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Forchheimer Lyriker
Flucht: Auch für Michael Pietrucha ein Lebensthema
Michael Pietrucha liest inmitten projizierter LichtwellenForchheim & Fränkische Schweiz
Michael Pietrucha liest inmitten projizierter Lichtwellen // Liliana Wopkes
Signet des Fränkischen Tags von Liliana Wopkes
Forchheim – Der Lyriker Michael Pietrucha, zurzeit Stipendiat der Villa Concordia in Bamberg, ist Teil der Autorengruppe Wortwerk Erlangen. Im E-Werk hat jetzt eine Autorenlesung zum Thema Flucht stattgefunden.

Sie ist fast zu einem einseitig besetzten Begriff geworden, die Flucht. Wir kommen bei diesem Wort nicht umhin, zuerst an das übereilte Verlassen der Heimat zu denken, an das Weglaufen, um Leib und Seele zu retten. Umso schöner ist es, dass uns das Wortwerk Erlangen daran erinnert, dass dieses Wort mehr kann. Dass es auch etwas von Weltflucht erzählt, von der Flucht vor der eigenen Wirklichkeit oder voreinander genauso wie von Emigration. Darüber haben einige Autoren vom Wortwerk Erlangen geschrieben und ihre Texte auf der Kellerbühne des E-Werks gelesen, darunter auch der Forchheimer Lyriker Michael Pietrucha.

Autoren suchen bei Wortwerkstatt Erlangen den Austausch

Eine gute Stunde vor Beginn der Lesung sitzt er an einem Tisch in der Kellerbühne bei einer Tasse Kaffee und mit einem Buch in der Hand. Zusammen mit Klaus Kuhnke erzählt er dann ein bisschen von dem, was diese Textwerkstatt ausmacht.

Das Wortwerk Erlangen wird von Autoren getragen, die den Austausch suchen, weil sie über eigene und fremde Texte diskutieren wollen und weil sie sich an der Spitzfindigkeit der Sprache ergötzen. Die Gemeinschaft ist eingeschworen, immer wieder ist zu hören, dass man gern zusammenkommt, dass der Austausch fruchtbar ist, die Kritik konstruktiv. „Jeder darf kommen“, so Kuhnke. Es gäbe keine Zulassungskriterien, in der Gruppe seien erfahrene Autoren ebenso wie Neulinge. „Hauptsächlich geht es darum“, erzählt Pietrucha, „sich hier inspirieren zu lassen. Trauen darf sich jeder.“

Eine, die sich vor einigen Monaten getraut und jetzt ihren ersten Auftritt hat, ist die Studentin Hannah Körner. Sie schreibt hauptsächlich Lyrik, am besten dann, „wenn ich einiges verarbeiten muss“. Später am Abend liest sie so, als würde sie es nicht zum ersten Mal tun.

Bettina von Minnigerode ist eine erfahrene Autorin und seit vielen Jahren dabei.

Inzwischen nimmt sie den weiten Weg aus der Südsteiermark nach Erlangen auf sich, um bei ihrer „Herzensgruppe“ dabei zu sein – „um miteinander zu arbeiten und sich zu ergänzen, denn darum geht es“.

Sie ist es, die nach ihrer Lesung Michael Pietrucha vorstellt, als „Urgestein“ beim Wortwerk – seit zehn Jahren ist der Forchheimer in der Autorengruppe. Für diese Lesung hat der Lyriker ein Gedicht ausgesucht, den „Versuch eines großen Poems“, an dem er vor einigen Jahren viele Monate gearbeitet hat:

Wie die Themen verschmelzen

„Götter, Suchen, Leben“. Hier verschmelzen „ein Weltentstehungspoem, ein Lebenspoem, Aspekte von modernen und alten Liebesbegriffen“ mit seiner eigenen Migrations- und Familiengeschichte.

Michael Pietrucha ist als Kind mit seiner Familie von Polen nach Deutschland emigriert – eine genehmigte Flucht sozusagen, hin ins Unbekannte. Man kann sich diesem Weltentstehungs- und Lebenspoem Pietruchas nicht entziehen, dem Monumentalen, getragen von seiner vorlesenden Stimme.

Sie beschwört Bilder herauf, die nach einem greifen und an den Nackenhaaren ziehen. Hinterher wünscht man sich eine Minute mehr für die Wiederbesinnung auf das Jetzt.

Die Texte dieses Abends sind äußerst unterschiedlich, dennoch ergänzen sie sich, spielen mit der Sprache. Manche bemerkenswert leise und subtil, so wie der in Forchheim angesiedelte Romanausschnitt von Thomas Georg Werner. Zusammen weben sie einen Teppich aus Worten, der weit zu tragen vermag, eine kleine Flucht aus dem Alltag.

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