Altbundesländler zeichnen ein falsches Bild „des“ Ostdeutschen, weil sie kein Bewusstsein über die Irrungen und Wirrungen der durch Eisernen Vorhang und Unterdrückung geprägten Gesellschaft besitzen.
So lautet oft der Vorwurf, den vor allem Menschen aus dem ehemaligen Osten erheben, wenn sie sich unverstanden fühlen. Als jemand, der selbst seine ersten Jahre in der DDR verbracht hat, kann ich dieses Gefühl in (ganz kleinen) Teilen nachvollziehen.
Aber es geht aufwärts.
Wiedervereinigung 1990 vor 33 Jahren: Zusammenwachsen
Zwar ist das Bruttoeinkommen „drüben“ immer noch 13.000 Euro geringer und die Arbeitslosenquote zwei Prozent höher. Aber nach 33 Jahren scheint doch allmählich zusammenzuwachsen, was zusammengehört.
Dies illustriert beispielsweise der morgendliche Schulweg unseres Erstklässlers. Jetzt, da es wieder dunkler wird dort draußen, blinken die Smartwatches seiner Mitgeschulten umso heller, während sie zusammen mit ihren Rollern zur Penne pendeln.
Smartwatches und GPS-Tracker: Google statt Stasi
Verkabelt wurden die jungen Wilden von ihren besorgten Eltern und Großeltern, die das Abschalt-Trauma ihres videoübertragenden Babyfons nur mit GPS-Tracker überwinden lernen. Ein Überwachungsdrang scheint dem Deutschen mauerübergreifend in die Wiege gelegt zu sein – das ist gelebte Wiedervereinigung.
Es ist zwar nicht mehr das Ministerium für Staatssicherheit, das den Helikopter-Eltern die technische Ausrüstung für die Überwachung des Nachwuchses stellt. Aber mit Google & Co. hat die moderne Techwelt würdige Nachfolger gefunden.
Big Brother and Mom and Dad are still watching you.
Unserem Sprössling kann das mit seiner aus der Zeit gefallen wirkenden Zeiger-Armbanduhr egal sein. Er genießt das Vertrauen, auch ohne Wanze durchs Leben rollen zu dürfen.
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