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Rätsel der Geschichte
Wie kam die Kirsche eigentlich in die Fränkische?
Das rote Gold hat die Fränkische Schweiz nachhaltig verändert.Forchheim & Fränkische Schweiz
Das rote Gold hat die Fränkische Schweiz nachhaltig verändert. // Petra Malbrich
Signet des Fränkischen Tags von Petra Malbrich
Weißenohe – Die Fränkische Schweiz ohne Kirschen? Nicht auszudenken! Die Region ist eines der größten Anbaugebiete für das beliebte Obst in Europa. Doch wie kam das rote Gold zu uns?

Überall locken derzeit die ersten reifen Kirschen in verführerischem Rot, zum Anbeißen lecker und werden zum Verkauf angeboten. Die Kirsche, das Symbol für unsere Region, dem größten zusammenhängenden Süßkirschen-Anbaugebiet Europas. Doch woher kommt die Kirsche eigentlich? Und wie ist sie in der Fränkischen Schweiz gelandet?

Weißenohes Ehrenbürger Hans Schütz nennt die Mönche und damit das Weißenoher Kloster als Ausgangspunkt des Siegeszuges der Kirsche in der Fränkischen Schweiz, was auch Hans Schilling, Kreisfachberater für Obstanbau im Landkreis bestätigt. „Die Mönche hatten Vorbildcharakter und haben ihr Wissen an die Obstbauern weitergegeben“, sagt Schilling. Intensiv mit der Geschichte des Weißenoher Klosters beschäftigt hatte sich der inzwischen verstorbene Weißenoher Josef Pöppel, der keine Mühen scheute, um Originaldokumente einzusehen und diese von der Altdeutschen Schrift in unser heutiges Lateindeutsche zu übersetzen.

Was Pater Willibald dazu schrieb

Sein Sohn Hubert Pöppel von der Fakultät für Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften der Uni Regensburg brachte das gesamte Werk dann als Buch heraus. Natürlich findet darin auch der Obstanbau ausreichend Platz, gerade in den Tagebüchern des Paters Willibald Schrettinger, als Mitbegründer der Bibliothekswissenschaften der berühmteste Weißenoher Mönch. Nur: „Er behauptet nicht, dass die Benediktiner die Kirschen nach Weißenohe gebracht hätten, sondern schreibt dieses Verdienst den Bauern zu“, sagt Hubert Pöppel. Der Mönch lobte die Bauern in seinem Bericht um 1802, weil sie mit dem Obstanbau aus den Steilhängen und kargen Böden etwas Fruchtbares hervorgebracht hatten. Der Obstanbau war für die Bauern nicht nur wegen der Vitamine im Obst wichtig, sondern auch ein notwendiger Zusatzverdienst.

„Die Öbstler, das waren Händler aus Nürnberg, kauften den Bauern das Obst ab, bevor es reif war“, erzählt Pöppel. Bis zur Obstreife stellten die Händler eigene Leute zum Bewachen der Obstbäume ab, damit niemand das wertvolle Obst stehlen konnte. Dann ernteten sie, brachten die Kirschen, Birnen und Äpfel nach Nürnberg, verarbeiteten es zu Saft und Dörrobst und verkauften dies sowie die Frucht selbst.

Steckt Karl der Große dahinter

Vom Ursprung der Kirsche ist nicht die Rede. Dieser gehe laut der Genussregion Oberfranken nach sicherer Überlieferung auf eine Verfügung Karls des Großen zurück, der rund um seine Königshöfe Obstgärten anlegen ließ. Das Kloster Weißenohe sei besonders für die Verdienste im Kirschanbau hervorzuheben, heißt es weiter. „Dass die Mönche tatkräftig mitgeholfen haben, den Anbau von Obst und auch Kirschen zu verbreiten und die Bäume selbst veredelt haben, das dürfte sicher sein. Aber wer sie wohin gebracht hat, das bleibt doch meistens im Dunkel der Geschichte“, sagt Pöppel.

Auch die Erwähnung Karls des Großen lasse eher eine Empfehlung für den Obstanbau vermuten. Dass er die Kirsche hierher gebracht habe? Das zu belegen, sei sehr schwer. Weißenohe als Ursprungsort der Kirsche kann jedenfalls nicht belegt werden. Auch Erwin Zeiß, Altbürgermeister und Gründer der Obstgroßmarkthalle in Igensdorf, zweifelt daran. „Wenn sie die Kirsche in Weißenohe angebaut haben, dann auch in Igensdorf und weiter herum“, so Zeiß. Denn die Untertanen des Klosters seien in der ganzen Region gewesen, auch in Mitteldorf. Ein Hinweis, dass die Kirsche vom Kloster ausging, sei das nicht.

Eine Hinweistafel nennt die Römer als erste Kirschfans.Forchheim & Fränkische Schweiz
Eine Hinweistafel nennt die Römer als erste Kirschfans. // Petra Malbrich

Wer durch die Kirschgärten wandert, findet die eine oder andere Hinweistafel zum Kirschanbau, auf der dann von den Römern die Rede ist. Es war der römische Feldherr Lucius Lucinius Lucullus, der die ersten kultivierten Kirschen von seinem Feldzug 74 vor Christus nach Rom brachte und sie sich im Anschluss in Europa rasch verteilte. Darüber informiert auch die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft und erklärt, dass sich aus dem griechischen „kérasos“ und dem lateinischen „cerasus“ über das althochdeutsche „kirsa“ das Wort „Kirsche“ entwickelte.

„Die Römer sind zwar über die Alpen gekommen, da können sie die Kirschen auch mitgebracht haben, nur sind sie in Bayern nicht bis Weißenohe gekommen, sondern in Regensburg stehengeblieben“, sagt Pöppel. Die Ausbreitung bis nach Franken muss also später gewesen sein. „Also könnten es Karl der Große und die Mönche gewesen sein. Oder aber irgendjemand zwischendrin“, sagt Pöppel. Doch die endgültige Antwort bleibt im Nebel der Geschichte verborgen.

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