0
Besucher ins Zentrum locken
Was Forchheims Citymanagerin für die Innenstadt plant
Seit April ist Susanne Winter die neue Citymanagerin in Forchheim.
Seit April ist Susanne Winter die neue Citymanagerin in Forchheim. // Stephan Großmann
Forchheim – Ein Fünfjahresplan für Forchheim: Citymanagerin Susanne Winter zeigt, wie sie in den nächsten Jahren mehr Besucher in die Innenstadt locken will.

Es herrscht Aufbruchstimmung in Forchheim. Seit April ist die neue Citymanagerin Susanne Winter im Einsatz, um Forchheims Innenstadt attraktiver, lebendiger und zukunftsfähiger zu machen. Um dieses große Ziel auf den Weg zu bringen, hat Winter vergangene Woche ihren Plan im Kulturausschuss vorgestellt.

Der Fünfjahresplan Leitbild 2030 enthält verschiedene Maßnahmen, um mehr Käuferinnen und Käufer in die Läden und Hungrige in die Restaurants zu bringen. Die Stadtratsmitglieder zeigten sich im Ausschuss guter Dinge über die Arbeit der neuen Citymanagerin. Damit ihr Leitbild Form annimmt, habe sie in diesem Jahr fleißig Klinken geputzt. Überall, wo man hingekommen sei, hieß es: „Sie war schon da.“

Geschäfte Forchheim: Was die Citymanagerin bis 2030 plant

Carolin Schwanengel führt seit 2019 das Geschäft Concept Schwanengel in der Stadt. Seit ein paar Wochen vertritt die Forchheimerin als Vorsitzende des Vereins Heimforteil die Interessen der hiesigen Einzelhändler und Gastronomen. „Wir fühlen uns ernst- und wahrgenommen“, sagt sie über das neue Citymanagement. Kein Wunder, denn die Stelle bei der Stadt Forchheim war lange Zeit vakant, nachdem die vorherige Citymanagerin Elena Büttner im September 2021 gekündigt hatte. Nach langem Warten scheint es mit Forchheims Innenstadt nun endlich vorwärtszugehen.

Was wurde bisher erreicht?

Um den Status quo zu ermitteln, hat Winter seit ihrem Start knapp 200 Akteure aus Einzelhandel, Gastronomie und anderen Bereichen der Innenstadt besucht. Ein Anstoß sich zu vernetzen, waren Händlerfrühstücke und Treffen mit Institutionen wie der IHK.

  • Auch in der Kommunikation nach außen war die Citymanagerin aktiv: Mit Anzeigen, Plakaten und Werbekampagnen hat sie versucht, die Sichtbarkeit der Innenstadt zu erhöhen.
  • Eine zentrale Rolle in Sachen Sichtbarkeit spielt die Plattform forchheim-erleben.de, auf der sich die Stadt präsentiert. Die bereits bestehende Leerstandbörse wurde auf die Seite übertragen.
  • Um Ladeninhabern kurz vor dem Ruhestand bei der Suche nach einem Nachfolger zu helfen, hat das Citymanagement außerdem die Aktion „Laden sucht“ gestartet.

 

Das hat die Citymanagerin für Forchheim geplant

Die Strategie für die Nächsten fünf Jahre hat Winter, „unter Berücksichtigung der haushälterischen Lage“ der Stadt ohne externe Agenturen erstellt. Die darin enthaltenen Maßnahmen zielen auf die Bereiche Gestaltung, Vernetzung, Leerstandsmanagement und Veranstaltungen ab.

 

  • Makeover Paradeplatz: Sie war lange Zeit ein Leidwesen der Forchheimer gewesen: Die Baustelle am Paradeplatz ist nicht mehr. Nächstes Jahr soll der Platz hübsch gemacht werden. Pflanztröge und neue Outdoormöbel laden künftig an Schönwettertagen zum Flanieren ein.

