Ein romantisches Abendessen, Kerzenlicht, tiefe Blicke und dann vielleicht die Frage aller Fragen: Willst du mich heiraten? Bei so manchem Candle-Light-Dinner am Valentinstag wird es sich vielleicht genau so abspielen. Denn für die meisten Paare ist es ganz selbstverständlich – der Übergang zur Ehe, Mann und Frau werden und sich vor Gott das Ja-Wort geben. Vielen Paaren bleibt dieser Schritt allerdings verwehrt – zumindest in der katholischen Kirche. Homosexuelle Paare dürfen weder getraut noch gesegnet werden.
Paarsegnung für alle, die sich lieben
Anders am Dienstag in Hallerndorf. Pfarrer Matthias Steffel nutzt den Valentinstag für eine ganz besondere Paarsegnung, bei der ausdrücklich alle Paare willkommen sind. Auch homosexuelle. „Unsere Einladung gilt allen Menschen, die sich lieben. Das bedeutet: Jedem, der darum bittet, wird ein gutes und ermutigendes Wort Gottes, für den je eigenen Lebensweg, zugesprochen“, sagt der 47-Jährige.
Kein Zufall, dass das am Valentinstag geschieht. Der heilige Valentin gilt als Patron der Verliebten und Liebenden. Er soll Paare christlich vermählt haben, obwohl Kaiser Claudius II. die Hochzeit verboten hatte. Auch der Segen für homosexuelle Paare bleibt für den Papst in Rom ein No-Go – auch am Valentinstag.
Nicht allerdings für Steffel. „Es geht mir nicht darum zu polarisieren oder etwas zu tun, was den Regeln meiner Kirche widerspricht. Ganz im Gegenteil. Ich fühle mich als Teil dieser Kirche. Und als solcher sehe ich meine Aufgabe als Seelsorger darin, Menschen zu segnen.“
Ähnliche Gottesdienste im ganzen Landkreis
Diese Segnungsgottesdienste finden nicht nur in Hallerndorf, sondern mittlerweile in vielen anderen Gemeinden im Landkreis statt. Auch auf Burg Feuerstein waren am Wochenende grundsätzlich alle Paare zu einer Segnung eingeladen.
Michael Gereth, Pfarrer in Wiesenthau, Pinzberg und der Pfarrgemeinde Weingarts, findet das ebenfalls eine gute Sache. Er würde niemandem einen Segen verwehren wollen. Auch nicht einem schwulen oder lesbischen Paar. „Ich würde grundsätzlich nicht Nein sagen. Man müsste halt darüber reden und eine individuelle Lösung finden.“
Matthias Steffel sieht seine Kirche grundsätzlich als offenes Haus und hat eine ganz klare Haltung: „Persönlich würde ich sagen: Jeder Mensch ist ein Geschöpf Gottes und als solches darf er auch den Segen für sich als lebensbejahende Zusage in Anspruch nehmen“, erklärt er. Beim Thema gleichgeschlechtliche Ehe sei es für ihn allerdings schwieriger. Nach katholischem Verständnis sei die Ehe die Zeugung von Nachkommenschaft ausgelegt.
Landtagsabgeordneter freut sich, dass Pfarrer ein Zeichen setzen
Viele Pfarrer hätten in den vergangenen Jahren in ganz Deutschland vermehrt Paarsegnungsgottesdienste angeboten, zu denen ausdrücklich alle eingeladen wurden, weiß auch der FDP-Landtagsabgeordnete Sebastian Körber zu berichten: „Damit haben sie ein deutliches und sichtbares Zeichen gegen Diskriminierung und für Versöhnung gesetzt.“ Dass queere Paare bei Segnungsgottesdiensten willkommen seien, sei „ein richtiger und wichtiger Schritt“.
Beginn des Gottesdienstes ist am Dienstag um 18.30 Uhr in der Pfarrkirche Hallerndorf. „Eingeladen ist jeder, der ein offenes und ehrliches Herz hat.“ Übrigens auch Geschiedene und Wiederverheiratete.
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