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Agilis statt Dampfbahn
Ein Zug für Pendler im ganzen Wiesenttal?
Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion auf dem Weg zum Agilis-Zug, der ausnahmsweise anstelle der Dampfbahn nach Behringersmühle fuhr.Forchheim & Fränkische Schweiz
Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion auf dem Weg zum Agilis-Zug, der ausnahmsweise anstelle der Dampfbahn nach Behringersmühle fuhr. // Johannes Theiler
Signet des Fränkischen Tags von Johannes Theiler
Ebermannstadt – Statt der Dampfbahn ist am Sonntag die Agilis nach Behringersmühle gefahren. Das könnte ein Modell für die Zukunft des Bahnverkehrs im Landkreis sein.

Es war der ideale und richtige Ort für die Podiumsdiskussion mit Vertretern von Politik und Bahn. Anlässlich des 700. Stadtjubiläums von Ebermannstadt wurden die Züge von Agilis und der Dampfbahn auf der Strecke zwischen Forchheim und Behringersmühle getauscht und es wurde bewiesen, dass eine Reaktivierung des Abschnitts zwischen Ebermannstadt und Behringersmühle für den Schienenpersonennahverkehr möglich ist.

„Zug um Zug in die Zukunft“, so Bürgermeisterin Christiane Meyer (NLE), startet eine einzigartige Kooperation zusammen mit ihren Amtskollegen aus elf weiteren Gemeinden. Die Bürgermeisterin, die auch Vorsitzende der ILE Fränkische Schweiz Aktiv ist, und ILE-Geschäftsführerin Corinna Brauer führten durch die angeregte Gesprächsrunde auf einer Fahrt mit der Agilis-Bahn von Ebermannstadt durch das traumhafte Wiesenttal nach Behringersmühle.

Mehr Bahn wäre möglich

„Es zeigt, dass es geht, wenn man die richtigen Maßnahmen trifft“ und „es ist auch eine Frage der Gewohnheit“, postulierte der Verkehrsexperte Prof. Matthias Bohlinger von der TH Nürnberg unterstützt durch seinen Kollegen Prof. Harald Kipke in seinem Impulsvortrag zur Mobilität. Es gebe eine Vielzahl an möglichen Maßnahmen, die ergriffen werden könnten, dazu zählten unter anderem Sharing-Angebote, das Vorhandensein von Park & Ride-Stellplätzen und ein Co-Working-Space im Bahnhof als neue soziale Komponente. Sein Fazit: „Bahn auf dem Land, das geht sehr gut!“

ILE-Geschäftsführerin Corinna Bauer startete die Podiumsdiskussion mit der Frage: „Kommt erst das Angebot oder die Fahrgäste?“ Bärbel Fuchs von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft beantwortete die Frage mit einem Angebot, das im Dezember kommen werde, um die Taktlücken am Morgen und abends zu schließen. Es werde auf der Strecke von Forchheim nach Ebermannstadt entsprechende Verbesserungen geben.

Von 5 bis 8 Uhr werde es vier Fahrten und auch abends Taktverdichtungen zwischen 21 und 23 Uhr geben. Von Nürnberg her werde ein 20-Minuten-Takt und von Bamberg ein 30-Minuten-Takt für eine Verdichtung am Knotenbahnhof in Forchheim sorgen. Aber nach Ebermannstadt sei man mit 650 Fahrgästen noch weit weg von einem Halb-Stunden-Takt. „Ich möchte sie als Bürger motivieren. Wenn es hier mehr wird, dann können wir über alles reden“, so die Geschäftsführerin.

Bürgermeisterin Christiane Meyer war mit einer Vielzahl von Amtskollegen und Verkehrsexperten im Wiesenttal unterwegs.Forchheim & Fränkische Schweiz
Bürgermeisterin Christiane Meyer war mit einer Vielzahl von Amtskollegen und Verkehrsexperten im Wiesenttal unterwegs. // J. Theiler

Um eine Fahrgastzahl von 1000 zu erreichen, müssten 26 Reisende in jedem Zug der Agilis an jedem Tag in jeder Richtung sitzen – dann wäre es vertretbar. „Denken sie in Mobilitätskonzepte, welche die Menge an Menschen abholt, die tatsächlich auch dieses Bedürfnis haben, und da gehört der Bus und andere Dinge dazu“, so Fuchs.

Bürgermeisterin Meyer freute sich über diese ersten guten Nachrichten, gab aber zu bedenken, dass die Zahlen aus dem Jahr 2019 stammen. Agilis-Geschäftsführer Axel Henninghausen: „2020 bis 2023 sind – was die Verkehrszahlen angeht – extrem schwierige Jahre gewesen. Ich tue mir im Moment schwer, eine Verkehrsentwicklung zu sehen.“ Am Wochenende seien die Zahlen deutlich über 650 Reisende, aber unter der Woche nicht. Die Pendleranzahl müsse sich deutlich erhöhen. „Kriegen wir die Leute vom Auto in die Bahn rein?“, war für ihn die offene Frage. Er sei sich aber sicher, dass die 1000 Reisenden alles andere als unrealistisch seien.

Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) sicherte zu, auch neue Konzepte, wie bereits in München ausprobiert, umzusetzen. Am 7. Juli würden die bayerischen Klimaschutzwochen in Forchheim starten. Die Kombination aus ÖPNV-Tickets und Rädern solle die Menschen motivieren und begeistern. Der Freistaat unterstütze mit drei Millionen Euro den Unterhalt und die Ertüchtigung der Gleisinfrastruktur, um am Ende diese historische Bahnstrecke in eine Zukunft führen. „Ein Stück weit ist es immer das Henne-und-Ei-Prinzip. Wir sind manchmal gefangen im eigenen System“, erklärte Glauber.

Corinna Brauer fragte den Landtagsabgeordneten Tim Pargent (Grüne): „Was braucht es denn aus oberfränkischer Sicht, um die Verkehrswende in der Fränkischen Schweiz zu schaffen?“ Er habe den Eindruck, dass bereits viel gehe und die ILE sehr viel mache, auch über Landkreisgrenzen hinaus, so Pargent. Er sehe den Schüler- und Tourismusverkehr, wo viel gehe. Es sei aber auch wichtig, die finanzielle Unterstützung zuzusichern, wenn die Verkehrswende vorangebracht werden solle.

Bahnhof als Tourismuszentrale

Einen unkonventionellen Vorschlag, um die Touristen vermehrt ins Wiesenttal zu bringen, brachte Gößweinsteins Bürgermeister Hans-Görg Zimmermann. Er schlug vor, den Bahnhof in Behringersmühle als Tourismuszentrale umzubauen und zu nutzen. „Das könnte den notwendigen Anreiz schaffen“.

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