Die Pandemie, ihre Nachwirkungen und die aktuellen Preissteigerungen haben auch beim Jungen Theater Forchheim (jtf) tiefe Spuren hinterlassen. Das Theater hat daher die Stadt gebeten, den Zuschuss auf 85.000 Euro zu erhöhen. Das ist kein Pappenstiel. Bislang bekamen die Theatermacher von der 35.000 Euro im Jahr. Der Haupt- und Kulturausschuss hat sich deshalb die Situation des Hauses nochmals genau angeschaut. Eins vorweg: Der hohe Stellenwert des Jungen Theaters wurde nicht nur am Ende der Diskussion in dem einstimmigen Ja zu der Erhöhung des Zuschusses deutlich, sondern auch in den vielen Lobesreden für die hauptsächlich ehrenamtlich geleistete Arbeit der Verantwortlichen und deren Bemühungen, selbst für Kostenreduzierung zu sorgen.
Viel eingespart
Klar war ebenso, dass die städtische finanzielle Unterstützung künftig höher ausfallen muss. Denn ein Vor-Corona-Niveau wird es nicht mehr geben. Lorenz Deutsch vom Kulturamt erläuterte zunächst, wie es zu der dramatischen finanziellen Situation kam. Der Jahresumsatz 2022 betrug 208.738 Euro. Das sind 100.000 Euro weniger als vor der Pandemie. Die Fixkosten allerdings seien gleich geblieben. Das Theater schloss mit einem Defizit von 16.570 Euro, heißt sie konnten fast 100.000 Euro einsparen, verdeutlichte Deutsch.
Was hatte dazu geführt? Die Pandemie mit den wenigen Einnahmen war ein Grund. Doch danach kehrte das Publikum nicht wie erhofft zurück. Zum anderen wurden die Dienstleistungen teurer. Die wichtige Veranstaltung „Kneipenfetzt“ war zugleich die Erste, die coronabedingt ausfiel und bis heute nicht mehr aufgenommen wurde. Denn auch Gastro-Partner stünden nicht bereit und Sicherheitsdienste zu bekommen, sei eine Herausforderung.
Die Theatermacher haben daher enorm Kosten reduziert. Statt Programmhefte wurden nur einfache Flyer herausgebracht, eine Teilzeitstelle nicht nachbesetzt. Doch gerade diese Leistungen müssen wieder erbracht werden, um auf das Vorniveau zu kommen, verdeutlichte Deutsch.
Was ist Kultur wert?
Dankbar, dass es das Junge Theater Forchheim gibt, waren fast alle Fraktionen. „Corona trägt noch länger schlechte Früchte“, meinte Martina Hebendanz (CSU), betonte jedoch, dass man sich um die Zukunft Gedanken machen müsse, um nicht nächstes Jahr dieselbe Diskussion zu führen. „Was ist uns Kultur in Forchheim wert?“, gab Hebendanz mit.
Diese Frage griff die Vorsitzende Bürgermeisterin Annette Prechtel (Grüne) gerne auf, gebe das doch dem Theater Planungsgrundlage und Planungssicherheit. Dass das Theater bereits vor der Antragsstellung intensive Einsparmaßnahmen ergriff, war eine stattliche Leistung, betonte Manfred Hümmer (FW). Großartige Künstler wurden engagiert und hätte die Stadt ihre Hausaufgaben gemacht, könne das Theater auch noch eine Bühne im Kolpingshaus anbieten.
Es werde immer vom Ehrenamt geredet, so Hümmer weiter. Das müsse unterstützt werden, fand er. „Das Junge Theater lebt vom Ehrenamt, benötigt aufgrund der Professionalität aber auch Hauptamtliche. Es ist beschämend, wie die Hauptamtlichen vergütet werden“, schimpfte Hümmer. Eine Anpassung verursache Mehrkosten, doch die Einrichtung sei wegen des breiten Kulturangebotes, wertvoll für die Gesellschaft und er erinnerte daran, dass auch Projekte mit behinderten Menschen angedacht seien. Das sei ein gesellschaftlicher Mehrwert. Die Menschen würden in einer traurigen Zeit leben. Pandemie, Kostensteigerungen, was dazu führe, dass sich viele keinen Urlaub und anderes leisten können. Für diese Menschen stehe das Junge Theater mit Kunst für jedermann. Deshalb gebe es von den FW ein klares Ja.
Was ist mit Sponsoren?
Dem stimmte auch Atila Karabag (SPD) zu und ein klares Ja kam auch von den Grünen. „Haltet durch, macht weiter. Wir unterstützen euch“, sagte Gerhard Meixner (Grüne) zu den Verantwortlichen des Theaters, die zur Sitzung gekommen waren. Ute Samel (SPD) war zunächst skeptisch, angesichts des hohen Betrags, der nach Deutschs Vortrag aber nachvollziehbar sei. Dennoch wünsche sie sich, dass das Theater die Initiative ergreife und Sponsoren suche, anstatt immer den leichten Weg zu gehen.
Das Thema Sponsoren wurde mit dem Jungen Theater bereits besprochen, sagt Bürgermeisterin Prechtel. Das Team stelle ganzjährig ein Programm für die ganze Stadt und den Landkreis auf. Für einzelene Veranstaltungen finde man Sponsoren, doch es sei nicht leicht, für das ganze Programm welche zu finden. Am Ende war sie daher sichtlich erfreut, dass die Stadt jetzt einspringen kann.
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