Wer kennt es nicht: Der Strecke sah auf der Karte irgendwie kürzer aus, die Wanderschuhe beginnen langsam zu drücken, die Kehle ist trocken und der nächste Bierkeller noch viel zu weit entfernt. Ein Glück, wenn dann am Wegesrand ein Häuschen auftaucht, an dem durstige Wanderer einen Zwischenstopp einlegen können. Vor allem bei gutem Wetter ist die Wandertanke am Freibad in Streitberg daher eine beliebte Anlaufstelle.
Schon von weitem lockt ein Schild Wanderer und Radfahrer mit dem Versprechen von kalten Getränken. Rund um die Uhr versorgt der Automat Ausflügler mit Wasser, Weinschorle und verschiedenen Bieren. Ein Knopf hat es den Kunden allerdings besonders angetan, verrät Matthias Kellner, der die Wandertanke betreibt. Bei der „Bierlotterie“ gibt es für zwei Euro ein fränkisches Überraschungs-Seidla.
Selbstversuch: Was spuckt die Bierlotterie aus?
In der Lotterie gibt es laut Kellner immer unterschiedliche Biere – minimum vier verschiedene. Je nach Saison wandern auch Osterbiere, Bockbiere oder beispielsweise Annafestbiere in den Mix. Der Selbstversuch am Automat zeigt: Wer Überraschung will, der bekommt sie.
Bei fünf Versuchen spuckt das Gerät jedes Mal ein anderes fränkisches Bier aus. Mit dabei das klassische Helle der Brauerei Greif aus Forchheim, aber auch zwei verschiedene Biere der Krug-Bräu in Breitenlesau, ein Vollbier aus Bad Staffelstein und ein heller Bock der Brauerei Simon in Lauf a. d. Pegnitz.
Bierlotterie Streitberg im Test
Rund einmal pro Woche bestückt Kellner, der direkt nebenan wohnt, seine Wandertanke mit Nachschub. An Feiertagen oder bei besonders schönem Wetter füllt er auch mal häufiger nach, damit niemand auf dem Trockenen sitzt.
Auf dem Trockenen sitzen übrigens auch die Biere erst seit 2021. Da hat Kellner den Automaten aufgestellt. Zuvor hatte er die gekühlten Getränke aus einer mit Wasser gefüllten Badewanne verkauft. Damals noch nicht zum Festpreis, sondern mit einer Kasse auf Vertrauensbasis.
Wandertanke: Bierverkauf aus der Badewanne
Seine Wanne musste Kellner allerdings immer im Blick behalten, da er nur so den Jugendschutz sicherstellen konnte. Immer wieder sei die Polizei vorbeigekommen, weil sie Hinweisen auf einen möglicherweise ungeschützten Verkauf nachgehen musste. Daher sei er irgendwann vor der Entscheidung gestanden: Aufhören oder eine andere Lösung finden.
Da sich die Wandertanke schon gut etabliert hatte und die Keller gerade wegen der Corona-Pandemie nicht immer geöffnet hatten, entschied er sich für letzteres. Ein Automat mit Ausweiskontrolle stellt seitdem sicher, dass auch nur Wanderer, die bereits alt genug sind, bei ihm Bier oder Weinschorle tanken. „Das ist nicht mehr so romantisch, aber dafür geht es weiter“, sagt Kellner.
Wandertanke Streiberg als Ausflugsziel
Reich werde man mit so einem Automaten übrigens nicht, betont er. Ihm gehe es mehr um die Sache. Er wandere selbst gern und würde sich dann auch über derartige Angebote freuen. Viele seiner Kunden würden ihre Fahrradtour oder Wanderung extra so planen, um einen Zwischenstopp an der Wandertanke einzulegen.
Für die ausgediente Badewanne, die bis vor Kurzem noch nostalgisch neben dem Häuschen gestanden habe, hat Kellner bereits eine neue Verwendung: In Zukunft will er sie als Hochbeet für Kartoffeln nutzen.












