„Ihr seid der Wahnsinn!“ Bernhard „Heizer“ Lauger, das Sprachrohr der Band „SLP“, schüttelte ungläubig den Kopf und zollte dem unerwartet großen Publikum seinen Dank. Immer wieder schallte sein Ausruf während des knapp zweistündigen Gigs aus den Boxen am „Brauwastl-Wohlfühlkeller“ − so ein Banner am Gelände. Einen Stromausfall konterte die Band unplugged.
Das gesamte Event diente einem karitativen Zweck: „SLP“ selbst und auch die als „Vorband“ auftretende Feuerwehrkapelle Forchheim spielten bei freiem Eintritt. Der vom Brauwastl-Trio eigens angesetzte Sud wurde gegen eine Spende ausgeschenkt und alle an der Veranstaltung beteiligten Helfer, Schenker, Roadies usw. arbeiteten kostenlos.
Das Akronym „SLP“ steht für Schönfelder, Lauger und Puppich. Das Motto der Band: „Drei Männer. Drei Instrumente. Tres Cañones“. Seit der Bandgründung vor 25 Jahren spielt das Jubel-Trio aus Christian Schönfelder, Bernhard Lauger und Thomas Puppich in dieser Formation zusammen.
Besucher, die „SLP“ noch nicht kennen, sind oft sehr erstaunt, mit welcher Akribie Klassiker aus Rock und Pop auf ihre Weise präsentiert werden − trotz minimalistischem Instrumenteneinsatz. Seiner akustischen Gitarre, wie man sie eher vom Lagerfeuer kennt, entlockt Schönfelder unglaubliche Riffs und vor Puppich, der in anderen Formationen komplette Schlagzeuge drischt, stehen lediglich eine auch „Snare-Drum“ genannte kleine Trommel sowie ein Gong-Gestell. Und wenn Lauger sein Schifferklavier umschnallt, erwarten nicht wenige eher Seemannslieder als Musik von Whitesnake, Van Halen, Led Zeppelin oder Iron Maiden.
Die Band begrüßt die Fans zur Silberhochzeit
So wundert es auch wenig, als um 20 Uhr ein von der Band „The Sweet“ bekanntes Schlagzeug-Intro einsetzt, mit dem der Song „Ballroom Blitz“ beginnt. Natürlich aber für „SLP“ umgemünzt: „Are you ready Schöni? Aha - Bernhard? Yeah - Thomas? Ok - All right fellas. Let’s go.“ Die Begrüßung danach vom „Heizer“ ist ebenso typisch: „Willkommen zu unserer Silberhochzeit und vielen Dank an die Feuerwehr für den Support. Aber jetz is Schluss mit der Waaferei, spill ma lieber a Lied“. Es folgt „Since you been gone“ von Rainbow.
Etwa 400 Unentwegte ließen sich trotz einstelliger Celsius-Grade bei unbeständigem Wetter nicht davon abhalten, das silberne Jubiläum der inzwischen zum Kult-Trio gereiften Band zu feiern. Selbst als während des Auftritts Regen einsetzte, harrte das Gros der Fans aus. Ebenso Kellerwald-Bürgermeister Udo Schönfelder, der mit ins Gesicht gezogener Basecap bis zum Ende blieb und die Besucherzahlen augenzwinkernd konkretisierte: „Inklusive der Band, den Ausschenkern und sonstigen Helfern sind 427 Leute hier.“
Aber nicht nur die Band selbst, auch die drei „Hopfenhexer“ von Brauwastl, auf deren Gelände das Jubiläumskonzert stattfand, schienen vom derartigen Andrang überrascht. Thomas Schramm und Fritz Zirnsack grinsten übers ganze Gesicht. Ihr Urteil: „Unglaublich dass sich im November so viele Leute in den Kellerwald aufmachen, um Musik zu hören.“ Jürgen Matern wunderte sich über die etwa 20 Meter lange und dicht gedrängte Zone in Straßenbreite vor dem Ausschank: „Das ist ja wie am Annafest. Hoffentlich langen die Gläser aus.“ Seine Vorahnung sollte nicht trügen, der eigens angesetzte Sud reichte durch den riesigen Andrang nicht bis zum Musikende, das aus Rücksicht für die Anwohner ohnehin nur bis 22 Uhr geplant war.
