Jeweils 48 Jahre gehörten Albert Dorn und Reinhold Otzelberger dem Forchheimer Stadtrat an. Für ihr politisches, kulturelles und soziales Engagement zeichnete Oberbürgermeisterin Martina Hebendanz (CSU) die beiden ehemaligen SPD-Urgesteine im Saal der Kaiserpfalz mit der kommunalen Verdienstmedaille in Gold aus.
Bei Albert Dorn, der 2019 aus der Hand des damaligen Bezirkstagspräsidenten Henry Schramm (CSU) die Ehrenmedaille in Silber entgegennehmen durfte, erinnerte nur noch das rote Jackett an seine frühere politische Heimat. Während Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) die Verdienste des gelernten Schriftsetzers und Bewährungshelfers ignorierte, würdigte Amtsnachfolgerin Martina Hebendanz Albert Dorns Engagement als „lebenslanges Eintreten für die Mitmenschen“.
Wie er handle nur jemand, der Politik als Dienst an der Gemeinschaft verstehe. Er habe vielen Menschen in schwierigen Lebenssituationen weitergeholfen. Dorn, der lange den Vorsitz des Kreisverbandes der Arbeiterwohlfahrt innehatte, habe die Gründung des Kinder- und Jugendtreffs „Nordstern“ sowie die Gründung des „ÖKO-Waschhauses“ mit beeinflusst. Besonders sein Engagement im Jugendhilfe- und Umweltausschuss prägten seine politische Vita. Dorn habe mit Leidenschaft und Sachverstand für seine Überzeugung gekämpft und sei dabei bescheiden geblieben. Albert Dorn habe „Großes geleistet für die Menschen der Stadt und die Gesellschaft“.
Brücken zwischen Kulturen
„48 Jahre Stadtrat, acht Wahlperioden, drei Oberbürgermeister“, fasste Martina Hebendanz das Wirken von Stadtrat Reinhold Otzelberger zusammen, der 2019 nach internen Zerwürfnissen die SPD Stadtratsfraktion verlassen hatte. Otzelberger sei ein echtes Stück Stadtgeschichte. Sein Wirken charakterisierte die Oberbürgermeisterin als sachlich, beharrlich, kritisch und verlässlich. Sein Motto sei: „Gute Politik braucht nicht nur Visionen, sondern auch solide Finanzen und gesunden Pragmatismus“. Das heißt, erst denken, dann entscheiden. Als Gründungsmitglied der GWS (Gemeinnütztige Wohnungsbau und Sanierungsgesellschaft) der Stadt habe er laut Hebendanz Geschichte mitgeschrieben. Wer 700 Kilometer mit dem Fahrrad fahre, um die Partnerstadt Rovereto zu besuchen, der verstehe Städtepartnerschaft als Herzensangelegenheit. Über Jahrzehnte hinweg habe Otzelberger den Schüleraustausch am Ehrenbürg-Gymnasium organisiert und somit Brücken gebaut zwischen Menschen, Generationen und Kulturen. Die Auszeichnung als Ehrenbürger von Rovereto (2011) nannte Oberbürgermeisterin Hebendanz „Ausdruck gelebter europäischer Freundschaft“.
Edith Fießer, die 24 Jahre lang dem Stadtrat angehörte, wurde mit der Ehrenmedaille in Silber ausgezeichnet. Sie habe mit einer Ausdauer gekämpft, so Hebendanz, die man sonst nur von alten Eichen kenne: standhaft, verwurzelt und wetterfest. Wenn es um Natur- und Klimaschutz gehe, werde aus einer freundlichen Stadträtin eine entschlossene Anwältin der Bäume, Bäche und Bienen. Seit über 40 Jahren engagiere sie sich im Bund Naturschutz, übernahm die Organisation der jährlichen Haus- und Straßensammlung und betreute das städtische Amphibiensystem in der jährlichen Laichsaison. Als Gründungsmitglied des Bastionsgarten Vereins sei für sie Naturschutz kein Schlagwort, sondern gelebter Alltag.
