0
Nach Terrorwarnung in Franken
Wie sicher sind die Faschingsumzüge im Landkreis Forchheim?
Der Faschingsumzug in Forchheim 2024: ein buntes Spektakel für tausende Zuschauer.
Gute Stimmung beim Faschingsumzug in Forchheim 2024. In diesem Jahr mischen sich hingegen Fragen nach der Sicherheit unter die Vorfreude. // Andreas Klupp
Landkreis Forchheim – Nach dem Vorfall in München und einer Terrorwarnung in Nürnberg wächst die Sorge vor Angriffen mit Autos. Wie Verantwortliche reagieren und wie Faschingsumzüge in der Region abgesichert werden.

Update vom 27. Februar, 17:25 Uhr:

Nach Terror-Aufruf zum Nürnberger Fasching: Wie sicher ist Forchheims Umzug?

Es sind erschreckende Nachrichten aus Mittelfranken: Deutsche Sicherheitsbehörden gehen islamistischen Drohungen des IS gegen Faschingsfeiern in Deutschland nach. Unter den möglichen Zielen wurde auch Nürnberg genannt, was auch Ängste bei fränkischen Faschingsbesuchern auslöst. 

Auch in Forchheim macht man sich entsprechend über die Sicherheitssituation weiter Sorgen. Nicht zuletzt wird der diesjährige Faschingsumzug schon aufgrund der vorherigen Ereignisse in München und Magdeburg sicherheitstechnisch deutlich verschärft stattfinden. 

Stadt und Polizei bleiben bei Konzept

Für die Forchheimer Faschingsfeierlichkeiten sehen Polizei und Stadt aber derzeit keine besondere Gefährdungssituation. „Wir haben die Lageentwicklungen konstant im Blick und unternehmen die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen“, erklärt Thorsten Panzner, Sachleiter des Bereichs Verkehr bei der Polizeiinspektion Forchheim. Genauere Details zum Konzept kann er allerdings nicht nennen. 

Auch die Stadt sieht keine weiteren Schritte in Forchheim als notwendig. „Wir sind in enger Abstimmung mit der Polizei, aber an unserem grundsätzlichen Sicherheitskonzept ändert sich in Reaktion nichts“, erklärt Stadtsprecherin Birgit Herrnleben auf Nachfrage der FT-Redaktion.


Originaler Artikel vom 16. Februar, 13:44 Uhr:

Anfang März stehen in Forchheim und auch in mehreren Orten im Landkreis die Faschingsumzüge an. Eine Tradition, die fest zum Kalender für die fünfte Jahreszeit gehört. Die Vorfreude bei Faschingsfans steigt, die Vorbereitungen der teilnehmenden Gruppen laufen auf Hochtouren. Gleichzeitig mischt sich unter die Faschingsfreude auch die Frage nach der Sicherheit – einmal mehr nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg und besonders nach den jüngsten Ereignissen in München.

Dort war am Donnerstag, 13. Februar, ein 24-jähriger Afghane mit seinem Auto in einen Demonstrationszug gefahren. Laut Meldungen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) spricht die Polizei am Freitag von 36 Verletzten. Zwei davon seien lebensgefährlich verletzt, unter anderem ein zwei Jahre altes Kind. Die Ermittler gehen inzwischen von einer islamistischen Gewalttat aus. Die Demonstration der Gewerkschaft Verdi war durch mehrere Polizeifahrzeuge gesichert gewesen. Der Täter habe ein Polizeifahrzeug überholt und sei dann in das Ende der Demonstration gefahren. 

So sichert die Polizei Veranstaltungen

„Im Lichte der Ereignisse von München und Aschaffenburg bestätigt sich allgemein die abstrakt hohe Gefährdungslage“, erklärt Rene Winkelmann von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberfranken. Auf die Frage, inwieweit es spezifische Sicherheitsmaßnahmen für Demonstrationen und Faschingsumzüge in Forchheim gibt, erklärt er: „Generell bewertet die Polizei die allgemeine und auch die spezielle Sicherheitslage bei Veranstaltungen und Versammlungen kontinuierlich und berücksichtigt dabei aktuelle Ereignisse sowie Erkenntnisse aus der Kriminalitätslage.“

Die Maßnahmen seitens der Polizei würden dabei stets an die aktuelle Lage angepasst. Bei der Bewertung des Gefährdungspotenzials würden verschiedene Faktoren eine Rolle spielen: Wie sehen die örtlichen Gegebenheiten aus? Wie viele Teilnehmer gibt es und bewegen diese sich fort? Wie viele Zufahrtsmöglichkeiten gibt es?