Aber auch für den Bierengpass war vorgesorgt: Rainer Kalb, einstiger Neder-Braumeister und nun im Dienste von Löwenbräu Neuhaus, brachte von dort genügend Reserve mit, die ebenfalls sehr gut ankam. Den Ausschank übernahmen die beiden Neder-Bierpatscher Klaus Fietzeck und Marco Bauer aus der Zapfanlage ihrer weißen Piaggio-Ape, dem „Bierpatscher-Mobil“. Andere und alkoholfreie Getränke servierten Tanja Puppich und ihr Team aus dem Brauwastl-Kellerhaus. Eine Art „Ritterschlag“ bekam das Brauwastl-Bier sogar von Martina Hebendanz, die wie Gatte Daniel im Familienbetrieb als Braumeisterin fungiert.
Die Fachfrau bescheinigte dem Sud eine fruchtige und frische Note mit prima Aroma: „Man darf schon mal über den Tellerrand hinausschauen und ein wenig Neugierde auf andere Biere ist ja auch spannend. Uns beiden schmeckt dieses sehr gut.“
Selbst ein Stromausfall ist für „SLP“ kein Problem
Mit zwei unglaublichen Interpretationen −„Bohemian Rhapsody“ von Queen und „Shine On You Crazy Diamond“ von Pink Floyd − war die Stimmung musikalisch auf dem Höhepunkt, als um 21.30 Uhr der Strom ausfiel. Nach ein paar Minuten kehrte das Licht am Keller zurück, der Saft für die Anlage aber nicht mehr. Davon ließen sich „SLP“ aber nicht beeindrucken. Sie beendeten ihre Session einfach unplugged und banden ihr Publikum mit ein („We are the World“). Dann schlug Puppich den großen Gong und Lauger verkündete: „So, jetzt geht’s zum Meet and Greet mit den Jubilaren“.
Das Gründungsdatum 8. August 1998 ist für die Band leicht merkbar, da sich am Nachmittag Tanja und Thomas Puppich das Ja-Wort gaben. Der Ehemann saß seinerzeit bereits 18 Jahre am Schlagzeug von Forchheims Ur-Rockern „Insert Coin“. Seine ihm damals angetraute Gattin Tanja leitet seit etwa Mitte 2021 das Café „Mittendrin“ der Lebenshilfe Forchheim. Nach dem formellen Akt der Eheschließung feierten Familie, Freunde und Arbeitskollegen des Paares am Schlößla-Keller und am Abend erklomm „SLP“ eher zufällig das Licht der Welt.
Bernhard Lauger erinnert sich noch gut: „Zur späteren Stunde musizierten wir noch ein bisschen. Natürlich live mit Instrumenten ohne Verstärker, denn es durfte nicht mehr zu laut sein.“ So schnappte er seine Quetsch’n (Akkordeon), Kumpel Christian Schönfelder die Gitarre und Bräutigam Puppich selbst trommelte mit blanken Händen dazu: „Der als Gag geplante Auftritt kam super an, die Zugaben nahmen kein Ende. Das war die Geburtsstunde von ,SLP‘.“
Wo liegt das Erfolgsgeheimnis des Trios? Diese Frage stellt sich nur, wenn man noch keinen Gig erlebt hat. Die Antwort: Alles live und schnörkellos. Oft werden verschiedene Lieder ineinander verwurstet, so dass inzwischen ein eigener Stil entstanden ist. Lauger grinst, wenn er an Auftritte in der Apothekenstraße denkt: „Leute, die uns nicht kennen, fragten, ob da ein Band mitläuft.“ Die Fans lieben ihre Schlagfertigkeit und feixen, wenn sich die Drei gegenseitig auf den Arm nehmen.
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