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Fränkische Schweiz
Tiefe Einblicke in die Unterwelt: Doline und ihre Bedeutung
Auch faszinierende Versinterungen und Tropfsteine sind in der Fellner-Doline zu finden.Forchheim & Fränkische Schweiz
Auch faszinierende Versinterungen und Tropfsteine sind in der Fellner-Doline zu finden. // Ferdinand Haselmeier
Gößweinstein – Die Dolinen in der Fränkischen Schweiz haben große Bedeutung für die Wasserversorgung. Manche wurden zerstört, doch es gibt auch neue touristische Ideen.

Sehr interessant und mit rund 40 Teilnehmern gut besucht war eine Informationsveranstaltung von Ferdinand Haselmeier vom Verein der Arbeitsgemeinschaft Stempfermühlquellsystem (AG) über die in Gößweinstein und der Fränkischen Schweiz vorhandenen Dolinen. Viele wissen gar nicht, was eine Doline ist.

Zunächst richtete Haselmeier im Café Greif in Gößweinstein den Blick in die Erdgeschichte, als vor 195 Millionen Jahren Europa noch in einem Flachmeer lag. Vor 65 Millionen Jahren bis vor 2,5 Millionen Jahre erfolgte die Eintiefung der Täler, tiefgründige Verwitterung und lineare Erosion, verbunden mit einer intensiven Verkarstung. Die Dolinen können daher mehrere Zehn- bis mehrere Hunderttausende Jahre alt sein. Sie können auch heute noch jederzeit in einem Karstgebiet entstehen, sich neu bilden oder erweitern.

Das Jahr 1909 mit einem Jahrhunderthochwasser hat bei mehreren Dolinen wie der bei Leutzdorf und das Rahnickelloch an der Gößweinsteiner Martinswand gezeigt, dass große Wassermassen ausreichen, um vorhandene Dolinen zu erweitern und zu vertiefen. Dolinen entstehen im verkarstungsfähigen Gestein dort, wo leicht verwitterbare dünnbalkige Kalke vorliegen, und zwar an den Stellen, an denen das Niederschlagswasser in den Untergrund eindringen kann, besonders an den Kreuzungspunkten von Klüften.

Wie sich Dolinen bilden

Zur Bildung von Dolinen müssen große Kalkmengen gelöst werden. Da hierzu viel Wasser nötig ist, liegt meistens ein großes oberirdisches Wassereinzugsgebiet vor. Haselmeier informierte weiter, dass Dolinen geologisch natürliche Gullys seien, die das Oberflächenwasser des Karstes in den Untergrund ableiten. Das in die Dolinen einsickernde kohlensäurehaltige Niederschlagswasser ätzt die schmalen Gesteinsfugen und -klüfte zu klaffenden Spalten und Röhren aus: So entstehen im Lauf der Jahrtausende weit verzweigte Höhlensysteme, durch die das Karstwasser strömt. Diese unterirdischen Gerinne treten in tief eingeschnittenen Tälern wieder als Karstquellen zutage.

Im Gemeindegebiet von Gößweinstein sind bisher 100 Dolinen kartiert, von denen 45 eine größere Bedeutung haben. Dazu gehören die Fellner-Doline am Breitenberg, das Franzosenloch bei Etzdorf, das Rahnickelloch an der Martinswand, die Hühnerloher Fälle in der Nähe es gleichnamigen Ortes, die leider verfüllte Leutzdorfer Doline und die in der Nähe befindliche Esperhöhle.

Da sich südlich der Wiesent im Zentrum der Fränkischen Schweiz keine Flüsse, also Vorfluter, befinden, dienen die Dolinen der Oberflächenentwässerung.

Die Fellner-Doline geht nahezu 100 Meter in die Tiefe, wie auch diese Schautafel am verschlossenen Eingang zeigt.Forchheim & Fränkische Schweiz
Die Fellner-Doline geht nahezu 100 Meter in die Tiefe, wie auch diese Schautafel am verschlossenen Eingang zeigt. // Lokalredaktion

Die Fellner-Doline und das Franzosenloch

Interessant dabei sei, dass die Fellner-Doline und das Franzosenloch in die Stempfermühlquelle, die Leutzdorfer Doline, obwohl verfüllt, in die Sachsenmühlquelle, also zur Wasserversorgung der Wiesentgruppe, und die Dolinen um Morschreuth in die Burggaillenreuther Quelle entwässern. Schade sei, dass aufgrund der Wasserhygiene einst die Verfüllung der Leutzdorfer Doline angeordnet wurde. Somit sind Forschungen nicht mehr möglich.

Auch seien in der Vergangenheit Dolinen als Müllhalten missbraucht worden. So finde man dort immer noch vielerlei Unrat wie alte Waschmaschinen, Fernseher, Autoteile und Fahrräder sowie alte Ölfässer. Dies sei umso bedenklicher, da die Dolinen in direkten Zusammenhang mit den Karstquellen, welche die Bevölkerung mit Wasser versorgen, stehen.

Bedenklich sei auch die Verfüllung und Bebauung von Dolinen. Jüngstes Beispiel war demnach der Starkregen am 7. August letzten Jahres in Gößweinstein bei der Doline an der Martinswand. Wegen fehlender Entwässerung und Ablauf kam es zu einer Überflutung und zum Fasteinsturz eines in der Nähe befindlichen Wohngebäudes. Dass in diesem sensiblen Bereich eine Wohnbebauung vor kurzem genehmigt wurde, löste bei den Anwesenden nur Kopfschütteln aus.

Inzwischen ist man dazu übergegangen, Dolinen zu schützen und sogar als touristische Attraktionen der Öffentlichkeit näherzubringen. So beispielsweise in Leutenbach, wo ein Dolinenerlebnisweg im Gespräch ist.

Geologischer Rundwanderweg in Gößweinstein

In Gößweinstein gibt es bereits den geologischen Rundwanderweg von der Fellner-Doline bis zur Stempfermühlquelle. Der Lehrpfad ist 5,7 Kilometer lang und auf sieben Informationstafeln entlang des Weges erfahren die Besucher vieles über den Karst, die Dolinen und die größte Quelle der Fränkischen Schweiz.

Die Fellner-Doline ist mit 384 Metern Länge und einer Gesamttiefe von 97,6 Metern eine der tiefsten und am besten erforschten Höhlen der Frankenalb. Haselmeier zeigte viele Bilder und einen Film der Begehung der Fellner-Doline, die er selbst mit erforscht hat. Im Untergrund finden sich faszinierende Versinterungen und Tropfsteine.

Die Binghöhle bei Streitberg ist übrigens die Höhle der Fränkischen Schweiz, die nicht im Dolomit liegt. Sie war einst eine Flusshöhle.

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