Den Jugendtreff am Schelmberg gibt es nicht mehr. 2024 sei insgesamt kein einfaches Jahr gewesen. Das erzählte der Jugendpfleger Christian Schönfelder, der dem Stadtrat Gräfenberg seinen Bericht über das vergangene Jahr abgab.
„Es hat turbulent angefangen, da wir vom Vermieter auf die Straße gesetzt wurden“, sagte Schönfelder auf Nachfrage. Offiziell wegen Sanierungsarbeiten. Über die Weihnachtszeit mussten sie ausziehen und ausräumen – die Möbel, das Billard oder die Küche, die Schönfelder mit den Jugendlichen gebaut hatte – alles stand auf der Straße, wurde entrümpelt oder in den Räumen gelassen. Der Bauhof habe geholfen.
„Wir haben uns dann alle schnell zusammengesetzt“, sagt Schönfelder. Bürgermeister und Stadtrat wurden gebeten, nach einer Alternative zu suchen. Vorübergehend sind sie im Bürgerhaus untergebracht worden. Im ersten Stock. Das ist noch immer so.
Räume im Bürgerhaus Gräfenberg bekommen
„Wir sind froh, dass wir die Räume im Bürgerhaus bekommen haben und dass Bürgermeister Kunzmann so schnell mit auf die Suche ging“, bedankt sich Schönfelder. Zumindest ist im Bürgerhaus Platz für die Elf- bis Dreizehnjährigen. Das sei die Hauptzielgruppe, doch in dem damaligen Jugendtreff im ehemaligen Telefunkengebäude konnten die Jugendlichen auch feiern oder sich allein beschäftigen, wenn Schönfelder im Büro nebenan war.
Die Räume im Bürgerhaus müssen sich die Jugendlichen teilen, mit den Senioren, der Suchthilfe und die Bundestagswahl findet ebenfalls dort statt. „Wir sind dennoch froh, einen Raum zu haben, wo sich die Kinder nachmittags treffen können“, sagte Schönfelder.
Zwar hatten sie gehofft, nach der Sanierung wieder in ihre alten Räume mit den vielen guten Erinnerungen ziehen zu können, doch nun, ein Jahr danach, haben sie diese Gedanken abgelegt. Der Stadtrat, das Bauamt, einfach alle, müssten sich Gedanken machen, wo etwas Neues geschaffen oder gemietet werden könnte, bittet Schönfelder eindringlich. Was er sich wünsche?
Jugendtreff Gräfenberg: Ein Gruppenraum wird gebraucht
Gebraucht werde ein großer Gruppenraum, in dem auch gefeiert werden könnte, eine Küchenzeile, ein Lagerraum und ein Büroraum. Zwischen 80 und 100 Quadratmeter. Wie der ehemalige Treff. Freilich wisse auch Schönfelder, dass es nicht einfach sei, geeignete Räume für den neuen Jugendtreff zu finden.
Das liege zum einen an der geografischen Lage und zum anderen an den Ansprüchen an der Jugendarbeit. „Der Jugendschutz muss gewährleistet sein, es darf nicht mit Holz geschürt werden, es muss zentral erreichbar sein“, zählte Schönfelder auf. Beim Sportheim oder in Außenorten, das wäre eben nicht einfach erreichbar und deshalb schwierig.
„Die Nachfrage ist hoch, auch fürs Ferienprogramm. Es müssen große Busse geordert werden“, sagt Schönfelder. Doch so groß die Nachfrage nach Jugendarbeit und den Angeboten auch sei, es fehlten schlichtweg, wie in den Vereinen, Menschen, die sich einbringen, die Verantwortung übernehmen können und wollen, beispielsweise um bei Ausflügen zu begleiten.
Gräfenberg: Jugendarbeit ist Prävention
Das hatten früher die älteren Jugendlichen gemacht, aus dem Jugendtreff selbst „rekrutiert“. Doch diese Jugendlichen fehlen. Seit Corona. Es werde quasi von vorne begonnen. Umso wertvoller sei die gute Jugendarbeit in den Vereinen, die Christian Schönfelder lobt und an die er anknüpfen könne. Mit den Schützen, der Feuerwehr oder wenn die Kinder mit den Höhans’n, dem 1. FCN Fanclub, zur Autogrammjagd fahren.
Jugendarbeit ist jedoch nicht nur „Freizeitspaß“ im offenen Treff, sondern Prävention. „Dass Jugendliche nicht auf die schiefe Bahn geraten“, sagt Schönfelder. Drogen, Extremismus im Netz, Mediennutzung und deren Risiken zählt Schönfelder auf. Elternabende, Vernetzungen mit dem Jugendamt, der Polizei und der Jugendsozialarbeit an den Schulen, gehören zur Präventionsarbeit.
Ebenfalls seit Corona stiegen die Anforderungen und die Anfragen der Eltern. „Die Jugendlichen sitzen zu Hause, sind traurig, haben Depressionen“, zählt Schönfelder die Inhalte der Gespräche mit Eltern auf. Den Kindern wurden durch die Coronapolitik drei Jahre genommen. „Das ist für viele die ganze Jugend“, sagt Schönfelder. Kinder- und Jugendpsychiater hätten Aufnahmestopp. Gerade die Mediennutzung habe zugenommen. Schönfelder nannte auch den negativen Einfluss von TikTok, YouTube und sozialen Medien bei extremistischer Propaganda und Indoktrination, Linksextremismus, islamistischem Terror oder islamistischen Ideologien.
Im Kontakt mit anderen
Im Jugendtreff könnten die Jugendlichen ebenfalls „zocken“, seien aber nicht isoliert, sondern im Kontakt mit anderen. Sie könnten über alles reden. „Die persönlichen sozialen Kontakte sind wichtiger denn je“, betont Schönfelder. Den Kindern Demokratie beizubringen, liege dem Jugendpfleger zudem sehr am Herzen.
Die U-18-Wahl führt er wieder durch, am 11. Februar im Bürgerhaus von acht bis 16 Uhr. Ab der 7. Klasse kommen die Schüler aus der Mittel- und Realschule zu Schönfelder ins Wahllokal und geben ihre Erst- und Zweitstimme ab. Das Ergebnis ist dann auf der Homepage des Bayerischen Jugendrings nachzulesen.
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