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Schmiedekunst
Haager Brücke: Schwebende Gondel über der Wiesent
Da können die Kinder mit Schmied Hubert Hunstein rütteln, wie sie wollen: Der Brückenbalkon hält.Forchheim & Fränkische Schweiz
Da können die Kinder mit Schmied Hubert Hunstein rütteln, wie sie wollen: Der Brückenbalkon hält. // Fotos: Thomas Weichert
Signet des Fränkischen Tags von Thomas Weichert
Wiesenttal – Die Haager Brücke ist fertig. Ein Professor verfasst sogar einen Essay über das Bauwerk des örtlichen Schmieds.

Nun ist auch das Prunkstück der Haager Kunstbrücke fertig, der Balkon über der Wiesent. Anlass genug für den Haager Schmied und Künstler Hubert Hunstein, ein Brückenfest zu feiern und dabei ein 100-Liter-Holzbierfass mit Mönchsambacher Bier anzustechen und als Freibier auszuschenken.

Offizielle Einweihung und Verkehrsfreigabe der Brücke ist dann am nächsten Donnerstag, 14. September, um 17 Uhr durch den Markt Wiesenttal.

Es war gar nicht so einfach für die Männer, das riesige Bierfass aus dem Transporter zu hieven und auf den extra dafür aus Pappelholz angefertigten Ambossstock zu stellen, der zwei Frauenoberkörper zeigt. Auch der muss natürlich Kunst sein, wie alles bei Hubert Hunstein.

Die Sitzbank fehlt noch und wird rechtzeitig vor der offiziellen Einweihung installiert.

Belastungstest bestanden

„Alle auf den Balkon“, forderte Hunstein seine Gäste auf − jedenfalls so viele, wie draufpassten. Da konnten auch die Kinder rütteln, wie sie wollten. Der Balkon hielt beim Belastungstest. Unten sprudelte das Wasser im Fluss und oben das Bier aus dem Holzfass.

Einige Gäste hatten Brotzeit mitgebracht: Knackwürste und Brezen. Sie bewunderten das einzigartige Brückengeländer und kamen ins Staunen. Jede der 18 Stelen ist anders. Hier ein Blatt, dort die Nofretete, wieder woanders eine Blüte. Einen richtigen Plan gibt es nicht. Nur eine Bleistiftzeichnung.

Die große Kunst entsteht quasi im Kopf des Künstlers während der Arbeit. Wie Hunstein sagt, ist die vorher hässliche Betonbrücke nun mit seinem Geländer zum „Wohnzimmer im Wiesenttal“ geworden. Eine Brücke, die zum Verweilen einlädt.

Hunsteins Freund, der Muggendorfer Medizinprofessor Adaling Ogilvie, hat einen Essay über die Brücke und vor allem über das Geländer verfasst: „Eine Brücke ohne Brückenheiligen, aber ein Kunstwerk trotziger Zuversicht“, schreibt er.

Filigrane Kunst aus hartem Metall

So richtig passte der grobe Betonklotz über der kleinen Wiesent nicht in die idyllische Naturschutzlandschaft. Aber die Fantasie und hoffnungsgetriebene Kunst des Schmieds hämmerte dagegen an und lässt aus menschenbedrohendem Metall zarte und filigran wuchernde Halme und Blütenstängel erwachsen.

Der „Balkon“ ist kunstvoll verziert.Forchheim & Fränkische Schweiz
Der „Balkon“ ist kunstvoll verziert. // Thomas Weichert

Ein Geländer, das funktionell lediglich als Schutzvorrichtung für hastiges Vorbeifahren und dem Wanderer als Gehhilfe dienen sollte, ist zum verblüffenden Abbild einer sich wehrenden Erde geworden.

Ein fast biedermeierlicher Balkon, schwebend über dem Wasser, regt zum Verweilen an, um die Neideck und den Lauf der Wiesent zu betrachten. Tauchende Wasseramseln und Schafstelzen kann man beobachten oder den vorbeigleitenden Paddlern zuwinken.

Anregung zum Innehalten

Die Außenwände der „Gondel“ sind luftig leicht; man soll sich befreit fühlen, nicht wie in einem Käfig. Wie Ogilvie − seine Vorfahren sind Schotten − sagt, sei dieser Verweilplatz ein weiterer Kontrapunkt gegen die kalte Funktionalität einer Brücke, die gewöhnlich der gefahrlosen Überleitung, ohne Anregung zum Innehalten oder Nachdenken, dient. Aber die ewig fließende Wiesent lehre uns: „Es geht weiter, immer weiter.“

Wahrscheinlich wird der Aussichtsplatz an der Brücke nicht die Berühmtheit des Balkons von Verona erleben, wo Romeo seiner Julia ewige Liebe schwor. Aber ein Ort romantischen Zusammenseins könnte er werden.

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