Es geht um Millionen Euro Steuergeld, einen Hoffnungsort für die Kulturschaffenden und die seit vielen Jahren dringend benötigte Eventstätte für größere Veranstaltungen in Forchheim. Das überraschende Aus für die teuere Zwischenlösung in der Soccerhalle reißt zwischen den Stadtratsfraktionen alte Gräben auf. Wie soll es nach der gescheiterten Interimshalle weiter gehen?
Der umstrittene Beschluss, die Pläne für den über zwei Millionen Euro teuren Umbau der Freizeithalle in der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße zu stoppen, fiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Unsere Redaktion hat bei der Stadt nachgehakt, warum die weit reichende Entscheidung nicht transparenter getroffen wurde.
Aus für die Soccerhalle: Wie konnte es so weit kommen?
Es war am Dienstag, 10. Mai. Der Planungsausschuss tagt unter dem Dach eben dieser Soccerhalle. Im nichtöffentlichen Sitzungsteil stimmen die Mitglieder über das angepasste Nutzungskonzept (die allermeisten Events hätten beispielsweise um 22 Uhr enden müssen) und Mehrkosten in Höhe von 500.000 Euro ab – und lehnen den Vorschlag der Verwaltung ab. Damit kippt der Stadtrat die teuere Zwischenlösung für eine Eventstätte.
„Da auch Angebote privater Anbieter für Alternativen“ zum Umbau der Soccerhalle bewertet werden sollten, sei nicht öffentlich diskutiert und abgestimmt worden, rechtfertigt eine städtische Pressesprecherin den Ausschluss der Öffentlichkeit. Bislang war von einer ablehnenden Mehrheit im Planungsausschuss die Rede.
Doch unsere Recherche zeigt, dass die Abstimmung über den Umbau der Soccerhalle denkbar knapp war. Sieben Ausschussmitglieder stimmen für die Pläne – sieben dagegen. Bei Stimmengleichheit gilt ein Antrag aber als abgelehnt.
OB Kirchstein über Forchheims Kulturhalle: „Abkehr war ein Fehler“
„Die Abkehr von den weiteren notwendigen Arbeiten zum Umbau der Soccerhalle in eine Interims-Veranstaltungshalle halte ich für einen Fehler“, meint Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD). Die Kostenmehrungen seien durch die Fachplaner klar und nachvollziehbar erläutert worden und seien akzeptabel. „Daher ist es falsch, nun die Notbremse gezogen zu haben, da im Stadtgebiet keine Alternative existiert.“
Auch die privat betriebenen Räume in Forchheim seien keine Veranstaltungshallen oder Versammlungsstätten. Die Stadt müsse zudem genau prüfen, wie das Kolpinghaus als Kulturhalle genutzt werden könne. „Auch mit einem sanierten Kolpinghaus, zu dem es derzeit noch keinen Zeitplan gibt, würde weiterhin eine Veranstaltungshalle für mehr als 200 Personen fehlen“, sagt OB Kirschstein. „Aus meiner Sicht lässt dies nur einen einzigen Weg als Lösung zu: den Neubau einer Stadthalle.“
SPD fordert erneut Stadthallen-Neubau
Die SPD und die Grünen im Stadtrat hätten die Mehrkosten für die Soccerhalle mitgetragen. „Das Thema Stadthalle ist seit Jahren geprägt von nicht erfüllten Hoffnungen und Misserfolgen. Die Stadt ist mit dem Aus für die Pechtoldhalle zum zweiten Mal nach dem Kolping-Decken-Rückschlag gescheitert, eine Interimshalle den Kulturschaffenden in Forchheim zur Verfügung zu stellen“, sagt SPD-Rätin Eva Wichtermann.
Nun brauche es dennoch Zwischenlösungen. „Wir wollen auf jeden Fall, dass wir auch über unsere Idee des Kulturzeltes wieder nachdenken“, fügt SPD-Stadtratsfraktionsvorsitzender Reiner Büttner hinzu und bekräftigt die Forderung noch einem Stadthallen-Neubau.
CSU und FW wollen Alternativen zur Millionen-Zwischenlösung unterstützen
CSU, Freie Wähler, JB und FBF lehnen die voraussichtlich über 2,7 Millionen teuren Umbau der Pechtoldhalle ab. „Die Summe würde sich angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sicherlich noch deutlich erhöhen“, argumentiert Josua Flierl, Fraktionsvorsitzender der CSU.
Stattdessen gebe es „eine Vielzahl möglicher Alternativen“ im Stadtgebiet. Denkbar seien Sportheime wie in Buckenhofen, Kersbach, Reuth oder andere private Veranstaltungsräume und Säle wie zum Beispiel die Volksbank-Eventhalle. „Wir sind davon überzeugt, dass wir somit einen sehr großen Teil der Veranstaltungen weiterhin in der Stadt halten können, und dies, ohne mehrere Millionen Euro in ein Provisorium zu stecken“, sagt Josua Flierl.
„Der Hauptgrund für die Ablehnung ist die immer wiederkehrende Kostenmehrung. Anfangs war von 1,3 Millionen Euro die Rede“, betont der FW-Fraktionsvorsitzende Manfred Hümmer. „Wir wollen nicht so viel Geld in ein Objekt zu investieren, das dem Abbruch geweiht ist. Wir müssen jetzt andere Übergangslösungen finden und sollten versuchen, die Kulturschaffenden bei der Suche nach geeigneten Locations zu unterstützen.“
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