Eine beeindruckende Vita könne Josef Freund aufweisen, betonte Oberbürgermeisterin Martina Hebendanz. Der Elektriker packte schon mit 16 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr mit an. Später war er ehrenamtlicher Prüfer bei Gesellenprüfungen. Er engagiere sich in der Jagdgenossenschaft Kersbach und im Pfarrgemeinderat St. Ottilie. Als aktives Mitglied des Roten Kreuzes sei er einer der Motoren beim Bau des BRK-Heims in Kersbach gewesen. Als das schwere Hochwasser 2002 Sachsen erschütterte, war Josef Freund im Einsatz in Pirna. Ehrenzeichen in Bronze, Silber und Gold, Ehrennadeln des BRK und staatliche Ehrenkreuze machten deutlich: „Hier wird nicht ein einzelner Moment ausgezeichnet, sondern ein Lebenswerk“, so Hebendanz.
Ehrung für DLRG und THW
Das Engagement von Gerhard Rossa, der seit fünf Jahrzehnten mit der DLRG Forchheim verbunden sei, habe Wellen geschlagen. Verlässlich wie ein Rettungsring, ausdauernd wie ein Langstreckenschwimmer habe Rossa als Ausbilder, Rettungstaucher, Technischer Leiter und Fachübungsleiter tausende Menschen zu Wasserrettern ausgebildet. Rossa habe unzählige Menschen über Wasser gehalten, wortwörtlich, aber auch menschlich.
Mit Engagement, Verantwortungsbewusstsein und Menschlichkeit habe sich Christian Wilfling in den Dienst der Gemeinschaft gestellt. Als stellvertretender Ortsbeauftragter begleitete er maßgeblich den Neubau des THW-Standortes und trug dazu bei, die infrastrukturellen Grundlagen für eine moderne und leistungsfähige Einsatzorganisation zu legen. Unter seiner Führung entwickelte sich der Ortsverband zu einem der aktivsten in ganz Bayern. Bei Auslandseinsätzen in Frankreich und Rumänien packte er mit an. Seine Haltung, seine Verlässlichkeit und sein tiefes Pflichtbewusstsein seien die Merkmale, die ihn auszeichneten.
Oberbürgermeisterin Hebendanz würdigt Engagement
Martina Hebendanz würdigte Uli Welz als Brückenbauer zwischen Menschen in Ost und West sowie zwischen Vergangenheit und Zukunft. Ihn zeichne die Fähigkeit aus, Menschen zusammenzubringen. Mehr als 40 Jahre Ehrenamt prägten seinen Lebensweg. Er war beim VfB Forchheim als Funktionär, Trainer und Schiedsrichter stets Begleiter junger Menschen. Als Lesepate und Ansprechpartner für Senioren habe er dort geholfen hat, wo Hilfe gebraucht wurde. Sein Wirken sei nie laut gewesen, aber immer spürbar. Er habe der Stadt ein menschliches Gesicht gegeben.
Als „rheinische Frohnatur“ sei Josef Schiefer nicht mehr aus Forchheim wegzudenken. Mit seiner ruhigen Art, dem Humor, seiner Verlässlichkeit habe er die Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen. „Sie gehören zu den Menschen, die das Fundament einer Stadt bilden“ lobte Hebendanz. Besonders unterstrich sie sein Engagement beim Neubau des Kindergartens Don Bosco, aber auch als Lektor, Kommunionhelfer, Mesner, Organisator von Festen und Mitglied des Männerchores Reuth habe er sich einen Namen gemacht.
Als Ort, an dem Geschichten weitergegeben werden und Gemeinschaft lebendig wird, nannte Martina Hebendanz den Bücherbasar der Arbeiterwohlfahrt. Stellvertretend wurde Karola Weiß mit der Ehrenmedaille in Bronze ausgezeichnet. Ihr Engagement sei ein echter Bestseller des gesellschaftlichen Miteinanders. Das Team schaffe Vertrauen, Begegnung und Zusammenhalt. „Hier werden nicht nur Bücher weitergegeben. Hier werden Werte weitergereicht“, so Oberbürgermeisterin Martina Hebendanz.












