Es wirkt auf den ersten Blick etwas skurril, als plötzlich ein Taucher über eine Wiese in Forchheim stampft. Laut hörbar schnauft er aus seinem Taucherhelm. Die Gäste der Eröffnungsgala treten erschrocken zur Seite. Sie schwankten dabei sichtlich zwischen begeistertem Lachen und etwas Furcht, während der Taucher ihnen immer näherkommt. Aus seinem riesigen Helm kommen oben Seifenblasen heraus, immer, wenn er laut ausatmet.
Mit seinem riesigen Kescher fängt er plötzlich ein kleines Mädchen ein, entscheidet sich dann jedoch um, lässt sie frei und reicht ihr dann freundlich die Hand zum Gruß.
Alessandro Vallin war der Überraschungsakt der Veranstaltung und trat das ganze Wochenende über zudem mit der Nummer des Tauchers als Walking Akt auf.
Seit 2021 auf dem Königsbad-Gelände
Das ZirkArt Festival in Forchheim fand dieses Jahr zum sechsten Mal statt, es wird im Zwei-Jahres-Rhythmus organisiert. Das „artistische Theater auf öffentlichem Raum“, wie Lorenz Deutsch die Veranstaltung beschreibt, ist in Süddeutschland einmalig. Deutsch rief die Veranstaltung 2010 erstmals ins Leben. Der neue künstlerische Leiter ist seit diesem Jahr Matthias Romir. Seit 2021 findet die Veranstaltung nicht mehr in der Innenstadt, sondern in der Nähe des Königsbades statt und bietet dadurch auch viele neue Möglichkeiten für die internationalen Künstler.
Künstler aus Partnerstadt Biscarrosse
Vor allem die Partnerschaft mit Biscarrosse profitiert davon. Die Trapezkünstler „Crazy R“ kommen aus Biscarrosse und bieten eine atemberaubende Show in luftiger Höhe.
Am Freitag gab die Eröffnungsgala einen kurzen Einblick in die Shows der einzelnen Künstler. Am Samstag und Sonntag führten die Künstler dann ihre vollständigen Programme auf. „This Maag“ führte hierbei durch die Show und stellte die einzelnen Künstler vor. Um die eigentlich etwas trockene Vorstellung der Sponsoren aufzuheitern, kümmerte er sich um die „Schleichwerbung“, wie er es scherzhaft nannte. Hierbei sprang er mit passenden Logos der Firmen über die Bühne und konnte sich währenddessen kleinere Bemerkungen nicht verkneifen. Bei der Hotelkette „the nui“ lobte er die Qualität der Matratzen und torkelte wenig später mit dem Schild der Brauerei „Pfister“ über die Bühne. Dabei band er das Publikum ein und forderte hierbei den Oberbürgermeister Kirschstein auf, das Konfetti von der Bühne zu fegen, was für reichliche Lachanfälle beim Publikum sorgte.
Rollschuhe, Bälle-Jongleur und Show in luftiger Höhe
Für die Sicherheit des Festivals zuständig gab sich die Flugbegleiterin „Miss 52“, die sichtbar Probleme mit ihren Rollschuhen während ihren Sicherheitsanweisungen hatte. Lacher aus dem Publikum erhielten von ihr jedoch einen tadelnden Blick. Spielend leicht sah es stattdessen bei dem Jongleur Domenyk La Terra aus. Er jonglierte mit bis zu elf Bällen gleichzeitig, der Mittelpunkt war dabei ein roter Ball, dem er immer weitere weiße Bälle hinzufügte.
Für die Show der Trapezgruppe „Crazy R“ musste das Publikum von der Hauptbühne zu dem Aufbau der Truppe umziehen. Die Artisten schwangen sich ohne jegliche Sicherungen in einer atemberaubenden Höhe durch die Luft. Sie ließen ihre Bewegungen sehr einfach aussehen, weshalb das Publikum staunend nach oben blickte, um gespannt die Artisten zu bestaunen.
Leicht und schwerelos beim Handstand
Handstandkünstlerin Natalie Reckert erzählte, der Handstand fühle sich für sie schwerelos an. Und genauso sah es bei ihr aus. Dabei führte sie sowohl Choreos zu Musik auf ihrem Tisch als auch ihren einfachsten und schwersten Trick auf. Der letzte Akt der Eröffnungsveranstaltung war der Clown Fraser Hooper, der mit vier mehr oder weniger Freiwilligen aus dem Publikum einen Boxring nachahmte. Er sprach hierbei kein einziges Wort, sondern ließ lediglich seine Mimik und Gestik wirken. Dabei pfiff er die Menschen zu sich auf die Bühne, was stark an Hunde erinnerte. Für die größten Lacher sorgte der aus dem Publikum ausgewählte Landtagsabgeordnete Michael Hofmann (CSU), der als menschlicher Boxring etliche Treffer des Clowns abbekam.
Die Brassband „Anarchist Brass Collective“ sorgte beim ZirkArt für den musikalischen Rahmen.
Für die Veranstalter und Künstler war dies die erste Veranstaltung nach der Coronazeit und ließ sie nach einer harten Zeit für Kunst und Kultur wieder aufatmen.
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