  • Leerstandmanagement: Internetbörse und Filialunternehmen. Nach wie vor stellen die Leerstände in der Innenstadt eine zentrale Herausforderung dar.
    „Aktuell sind 23 Leerstände bei forchheim-erleben.de gelistet“, sagt Winter. Die eigentliche Zahl ist vermutlich höher. Die Stadt könne hier lediglich Interessenten zusammenbringen. Aber nicht alle Immobilienbesitzer würden ihre Leerstände ausschreiben.
    Und auch bei Mietinteressenten seien die Ansprüche verschieden. Wie Winter erklärt, „gibt es nicht nur den einen Grund, warum jemand einen Laden in der Innenstadt eröffnet oder nicht. Eine bestimmte Lage, der Mietpreis, der Wunsch nach einer Eins-a-Lage – das ist alles persönlich variabel.“
Mit der Leerstandbörse will die Stadt helfen, die leeren Fenster in Forchheims Innenstadt mit Leben zu füllen.Forchheim & Fränkische Schweiz
Mit der Leerstandbörse will die Stadt helfen, die leeren Fenster in Forchheims Innenstadt mit Leben zu füllen. // Stephan Großmann
  • Franchise anlocken: Neben der Leerstandsbörse gibt es noch weitreichendere Pläne. Die Stadt möchte Filialunternehmen in die Innenstadt bringen. Hier sei schon eine Vorauswahl getroffen worden. Es gab etwa hundert Kandidaten. „Davon haben wir 36 ausgemacht, die überhaupt infrage kommen und diese angeschrieben“, sagte Winter während des Ausschusses.
    Über mögliche laufende Verhandlungen wollte sich die Citymanagerin auf FT-Nachfrage nicht äußern. Für bestimmte große Franchiseunternehmen komme eine Kleinstadt wie Forchheim allerdings von vornherein nicht infrage. „Mit den Größen, die wir haben, ist das schwierig. In der Innenstadt gibt es nicht wirklich große Leerstandflächen“, sagt Winter.
    Ob Ladenketten à la H&M oder TK Maxx eine Konkurrenz für den Einzelhandel darstellen? Schwanengel von Heimvorteil findet das nicht: „Filialen decken andere Bedürfnisse von Einkäufern ab. Ich sehe es als Gewinn. Je attraktiver eine Stadt durch welche Ketten auch immer ist, desto mehr Menschen kommen überhaupt. Der inhabergeführte Einzelhandel ist da die Kirsche auf der Sahne.“
In der Forchheimer Innenstadt gibt es noch immer deutlich zu viel Leerstände.
In der Forchheimer Innenstadt gibt es noch immer deutlich zu viel Leerstände. // Stephan Grpßmann
  • Veranstaltungen: Laut Schwanengel haben sich viele Innenstadtakteure mehr Events in Forchheim gewünscht. Das wird es im kommenden Jahr geben. Private Initiativen bringen altbekannte Feste wie „Überall Musik“ zurück. Ein Highlight für 2025 ist das Comeback des „Kneipenfetzt“. Die Stadt unterstützt die Events bei Marketing, will Bühnen zur Verfügung stellen und die nötigen Straßensperren übernehmen.

    In Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei und dem Ordnungsamt plant das Citymanagement darüber hinaus die „Weiße Nacht“. Die Gäste sollen zur Veranstaltung mit Live-Musik und Picknick auf dem Paradeplatz ganz in Weiß gekleidet erscheinen. Kostenpunkt für die Stadt: 15.000 Euro.
    Neben den drei Veranstaltungen ist auch eine Schaufensterausstellung „Wer erkennt seine Vorfahren?“ geplant. In den Schaufenstern der Händler stellt das Pfalzmuseum Abzüge historischer Fotoplatten aus, welche auf dem Dachboden eines Forchheimer Fotostudios gefunden wurden.
Die Band "X-Large" im Arizona beim sechsten und damals letzten Kneipenfetzt im Jahr 2019. Bald soll die Veranstaltung wiederbelebt werden.
Die Band "X-Large" im Arizona beim sechsten und damals letzten Kneipenfetzt im Jahr 2019. Nächstes Jahr kommt die Veranstaltung wieder. // Foto: Andreas Hofbauer/ FT-Archiv

 

  • Neue Kommunikationswege: Mit einem geplanten WhatsApp-Chat werden Händler und Stadt künftig eine direkte Möglichkeit zum Austausch haben. Gleichzeitig kann darüber hinaus über Baustellen oder andere relevante Themen informiert werden. Besser spät als nie, wo doch die größten Bauvorhaben im öffentlichen Raum bereits fertiggestellt sind. Die Einzelhändler und Gastronomen direkt am Parade mussten lange Zeit viel Lärm und Staub ertragen. Am Rathausplatz ist das immer noch der Fall. Das niedrigschwellige Angebot könnte jedoch die Kommunikation im Hinblick auf zukünftige Baustellen erleichtern.

Sorgen und Hoffnungen der Forchheimer Einzelhändler

Mit den geplanten Maßnahmen will die Citymanagerin die Innenstadt kurz- als auch langfristig für Besucher attraktiver machen. Auch Forchheim hat mit den typischen Problemen vieler Städte zu kämpfen: Leerstände, Baustellen und wachsende Konkurrenz durch den Online-Handel. Jedoch scheint das Problem der Leerstände bei weitem nicht so gravierend wie in anderen Städten zu sein. „Im Vergleich zu Erlangen oder Nürnberg leben wir in einer Blase der Glückseligkeit“, findet Einzelhändlerin Schwanengel.

Carolin Schwanengel ist die neue Vorsitzende des Vereins Heimforteil.
Carolin Schwanengel ist die neue Vorsitzende des Vereins Heimforteil. // Schwanengel


Viele Einzelhändler fühlen sich durch die neuen Ansätze jedoch positiv bestärkt. Auch die Reaktionen im Stadtrat fielen überwiegend positiv aus. Von Seiten der Grünen wurde kritisiert, dass die Stadt zu sehr auf autofahrende Besucher setzte. Anstatt wie geplant die innenstadtnahen Parkhäuser zu bewerben, könne man stattdessen auch die Fahrradfahrer und Fußgänger belohnen, schlug Stadträtin Sabine Sklenar (Die Grünen) vor. Daneben wurde infrage gestellt, ob Veranstaltungen wie die „White Night“ vor dem Hintergrund des aktuellen Haushaltslochs sinnvoll seien.

Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die Stadt von der Vision der Citymanagerin profitiert. Passend zur Adventszeit machen die neuen Konzepte vielen Forchheimern Hoffnung. Eine frohe Botschaft zum Jahresende.

 

Lesen Sie auch:

 

 

Inhalt teilen
  • kopiert!