Wer im Landkreis Forchheim lebt, der kommt kaum daran vorbei, in seinem Alltag immer wieder nach Forchheim zu fahren. So liegen hier das Krankenhaus sowie das Landratsamt und wer den Landkreis mit dem Zug verlassen will, steigt in der Kreisstadt in den ein – in vielerlei Hinsicht liegt hier also das Zentrum der Region. Wer aber den geografischen Mittelpunkt des Landkreises sucht, der muss nach Leutenbach kommen. Wie das Bayerische Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung errechnet hat, liegt dieser nämlich einige hundert Meter östlich des Walberlas im Norden der Gemeinde am Wegesrand gen Kirchehrenbach.
„Dass der Mittelpunkt da in der Ecke liegt, war mir schon bekannt“, erklärt Leutenbachs Bürgermeister Florian Kraft. Bei einer Internetrecherche sei er per Zufall auf diese Information gestoßen. Dazu gekommen, sich auf die Suche nach dem genauen Standort des Mittelpunktes zu machen, sei er jedoch noch nicht.
Spannend fände er eine solche Reise dennoch – zumal der Ausblick vom Mittelpunkt aus eine ganz besondere Sicht auf das Walberla verspreche. „Selbstverständlich würden wir als Gemeinde gerne eine Bank stiften, von der aus man diesen Blick genießen kann“, betont Kraft. Diese aufzustellen, wäre für die Gemeinde kein großer Aufwand. Bedingung hierfür sei jedoch, dass der Besitzer des Grundstücks, auf dem der Mittelpunkt liege, mitmache.
Zu Fuß auf Suche nach dem Mittelpunkt
Um mir ein Bild von diesem besonderen Ausblick zu machen, entschied ich, den Mittelpunkt selbst aufzusuchen. Als Ausgangspunkt hierfür wählte ich die Friedhofstraße am nördlichen Ortsrand Leutenbachs. Von hier aus biege ich auf Höhe des Hohen Stegs gen Norden in einen ungepflasterten Weg ein, welchen meine Navigations-App charmant als „Straße ohne Namen“ bezeichnet.
Rund 900 Meter sollte die Strecke bis zum geografischen Zentrum des Landkreises lang sein. Bereits nach wenigen Schritten nimmt die Bebauung ab und die Vegetation entlang des Weges zu – die Geräusche der Zivilisation verstummen.
Etwa 600 Meter vor meinem Ziel öffnet sich das Grün und hinter einer Holzscheune erkenne ich jene ganz besondere Aussicht, die Bürgermeister Kraft mir versprochen hat; die waldbehängte Seite des Walberlas. Zwischen den Baumkronen hindurch erhasche ich einen Blick auf Walburgis Kapelle, die mir von Bildern bislang nur aus anderen Perspektiven bekannt war.
Am Mittelpunkt zirpt es
Es folgt eine Strecke, auf der sich am Wegesrand Kirschbäume, Wiesen und kleine Maisfelder abwechseln. Auf diesem Wegstück begegnet mir die einzige Menschenseele, die ich auf meiner Wanderung treffe. Auf die Frage, ob er sich bewusst sei, dass er gerade am Mittelpunkt des Landkreises vorbeigelaufen sei, reagiert der Mann überrascht. „Ich gehe hier jeden Tag lang“, erklärt er daraufhin. Darüber, dass hier der Mittelpunkt des Landkreises sein könnte, habe er nie nachgedacht.
Kurz nach dieser Begegnung erreiche ich schließlich fast mein Ziel. Für die letzten Meter muss ich nur den namenlosen Weg verlassen und einen kleinen Pfad zwischen zwei Maisfeldern einschlagen, um eine dahinterliegende Wiese zu erreichen. Empfangen werde ich hier vom lautstarken Zirpen unzähliger Grillen. Das ist also der Soundtrack des Landkreismittelpunkts.
Mit jedem Schritt schrecke ich gut ein Dutzend von ihnen auf. Zum Stehen komme ich schließlich etwa zwei Meter neben einem Kirschbaum. Um den eigentlichen Mittelpunkt zu erreichen, müsste ich jetzt noch einen Schritt nach vorne machen – hinein in den Mais. Mir genügt es aber, mich dem Zentrum Forchheims soweit zu nähern. Ich atme tief ein und genieße den Ausblick am wohl ruhigsten Mittelpunkt des Kreises.
Wie wurde der Mittelpunkt errechnet?
Errechnet wurde der Mittelpunkt durch das Bayerische Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung anhand der sogenannten Schwerpunktmethode. „Hätte man eine ausgesägte Platte mit den Konturen eines Landkreises, wäre diese im Mittelpunkt perfekt ausbalanciert“, erklärt Barbara Hindinger als Pressesprecherin des Landesamts.
Mittels dieser komplexen mathematischen Methode hat man hier jedoch nicht nur Forchheims Mittelpunkt errechnet, sondern auch die Zentren aller anderen Bayerischen Landkreise. Grund hierfür ist, dass entsprechende Anfragen aus Marketingzwecken immer wieder beim Landesamt eingegangen sind.
Wer den Forchheimer Mittelpunkt selbst suchen will, findet ihn bei den Koordinaten: N49˚43’15.63“ E11˚10’2013“
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