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Trinken statt tanzen
Forchheims Jugend wünscht sich mehr Diskotheken
Gesellige Abende auf Bierkellern und in Bars sind in Forchheim kein Problem. Aber viele junge Menschen vermissen schmerzlich einen Club.Forchheim & Fränkische Schweiz
Gesellige Abende auf Bierkellern und in Bars sind in Forchheim kein Problem. Aber viele junge Menschen vermissen schmerzlich einen Club. // imago/VoigtFoto
Forchheim – Eine echte Diskothek gibt es in Forchheim schon lange nicht mehr. Statt langer Gesichter dominieren bunte Ideen gegen die Clubnot. Aber es gibt ein großes Problem.

Wer an einem sonnigen Nachmittag durch Forchheims Fußgängerzone schlendert, könnte glauben, es sei einiges los in Forchheim.

Die Ergebnisse der Heimat-Monitor-Umfrage zeigen aber auf, dass viele Jugendliche und junge Erwachsene vor allem mit dem Nachtleben in der Königsstadt unzufrieden sind.

Der Gesamtwert für Kultur und Freizeit liegt in Forchheim nur bei fünf von zehn Punkten, einzelne Befragte wünschen sich „mehr zum Tanzen“, „mehr Bars und Clubs“ und „mehr Aktivitäten, damit junge Leute auch abends in Forchheim sein wollen“.

Tanzkulturelle Ausnahmen: „FOpen Air“, Schiefes Haus, Apothekenstraßenfest

Immerhin gibt es rühmliche Ausnahmen.

Mittwoch, 7. Juni, 20 Uhr, Wiesentstraße: Im Schiefen Haus kam Forchheims Tanzgemeinschaft zusammen, um zu Malle-Hits und Schlagern zu feiern.

Voll Hütte im Schiefen Haus am 7. Juni: „Leute freuen, wenn etwas stattfindet“Forchheim & Fränkische Schweiz
Voll Hütte im Schiefen Haus am 7. Juni: „Leute freuen, wenn etwas stattfindet“ // Carina Schmidt

DJ Curse rockte am 27. Mai mit Hunderten Leuten in der Kaiserpfalz beim „FOpen Air“.

Roland Moser feiert beinahe jeden Samstag mit Kindern und Jugendlichen in seiner Tanzschule in der Bayreuther Straße Kinderdisko.

Kathrin Grüner wird mit ihrem Lübbis gemeinsam mit dem Hauscafé am 23. und 24. Juni wieder mit tanzbarer Livemusik in die Apothekenstraße laden.

Es wird am  23. und 24. Juni in der Forchheimer Innenstadt wieder ein Apothekenstraßenfest (Foto von 2022) geben.Forchheim & Fränkische Schweiz
Es wird am 23. und 24. Juni in der Forchheimer Innenstadt wieder ein Apothekenstraßenfest (Foto von 2022) geben. // Kathrin Grüner

Hier und da gibt es sie also, die kulturellen Höhepunkte, um das Feiervolk nicht permanent an das Nachtleben in Erlangen, Nürnberg oder Bamberg zu verlieren.

Und doch wünscht sich – nicht nur – die Jugend mehr Vielfalt in der Forchheimer Diskolandschaft.

Früher gab es mehr Discos in Forchheim

Früher sah das alles auch in Forchheim einmal ganz anders aus.

Szenegänger der Siebziger und Achtziger Jahre erinnern sich gerne an Diskotheken wie das Atlantis in der Bamberger Straße, später als Schickeria bekannt.

Nicht wenige dürften sich im Forchheimer Süden im Ypsilon, später TopTen, vergnügt haben. Hinzu kamen kleinere Läden wie das Biwak, das Blue Note am Paradeplatz (früher als Wild Horse oder Hamba bekannt).

Kuckucksklause lädt seit 1971 zum Feiern und Tanzen nach Reuth

Übrig geblieben ist einzig die Kuckucksklause in Reuth.

Seit 1971 gibt es schon die Kuckucksklause in Reuth.Forchheim & Fränkische Schweiz
Seit 1971 gibt es schon die Kuckucksklause in Reuth. // Barbara Herbst

Inhaberin Diana Dötzer, Tochter von Gertraud und Baptist Dötzer, die das Lokal 1971 als echte Diskothek eröffneten, hat sich noch immer die Eventgastronomie auf die Fahnen geschrieben.

Keine echte Disco in Forchheim aktuell

Aktuell gibt es keine echte Diskothek in Forchheim, es sei auch keine geplant, sagt Ordnungsamtsleiter Klaus Backer.

Auch Julia Stumpf hat das nicht vor. Sie betreibt das Schiefe Haus zusammen mit Thomas Halota und Lukas Miterreiter. Aber sie wollen mit ihrer Bar doch mindestens ab und an ein Loch stopfen, das in Forchheim nicht wegzudiskutieren ist: Es gibt schlichtweg keine Location, um abends tanzen zu gehen.

Spannungsfeld Nachbarschaft: Immer wieder Polizei

„Unser jüngstes Event ist wieder gut angenommen worden, die Leute freuen sich, wenn etwas stattfindet“, sagt Stumpf. An Zuspruch mangelt es also nicht.

Der Vorteil ihrer Bar, die zentrale Lage, ist aber zugleich auch das größte Hemmnis, solche Partys öfter steigen zu lassen. „Bei der letzten Veranstaltung ist wieder die Polizei gerufen worden“, erzählt Stumpf. Wegen Ruhestörung.

„Ich verstehe ja, dass es eine Geduldsprobe für die Nachbarn ist. Aber ich hoffe, dass wir eine gute Lösung für die Zukunft finden.“

Kathrin Grüner alias Lübbi: „Gerne mehr machen“

Das Lied von lärmgeplagten Nachbarn kann auch Kathrin Grüner singen.

„Ich würde gerne noch viel mehr machen“, sagt sie. Livemusik zum Beispiel, auch DJs fragten sie immer wieder an, ob sie denn nicht bei ihr auflegen könnten. Leider lasse das die Nachbarschaft nicht zu, oft schon habe es Ärger gegeben.

Kathrin Grüner alias Lübbi ist seite 2022 die neue Pächterin des Rappenkellers im Bergwald.
Kathrin Grüner alias Lübbi ist seit 2022 die neue Pächterin des Rappenkellers im Bergwald. // Ronald Rinklef

„Das ist schon peinlich vor den Gästen, wenn ich sie ständig zum Flüstern animieren muss.“

In den vergangenen Jahren sei relativ wenig passiert in Forchheims Nachtszene, die Innenstadtbewohner hätten sich an die Ruhe gewöhnt, sagt Grüner.

„Gleichzeitig meckern alle, dass die Innenstadt ausstirbt. Das hängt auch mit fehlender Diskokultur zusammen.“

Sie freut sich dennoch auf den 23. und 24. Juni – und hofft auf ein ruhestörungsfreies Apothekenstraßenfest. Und Forchheims Feiervolk auf die so dringend, weil seltene Tanzgelegenheit.

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