Für ein schnelles Feierabend-Bier aufs Annafest? Nur mal kurz „auf einen Sprung“ im Kellerwald vorbeischauen? Das könnte für die Forchheimer in diesem Jahr zum Problem werden.
Gerade die Anwohner aus dem Forchheimer Norden haben ein ausgewachsenes Anbindungsproblem: Für einen Shuttle-Bus fehlt dort der Platz für die zentral gelegene Haltestation, Parkplätze am Festgelände gibt es in diesem Jahr keine und der Weg zu Fuß ist deutlich länger als sonst.
Für Menschen mit Gehbehinderungen ist der Weg zum Annafest am beschwerlichsten.
42 Minuten Fußweg
Ein Anwohner aus der Firtz-Hoffmann-Straße äußerte sich gegenüber dem FT: „Nach der Sperrung der Piasten-Brücke und der Schließung der Bahn-Unterführung ist die Situation für Bewohner aus dem Forchheimer Norden eine Katastrophe.“
Er müsse jetzt seine Mutter im Rollstuhl bis zum Galgensteg bei den Stadtwerken schieben und dann wieder zurück bis zur gesperrten Piastenbrücke, um sie aufs Annafest bringen zu können. 42 Minuten bräuchten die beiden laut Navigationsapp für diesen 3,1 Kilometer langen Weg – ohne Rollstuhl.
„Wir haben ein Problem mit der Anbindung, vor allem im Norden“, sagt auch Roland Brütting vom Forchheimer Ordnungsamt. „Das gefällt uns nicht, aber uns sind die Hände gebunden.“
Unterführung nicht freigegeben
Früher hätten die Besucher die Unterführung bei der Dietrich-Bonhoeffer-Straße nutzen können, doch die sei von der Bahn nicht rechtzeitig fertiggestellt worden und bleibe während des Annafests geschlossen. 21 Minuten und 1,7 Kilometer betrug dieser Weg für unseren Anwohner und seine Mutter früher – immerhin fast halb so lang.
Die nächste Option zur Überquerung: Sorgenkind Piastenbrücke. Hier gibt es für Fußgänger zur Zeit eine temporäre Behelfsbrücke, da die Piastenrücke selbst weiterhin gesperrt ist. Doch auch hier ist der Weg während des Annafestes versperrt. „Das ist zu gefährlich, da waren sich Polizei und Verwaltung einig“, sagt Brütting. „Die Holzbrücke ist zu eng, zu verwinkelt und schlecht einsehbar.“
Bei großen Menschenmassen auf so begrenztem Raum sei das Konfliktpotenzial hoch, besonders bei alkoholisierten Menschen. Sollte dann eine Schlägerei ausbrechen, könnte schnell Panik ausbrechen.
Die Behelfsbrücke sei deshalb für die Besuchermassen am Annafest völlig ungeeignet. Dass der Umweg über den Galgensteg für den Norden weder ideal noch komfortabel sei, wisse die Stadt Forchheim. „Aber wir müssen uns den Verhältnissen stellen, wie sie sind“, sagt Brütting.
Vor allem für Menschen mit Gehbehinderungen, wie für die Mutter des genervten Anwohners, ist die Situation sehr ungünstig. Nicht nur die Anreise in den Kellerwald gestaltet sich schwierig. Auch auf dem Annafest selbst sind die Bedingungen für Rollstuhlfahrer nicht optimal.
Der neue Kellerwald-Express, der Menschen, die schlecht zu Fuß sind, auf die Keller bringt, muss während der Feierlichkeiten nämlich pausieren. „Bei den Menschenmassen, die am Annafest im Kellerwald unterwegs sind, wäre es völlig verantwortungslos, ein Fahrzeug mitten durch fahren zu lassen“, heißt es vonseiten des Ordnungsamtes.
Kein inklusives Annafest
Ronald Brütting bedauert die Umstände sehr: „So traurig das auch ist, können nicht alle Menschen das Annafest auf gleiche Weise genießen. Wir haben einfach ein paar feste Punkte, die wir trotz gutem Willen nicht ändern können.“ Damit meint er die engen Straßen, die Steigung und die hohen Besucherzahlen im Kellerwald. Drei Aspekte, die ein inklusives Annafest erschweren.
Einige Schwerbehindertenparkplätze gibt es am Oberen Festplatz und am Eichenwald. „Die reichen bei der Menge an Besuchern bei Weitem nicht aus, da müssen wir noch dran arbeiten“, sagt Brütting.
Keine einfache Aufgabe: Die Parkplätze am Oberen Festplatz seien nur bedingt hilfreich, da sie sich am unteren Teil des Berges befänden. Am Eichenwald seien die Schwerbehindertenparkplätze zwar besser aufgehoben, jedoch sei die Anfahrt hier sehr schwer, besonders für Nicht-Ortskundige.
Das Ordnungsamt bittet Annafest-Besucher eindringlich, die Anreise mit dem Auto gar nicht erst zu versuchen. Es gebe keine Parkmöglichkeiten, da auch der Parkplatz der Firma Piasten in diesem Jahr gesperrt sei.
Mehr als sonst irgendjemand hoffe Ronald Brütting und das gesamte Team der Stadt auf eine normale Verkehrssituation im nächsten Jahr.
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