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Erlebnisbericht
So lief der erste Poetry-Slam in Gößweinstein
Das „Lieblingslädchen“ in Gößweinstein stellte die Location für den ersten Peotry-Slam in Gößweinstein.Forchheim & Fränkische Schweiz
Das „Lieblingslädchen“ in Gößweinstein stellte die Location für den ersten Peotry-Slam in Gößweinstein. // Barbara Haas
Signet des Fränkischen Tags von Redaktion
Gößweinstein – So voll hat man das „Lieblingslädchen“ in der Pezoldstraße wohl noch nie gesehen. Grund dafür war ein Poetry-Slam, der im Rahmen der Forchheimer Klimawoche stattgefunden hat. Ein Erlebnisbericht von Barbara Haas.

Vor dem „Lieblingslädchen“ tummeln sich kurz vor 15 Uhr Grüppchen kleinerer Menschenansammlungen. Ins Auge fällt ein Mann mit Hut und hellgrünem Jackett, das überzogen von dunkelgrünen Kleeblättern war. „Sechs Euro, bitte“, fordert mich eine Frau vor dem Eingang des Ladens freundlich auf. Ich zahle, und mit einem auffallend schönen Stempel auf meinem Arm betrete ich den mir bereits bekannten Laden.

Ein Großteil der Vintage-Ware war einer Bestuhlung gewichen, wobei sich die in der ersten Reihe Sitzenden den Fußraum mit der Person auf der Bühne teilen. Sympathisch. Ich hole mir noch ein Getränk, für das ich einen Preis meiner Wahl bezahlen darf, und suche mir einen der wenigen freien von rund 25 Plätzen insgesamt. Mittig, zweite Reihe. Der Mann in Grün macht einen Schritt auf die Bühne und begrüßt bestens gelaunt alle rund 20 Zuhörer gemischten Alters. Sein Name: Michael Jakob. Moderator des Nachmittags und selbst Poetry-Slammer.

Vier Slammer nehmen teil

Nachdem die Regeln des literarischen Wettbewerbs (deutsch für „Poetry-Slam“) geklärt sind, wird per Los entschieden, wer zuerst auf die Bühne darf. Vier Poetry-Slammer werden ihre selbstgeschriebenen Texte, die eine Vortagsdauer von sieben Minuten nicht übersteigen dürfen, zum Besten geben und das Publikum entscheidet mit Hilfe der Applausabstimmung, welche zwei ins Finale einziehen. Da die Veranstaltung im Rahmen der Forchheimer Klimawoche stattfindet, ist Vorgabe, dass die Texte der Vorrunde einen Bezug zum Thema „Nachhaltigkeit“ aufweisen.

Florian Stein aus Essen ist als erster an der Reihe und sympathisiert nach einem lockeren „Moin“ und seinem Geständnis, dass die Location für ihn und sein ADHS wirklich herausfordernd sei, schnell mit dem Publikum. Die spürbare Erfahrung sammelte er bei weit mehr als 500 Bühnenauftritten, mittlerweile ist er eine wahre Größe in der Slam-Szene. In seinem Text thematisiert er, wie rücksichtslos mit der Erde umgegangen wurde und wird, indem er sich der Metapher des Elefanten im Porzellanladen bedient.

Es folgt Lena Rose aus Bamberg, die ein Gespräch zwischen einem kleinen Mädchen und der Erde vorträgt, das den Raum zur Ruhe bringt, indem sie eine romantisch-tragische Stimmung erzeugt. Iris Zeilmann-Wagner aus Hiltpoltstein vergleicht Handlungen ihrer Oma mit ihren eigenen und stellt sich die Frage: Wer von uns lebt nachhaltiger? Zuletzt entführt Dominic Hopp aus Wunsiedel die Zuhörer in eine Utopie, in der die Bewohner eines Dorfes die vorhandenen Wasserressourcen in einem verschwenderischen Maße nutzen, bis die unendlich scheinende Quelle letztlich versiegt.

Finale nach kurzer Pause

Überzeugen können die zwei Herren im Rennen. Doch bevor es zum Finale kommt, erstmal 15 Minuten Pause, in denen sich manche Gäste das ein oder andere Second-Hand-Objekt sichern, das sie während der Vorstellung in einem der Regale erspäht haben.

Das Finale – nun ohne thematische Vorgabe – sorgt für viele laute Lacher beim Publikum. Dominic Hopp, Biologe, tut seine Begeisterung für Evolutionsgeschichte kund, indem er in seinem Text die Evolution in einem Jahr und mit Hilfe von TV-Sendungen darstellt.

Florian Stein versucht die Frage zu klären, was denn nun besser sei: Äpfel oder Birnen? Dabei kommt es zu einem unterhaltsamen Wortgefecht zwischen „Braeburn“ und „William“. Die absolut identisch klingende Applausabstimmung für beide Kandidaten führt zu einer überraschenden Entscheidung: Heute gibt es zwei Sieger!

Zum Glück hat Moderator Jakob noch eine Ersatzmedaille einstecken. Die Inhaberin des Lieblingslädchens, Agnes Przewoznik, spendiert für die Gewinner einen 30-Euro-Einkaufsgutschein in ihrem Laden. Alle Teilnehmenden erhalten zudem Wertgutscheine von der ortsansässigen Kaffeerösterei „Röstmal“.

Die gelungene Auftaktveranstaltung soll nicht die letzte gewesen sein. „Auch in Zukunft sind weitere kulturelle Veranstaltungen vorstellbar“, so Przewoznik.

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