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Kunst in Ebermannstadt
Auf diese Tafeln schreiben jugendliche Straftäter
Die „Tafeln von Ebrach“ entstanden aus der Idee, dass die jugendlichen Straftäter über diese Möglichkeit nach draußen kommunizieren können.Forchheim & Fränkische Schweiz
Die „Tafeln von Ebrach“ entstanden aus der Idee, dass die jugendlichen Straftäter über diese Möglichkeit nach draußen kommunizieren können. // Andreas Feist
Signet des Fränkischen Tags von Carmen Schwind
Ebermannstadt – Auf besonderen Platten können sich Straftäter ihren Frust von der Seele schreiben und nach außen kommunizieren. Diese „Tafeln von Ebrach“ kommen nun nach Ebermannstadt.

Auf drei großen Schiefertafeln ist zu lesen: „Wo sind meine Freunde? Freiheit. Gefangensein. Falschheit. Trauma. Alles im göttlichen Plan – hoffentlich. Liebe. Sehnsucht. Licht. Devil in disguise“, was so viel heißt wie Teufel in Menschengestalt, in Verkleidung. Es handelt sich hierbei um die sogenannten „Tafeln von Ebrach“, die am 1. Oktober für drei Wochen auch in Ebermannstadt aufgestellt werden sollen.

„Diese Tafeln beschreiben einen interdisziplinären Austausch in mehreren Hinsichten zwischen Anstaltspsychologie, Kunst und Kultur, dem Bürokratismus und den Beamten sowie der Öffentlichkeit, der Gesellschaft und der Kirche“, schreibt Künstler Andreas Feist, der ehrenamtlich in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Ebrach arbeitet und derzeit die Sao-Paulo-Biennale in Brasilien besucht.

Jugendliche Straftäter sollen sich so Gehör verschaffen

Seine Idee war, dass die jugendlichen Straftäter über diese Möglichkeit nach draußen kommunizieren können und dass dies eine Art Ventil sein könnte, um sich Gehör zu verschaffen und sich Frust von der Seele zu schreiben. „Normalerweise wird die Frustration im Kraftraum oder durch Schlägereien abgebaut“, berichtet Feist.

Der Künstler wandte sich an den damaligen Gefängnisseelsorger Hans Lyer, der früher auch am Feuerstein in Ebermannstadt als Seelsorger tätig war. Der fand das Projekt interessant: „Es ist eine Möglichkeit, frei zu schreiben, ohne Zensur, an einem Ort, an dem alles zensiert wird.“

Die Pfarrer Lyer und Stark holen Projekt nach Ebermannstadt

Lyer wiederum sprach nun den leitenden Pfarrer des Seelsorgebereichs Fränkische Schweiz an, Florian Stark. Und deshalb werden die Tafeln bald in Ebermannstadt aufgestellt und können hier ebenfalls beschrieben werden. Für Andreas Feist war es interessant, die gefangenen Jugendlichen näher kennenzulernen: „Manche sind tatsächlich hoffnungslos verloren, bei anderen sieht man die Bereitschaft zur Besserung. Meine These ist, dass diese jungen Straftäter prinzipiell nicht anders ticken als wir, die in Freiheit leben, mit dem Unterschied, dass sie von Kind an keine Chance hatten.“ Feist schreibt weiter, dass der Großteil der Jungs aus schwierigen Verhältnissen stamme, was die Bereitschaft zu Gewalt und Kriminalität erkläre, dass aber das Umfeld der jungen Männer auch eine bedeutende Rolle spiele: „Ihre Bedürfnisse sind genau die gleichen wie die, die wir haben. Allerdings besitzen sie eine Beschränktheit an Möglichkeiten, das auszudrücken. Ein Resultat, aus welchen Verhältnissen und welcher Umgebung man stammt.“

In Ebrach können die Gefangenen auch eine Lehre machen. In der Anstaltsschlosserei wurden Rahmen für die Schiefertafeln hergestellt und diese ein halbes Jahr lang im Gefängnishof aufgestellt. Die jungen Männer konnten diese mit Kreide unzensiert beschriften. Regen verwischte die Tafeln immer wieder. „Dadurch bildete sich eine „Schreibpatina“, die eine Art Relief hervorbrachte. „Eine geheimnisvolle Patina im Mikrobereich“, so Feist. Dann wurden sie nach einem Gottesdienst in der Klosterkirche Ebrach ausgestellt. „In dieser Welt müssen wir die Kirchentüren weit aufmachen für die Dinge, die in dieser Welt passieren“, sagt Hans Lyer. „Und diese Tafeln weisen ja auch auf die Vergänglichkeit hin“, fügt Florian Stark hinzu.

Deshalb wollen sie Menschen einladen, sich mit den Themen auf den Tafeln auseinanderzusetzen, aber auch ihre eigenen Themen dort vor der Kirche zu lassen. „Es ist doch interessant, was einen Lebenstext ausmacht. Und es gibt auch außerhalb einer Strafanstalt Gefängnisse, die sich Menschen selbst bauen“, stellt Lyer fest.

Die Ausstellung der Tafeln vor der Kirche in Ebermannstadt wird ebenfalls mit einem Gottesdienst eröffnet. Dann dürfen die Bürger Ebermannstadts sich darauf mit Kreide ausdrücken.

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