer mehr ins Hintertreffen gerät. Und Kunst und Kultur ist der Schlüssel, dieses wichtige Thema, auch für die Stadt Ebermannstadt, mehr ins Bewusstsein der Menschen zu rücken.“ Die Bürgermeisterin: „Dabei müssen wir alle an einem Strang ziehen und mit diesem einzigartigen Projekt werden alle Generationen mit einbezogen“, erklärte Meyer.
Das Projekt erstreckt sich laut Landkreis-Kulturreferentin Marion Rossa-Schuster über eine ganze Woche hinweg. Die künstlerischen Leiterinnen des Ensembles, Antje Weltzer-Pauls und Anna Betzl-Reitmeier, versprechen dem Publikum einen unvergesslichen Abend: „In unserer Inszenierung verschmelzen klassische Musik, kraftvolle Texte und beeindruckende Lichtkunst auf ganz neue Art“, so Weltzer-Pauls, die im Orchester Violine spielt.
Ursprünglich leere Fabrikhalle als Veranstaltungsort geplant
Die Mitwirkenden haben sich im Ruhrgebiet neben ihrer musikalischen Arbeit intensiv mit dem Klimawandel und der notwendigen Transformation der dortigen Industrieregion auseinandergesetzt und finden, „dass klassische Musik mehr Bezug zur Gegenwart braucht“, so die Cellistin Betzl-Reitmeier. „Ich freue mich sehr, dass wir mit dem Ensemble Ruhr ein renommiertes Kammerorchester in die Region holen konnten, das gleichermaßen für künstlerische Qualität wie gesellschaftliche Relevanz und Innovation im Konzertbetrieb steht“, erklärt Rossa-Schuster.
Warum findet dieses Konzert ausgerechnet in einem so ungewöhnlichen Ort wie Lokschupppen statt? Rossa-Schuster hatte ursprünglich eine leere Fabrikhalle im Landkreis dafür gesucht, aber keine gefunden. Als sie dann bei der Vierling nachfragte, kam Seniochef Manfred Vierling auf die Idee mit dem Schuppen 3 der Dampfbahn. Der normalerweise mit historischen Waggons und Dampfbahn-Ersatzteilen prall gefüllt ist.
Ebermannstadts Bürgermeisterin freut sich auf Veranstaltung
Die DFS räumt ihn für die Konzerte teilweise aus, sodass der außergewöhnliche Konzertabend vor der Kulisse der verbliebenen Waggons und Ersatzteile über die Bühne gehen wird.
„Die Umgebung wird das Thema der Aufführung, den Wandel und die technische und gesellschaftliche Transformation noch einmal verstärken“, sagt Rossa-Schuster. Christiane Meyer freut sich über die Wahl des Veranstaltungsorts. „So etwas hat unsere Region noch nicht gesehen. Ich hoffe, dass viele Ebermannstädter sich dieses Konzertereignis nicht entgehen lassen wollen, und dass es auch Leute aus ganz Franken zu uns lockt.“ Die Stadt unterstützt das Projekt finanziell und logistisch. Außerdem haben Schüler des Fränkische-Schweiz-Gymnasiums und anderer Schulen die Gelegenheit zum Besuch von Proben im Schuppen 3.
Bereicherung für den Landkreis
„Eine Bereicherung des Kulturlebens für den ganzen Landkreis“ erklärt Landrat Hermann Ulm, der sich außerdem darüber freut, dass neben dem Kulturfonds Bayern und der Oberfrankenstiftung auch die Zukunftsstiftung der Sparkasse zu den finanziellen Hauptförderern gehören. Hinzu kommen weitere Sponsoren, die einen Bezug zum Thema Klimawandel haben, darunter die Firma Vierling und die Stadtwerke aus Ebermannstadt sowie Neundörfer aus Forchheim. Verraten will Rossa-Schuster nicht, was das gesamte Projekt kostet. Denn da könnte es „schnell Kritiker geben, die dies als rausgeworfenes Geld bezeichnen könnten“.
Bei den Künstlern handelt es sich durch die Bank weg um Profis, ebenso wie bei den Licht- und Tontechnikern. Aus Nürnberg wird sogar ein ausgeliehener Flügel antransportiert. Mit den Eintrittspreisen kann dieses einmalige Event jedenfalls nicht abgedeckt werden. Man geht davon aus, dass an beiden Konzerttagen jeweils 160 zahlende Besucher im Lockschuppen Platz haben werden. Es lohnt sich also, die Karten schnell zu reservieren.
„So etwas zu stemmen, ist für uns ein finanzieller und organisatorischer Kraftakt“, betont der Landrat. „Wir werden sehen, wie innovative Kulturarbeit Menschen über Alters- und Interessengrenzen zusammenbringt“, ist Ulm schon jetzt überzeugt. „Das wird ein gesellschaftlicher Gewinn und ein Highlight für unsere Kulturlandschaft.“