Faschingsumzug Forchheim: Keine hundertprozentige Sicherheit

Zum Faschingsumzug in Forchheim am 2. März werden über 40 Gruppen und mehr als 10.000 Zuschauer erwartet. Das Sicherheitskonzept für den Umzug erstellt die Stadt. Wie das genau aussehen soll, dazu lagen am Freitag, 14. Februar, noch keine genaueren Informationen vor. Man sei bei den Sicherheitsvorkehrungen noch in Abstimmung, teilte Britta Kurth, Pressesprecherin der Stadt Forchheim, auf Nachfrage mit.

Update 17. Februar: Wie die Stadt mitteilt, wird der Faschingszug wie üblich durch Fahrzeuge des THW und des städtischen Bauhofs an kritischen Punkten geschützt. Die Anzahl der Fahrzeuge werde in diesem Jahr aufgrund der schlimmen Vorfälle in jüngster Zeit erhöht. Wie viele Fahrzeuge es seien und wo sie platziert werden, werde nicht veröffentlicht. Die Sicherheit innerhalb des Zuges werde wie bisher durch Personen gewährleistet, die den jeweiligen Rädern der teilnehmenden Fahrzeuge zugeordnet sind. 

Dass es wegen sogenannter „Überfahrtaten“, also Angriffen mit Fahrzeugen, Verschärfungen beim Sicherheitskonzept geben werde, sei aber bereits klar, erklärt Klaus Backer, Leiter des Amtes für Bürgerdienste, Sicherheit und Ordnung. Man versuche, alle Gefahrenstellen zu entschärfen. Dabei gebe es aber Grenzen.„Eine hundertprozentige Absicherung kann es nicht geben für so einen Umzug“, betont Backer. „Die hundertprozentige Sicherheit hab ich nur dann, wenn ich daheim bleibe, in meinem Wohnzimmer. Und selbst dann kann mir ein Flugzeug auf den Kopf fallen.“

Ebermannstadt: Sicherheit seit Jahren Thema

Auch in Ebermannstadt findet am 2. März der Faschingsumzug statt. „Wir rechnen mit etwa 20 teilnehmenden Gruppen und 500 Teilnehmern. Außerdem erwarten wir ca. 2000 Besucher und Zuschauer“, schreibt Patrizia Söllner vom Ordnungsamt in Ebermannstadt. Um die Sicherheit der Teilnehmer und Besucher zu gewährleisten, würden seit Jahren entsprechende Schritte umgesetzt.

Dazu würden unter anderem die Vorgaben des Landratsamtes Forchheim für die Teilnehmer zählen. Es gebe zum Beispiel bestimmte Auflagen für den Bau der Faschingswagen und die Pflicht, dass pro Wagenreifen eine Begleitperson gehen müsse. „Neu kommt in diesem Jahr hinzu, dass jeder Wagen einen Feuerlöscher mitzuführen hat, sodass hier der Brandschutz sichergestellt ist“, erklärt Söllner. 

Die Garde sorgt für gute Stimmung.Forchheim & Fränkische Schweiz
Gute Stimmung bei der Garde trotz Regen beim Umzug in Ebermannstadt 2024. // Carmen Schwind/Archiv

Die Feuerwehr kümmere sich um die Sperrungen während des Umzuges. Die entsprechenden Straßenabschnitte würden für den gesamten Verkehr gesperrt. „Auch der Umzug selbst wird mit Rettungsfahrzeugen begleitet und abgesichert.“ Der Gaudiwurm zieht einmal durch Ebermannstadt und endet schließlich am Marktplatz. „Die Innenstadt wird während der Feierlichkeiten frei von jeglichem Straßenverkehr sein. In der Hauptstraße und am Marktplatz wird absolutes Halteverbot angeordnet. Der Marktplatz bleibt für die anschließende Party bis etwa 18 Uhr komplett gesperrt.“ 

Mit kurzfristigen Verschärfungen der Sicherheitsregelungen rechne man aktuell nicht, so Söllner. Die Polizei werde im Vorfeld jeder Veranstaltung informiert und teile nach eigenem Ermessen Sicherheitskräfte ein. 

Faschingszug Gößweinstein: Sicherheitsabsprachen laufen

Der Faschingsumzug in Gößweinstein zieht ebenfalls jedes Jahr tausende Faschingsfans an. Bisher sind bereits 24 Gruppen angemeldet –Tendenz steigend, die Anmeldung läuft noch. Man rechne mit 500 bis 700 Teilnehmern und rund 6000 Zuschauern, teilt Katrin Krasser vom Markt Gößweinstein auf FT-Anfrage mit. 

„Aufgrund der aktuellen Ereignisse ist der Markt Gößweinstein dabei, die üblichen Sicherheitsvorkehrungen zu überprüfen und gegebenenfalls zu erweitern“, erklärt Krasser. Dabei werde auch überlegt, inwieweit der Umzug gegen Angriffe mit Fahrzeugen abgesichert werden könne. Diese Überlegungen seien noch nicht abgeschlossen. „Wir gehen jedoch davon aus, dass im Laufe der nächsten Woche feststeht, welche Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden.“

 

Inhalt teilen
  • kopiert!