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Was ich lieb, ist was ich hass: Auf Abwegen mit der Bahn
FT-Redakteur Stephan Großmann kommentiertForchheim & Fränkische Schweiz
FT-Redakteur Stephan Großmann kommentiert // Matthias Hoch
Forchheim – Mal kommt der Zug, mal kommt er nicht. Für Pendler bleibt Geduld die Pflicht. Warum der Autor weiter bahnt, der Leser dieses Texts erahnt: Eine Glosse über Wohl und Wehe der Bahnpendelei.

Geduld ist eine Tugend. Eine, die oft hart auf die Probe gestellt wird.

Kaum einer weiß das mehr als der gemeine Pendler.

Schienenersatzverkehr wird zur Glückssache

Sei es wegen des Stillstands im allabendlichen Autobahnstau oder ob der regelmäßigen Verzweiflung am Gleis, verbunden mit der Angst, den Rest des Tages wie ein blindes Huhn zwischen Bahnsteigen und Schienenersatzverkehrsabfahrtsbereichen umherzuirren, stets auf ein Fünkchen Information hoffend, das einen aus dem Öffi-Moloch befreit.

Wer mich kennt, weiß, dass ich gerne Loblieder auf den öffentlichen Personennahverkehr singe. Und zwar nicht, weil der so bequem, billig und zuverlässig ist.

Sondern weil er ein wichtiger Schlüssel für nachhaltige Mobilität ist.

Auch bin ich kein Greinmeicherla, viele Bahnjahre stählten mein Nervenkostüm. Doch sei’s drum, an manchen Tagen kann ich die Zwiederwurzn in mir nicht verbergen. Bahn, wir müssen reden!

Bahn, wir müssen reden!Forchheim & Fränkische Schweiz
Bahn, wir müssen reden! // Barbara Herbst

Störung Bahnverkehr bei Forchheim: Kein Einzelfall

Forchheim, Gleis 5, Dienstag, 30. Mai, später Nachmittag, eine aufgeregte Menge steht kopfkratzend am Hauptbahnhof: Die S-Bahn in Richtung Bamberg fällt aus. „Störung an der Oberleitung“, meldet die App.

Der Lesende denkt an die Chefsesselbesetzung in der Berliner Konzernzentrale und meint „Stimmt!“.

Doch hier ist eher ein technisches Desaster gemeint. Ein Ersatzbus soll’s richten, schon fünf Minuten später soll er am ZOB erscheinen.

„Beeindruckend“, denkt sich der Pendelnde. Wie naiv er doch ist. Es wäre nicht die Bahn, wenn die Odyssee ein frühes Ende fände.

Um es kurz zu machen: Ein Bus ist lange nicht erschienen, erst nach 100 Minuten findet der Nervengelassene Asyl in einem anderen Zug. Und kommt endlich nach Hause.

Verspätet, verschwitzt, vergrämt.

Pendelzeit: Wer reist, kann was erleben

Wer reist, kann was erleben.

Zwölf Tugenden kannten die Ritter einst, eine davon lautet Standhaftigkeit (Starkmut).

So, liebe Bahn, mich kriegst du nicht so leicht klein. Ich komme wieder.

Außer, mein Zug fällt aus.

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