Für Bierfans in Franken ist die Bockbiersaison ein absoluter Jahreshöhepunkt. Bereits seit dem Mittelalter ist die Herstellung dieser Starkbiere, deren Alkoholgehalt oft zwischen sechs und zehn Prozent liegt, bekannt.
Viele fränkische Braumeister führen diese feuchtfröhliche Tradition bis heute fort – auch im Landkreis Forchheim. Hier gibt es in diesem Jahr insgesamt neun Bockbieranstiche, bei denen Bierfans glücklich werden können.
Allein im Forchheimer Stadtgebiet soll es demzufolge vier Anstiche geben. Je zwei weitere sind in den Gemeindegebieten von Hallerndorf und Eggolsheim angekündigt. Den Auftakt im Forchheimer Land macht heuer die Brauerei Nikl aus Pretzfeld. Sie feiert bereits diesen Samstag ihren Bockbieranstich auf dem Pretzfelder Keller.
Und das hat Tradition: „Am Sonntag findet der Tag der offenen Brauereien und Brennereien statt“, erklärt Nikl-Chef Mike Schmitt. Daher biete es sich an, einen Tag vorher den Bockbieranstich zu veranstalten.
So müsse man nur ein einziges Mal aufbauen. Bereits seit zwölf Jahren handhabe die Brauerei Nikl das so. Zum Bier gebe es dann Kesselfleisch. Start sei bereits um 9.30 Uhr, da werde auch schon das erste Bockbier ausgeschenkt. Auch das habe Tradition.
Nikl erwatet etwa 100 Gäste auf dem Pretzfelder Keller
Mit einem Ansturm infolge des vergleichsweise frühen Termins rechne er aber nicht. „Es wird eher entspannt“, betont der Braumeister. So würde er vielmehr kleinere Gruppen erwarten, die nacheinander vorbeikämen, als einen großen Andrang. Auch gebe es auf dem Pretzfelder Keller am Samstag kein festliches Musikprogramm.
„Wir freuen uns, wenn etwa 100 Personen kommen“, berichtet Schmitt. Dabei handle es sich vermutlich sowohl um Stammgäste als auch um Bierfans aus Bamberg und Nürnberg. In schlechten Jahren sei die Zahl im zweistelligen Bereich geblieben, bei gutem Wetter seien in der Vergangenheit aber auch schon bis zu 200 Gäste zu Besuch gewesen. Sowohl zu essen als zu trinken gebe es aber bestimmt ausreichend für alle.
„Wenn alles gut geht, können wir gegen 20 Uhr die Veranstaltung bereits beenden“, erklärt Schmitt. Für einen Bockbieranstich sei dies sicherlich vergleichsweise früh. Am Sonntag müsse das Nikl-Team jedoch wieder früh aus dem Bett, um erneut Gäste zu empfangen. Denn dann steht besagter Tag der offenen Brennereien und Brauereien rund ums Walberla an. Und zu diesem sei ein Besucheransturm durchaus zu erwarten.
Kein Bockbieranstich in 2023 bei Elch-Bräu in Thuisbrunn
An den kommenden Wochenenden geht es dann in und um Forchheim kräftig weiter – bis in den November hinein ist an jedem Wochenende ein Anstich angesagt. Weder einen Anstich noch ein Bockbier wird es heuer übrigens beim Elch-Bräu in Thuisbrunn geben. „Im vergangenen Jahr haben wir es mal probiert“, erklärt Chef Georg Kugler. Heuer sei dies leider jedoch nicht möglich gewesen. Im Frühjahr war in der Brauerei ein Feuer ausgebrochen und das ganze Gebäude niedergebrannt.
Die ersten Bockbiere wurden übrigens für den Verkauf in weiter entfernte Orte gebraut: Im Mittelalter machte der hohe Alkoholgehalt das Bier länger haltbar – nur so konnte es über weitere Strecken transportiert werden.
Ihren Siegeszug erlebten die Starkbiere aber erst im 19. Jahrhundert, wie Matthias Trum von der Bamberger Schlenkerla-Brauerei erklärt. Genau in diesem Zeitraum seien die stärkeren Salvator-Böcke aus München immer beliebter geworden. Trum weiter: „Viele stärkere Böcke enden daher ebenfalls auf die Silbe -ator.“
Ist das jetzt die Fünfte Jahreszeit?
In Bamberg gilt die Bockbierzeit als fünfte Jahreszeit. Doch trifft das auch auf Forchheim zu? Schließlich wird hier richtig Fasching gefeiert, und allgemein gilt der Karneval als fünfte Jahreszeit – nicht nur im Rheinland. Die Forchheimer betrachten als fünfte Jahreszeit indes ihr Annafest, da gibt es keine Diskussion. Damit wäre die Bockbiersaison nach dem Fasching dann wohl die siebte Jahreszeit. Auch eine schöne Zahl.
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