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Brücke im Wiesenttal
Einzigartiges Werk: Traum eines Schmiedes wird wahr
Ein Könner bei der Arbeit: Hubert Hunstein in seiner Schmiede in Haag.Forchheim & Fränkische Schweiz
Ein Könner bei der Arbeit: Hubert Hunstein in seiner Schmiede in Haag. // Thomas Weichert
Signet des Fränkischen Tags von Thomas Weichert
Haag – Ein weltweit einzigartiges Kunstwerk entsteht derzeit in Haag: Das schmiedeeiserne Geländer für die neue Brücke. Der Schmied und Künstler Hubert Hunstein verwirklicht damit seinen Traum.

Das Schmiedefeuer brennt lichterloh, das Eisen darin glüht. Bis zu 1250 Grad Celsius beträgt die Temperatur im Kern der Schmiedeesse, um das Eisen für den anschließenden Schmiedevorgang zum Glühen zu bringen. In diesem Fall ein Flachstahl mit der Bezeichnung ST 37, einer Breite von 70 Millimetern und einer Dicke von zehn Millimetern, gemeinhin auch als Baustahl oder Schmiedeeisen bezeichnet.

Für den Haager Schmied und Künstler Hubert Hunstein geht gearde ein großer Traum in Erfüllung. Seit etwa zwei Monaten arbeitet er sechs Tage lang die Woche mit seinen Mitarbeitern an seinem bisher größten künstlerischen Auftrag: Dem neuen Brückengeländer für die Haager Betonbrücke − das kein einfaches Brückengeländer wird, sondern ein großes Gesamtkunstwerk.

Künstlerische Eingebung

Das wuchtige Flacheisen, das vorher sechs Meter lang war, ist Bestandteil von einem der insgesamt 21 Geländerpfosten, von denen dann jeder anders aussehen wird. Der längste dieser Pfosten, der später mit einem massivem Vierkanteisen mit 30 Millimeter Durchmesser zu einem der Geländerträger verschweißt wird, ist drei Meter hoch. Es gibt zwar grobe handgezeichnete Bleistiftplanskizzen, aber der Schmied weiß vorher nie genau, was beim Schmieden letztendlich herauskommt.

Die künstlerische Eingebung kommt dem Hubert Hunstein erst dann, wann das Eisen glühend auf dem Amboss liegt oder unter dem Lufthammer. „Das Schönste an meiner Arbeit ist, wenn ich frei gestalten kann“, sagt der Schmied − wie aus dem Lehrbuch für abstrakte Kunst. Hubert Hunstein ist ein Zweimetermann. So stellt man sich einen richtigen Schmied vor.

Der Kopf einer Säule des Geländers zeigt zum Beispiel die ägyptische Königin Nofretete, ein anderer einen Trompeter mit großer Nase. „Denn der mit der großen Nosn, muss die Trompeten blosn“, scherzt der Schmied. Andere Enden sehen wie Blätter aus, wieder andere wie Tulpenbüten und bei einigen handelt es sich einfach um abstrakte Kunst, bei der sich der Betrachter dann selbst denken kann, was es denn darstellen könnte.

Das dann weltweit einmalige Brückenkunstwerk kann man schon erahnen. „Es wird eine Hommage an Josep Maria Jujol“, sagt Hunstein. Der begnadete spanische Architekt (1879 bis 1949) schuf in Zusammenarbeit mit dem ebenfalls spanischen Architekten Antoni Gaudí genau solche schmiedeisernen Kunstwerke, die heute Weltruhm haben. Jedes Geländer, jedes Gartentor, ist ein Unikat. Nichts ist gerade, die Formen alle anders: geschwungen, gedreht, manchmal verschnörkelt. Kombiniert wird das Ganze später mit Handläufen aus Lärchenholz, die aber nicht durchgängig sind. Lärchenholz ist besonders lange haltbar und das Eisen aus Vollmaterial hält für die Ewigkeit.

Herzstück des dann weltweit einzigartigen und kunstvollen Brückengeländers wird in der Mitte ein Balkon über der Wiesent. Dieser wird etwa zwei Meter lang und bekommt eine Sitzfläche mit einer Länge von 1,50 Metern, auf der zwei Menschen direkt über dem Wasser sitzen und den Blick auf die Burgrunine Neideck genießen können. Dieser Balkon wird als letzte Arbeit im Juli fertig, das Geländer selbst muss bis 30. Juni montiert sein.

Die ersten Pfosten sind festgeschraubt

Bereits verganene Woche am Montag werden die ersten kunstvollen Geländerpfosten auf die Betonbrücke geschraubt − mit großen Eisenplatten und 16 Millimeter starken Hutmutternschrauben. Zwölf Millimeter Schrauben hätten laut Statik auch ausgereicht, doch diese hätten nicht schön ausgesehen, sagt Hunstein. Auch Verzinken würde „die Kunst verschandeln“. Daher wird das Eisen nur gebürstet und geölt. Mit einem speziellem Öl namens Owatrol, das man auch im Schiffsbau oder bei der Oldtimerrestaurierung verwendet. Jedes Jahr einmal sollte das Geländer dann geölt werden.

Für die nächsten fünf Jahre hat sich Hunstein dazu vertraglich verpflichtet, danach macht er es ehrenamtlich weiter, so lange es seine Gesundheit zulässt. Sein Brückenkunstwerk sei ein Beitrag zum sanften Tourismus, sagt der freischaffende Schmiedekünstler. Auch weil sich hier mehrere Wanderwege kreuzen.

„Es wird wahrlich ein Kunstwerk, vor allem der Balkon, dieser wird vom Highlight das Highlight“ ist sich Bürgermeister Marco Trautner (FW/CSU) beim Ortstermin schon einmal sicher. Trautner war gleich „Feuer und Flamme“ als Hunstein einst seinem Plan präsentierte. Da der Markt Wiesenttal finanziell aber nicht gerade auf Rosen gebettet ist, wurde zunächst die Finanzierungsfrage ein Problem. Denn vom Zuchussgeber für die neue Brücke waren nur 25.000 Euro für ein schlichtes Brückengeländer genehmigt worden. Hunstein erhalte aber 50.000 Euro für seine Kunst. Eigentlich betrage der Preis 80.000 Euro: Da Hunstein aber in Haag lebt, arbeitet er „quasi zum Selbstkostenpreis“.

Schließlich wurde eine Spendenaktion für die Brückenkunst ins Leben gerufen und bisher sind rund 15.000 Euro dafür beim Markt Wiesenttal eingegangen. Es klafft also noch eine Finanzierungslücke von etwa 10.000 Euro und Trautner hofft, dass man diese durch weitere Spenden schließen könne. Spendenwillige können sich direkt an ihn im Rathaus wenden.

„Ein geniales Schmuckstück“

Hunstein hat auch in der Gemeinde Wiesenttal schon bedeutende Kunstwerke geschaffen. So das Kruzifix an der katholischen Kirche oder die Skulptur „Fliegender Bauer“ zum Abschluss der Flurbereinigung in Wüstenstein.

Um die Norm für ein öffentliches Brückengeländer erfüllen zu können, hat der Ebermannstädter Ingenieur Georg Griesmann vom Büro Lang die Bauleitung inne. „Das wird einfach ein Traum, ein geniales Schmuckstück“, sagt Hunstein. Denn ein normales Geländer hätte die ganze Struktur in diesem romantischem Tal zerstört.

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