„Es ist das erste Mal, dass ich mich öffentlich politisch äußere. Aber es reicht wirklich“, sagt Schlossermeister Albin Hertling, Inhaber der Firma Metallbau Hertling und stellvertretender Obermeister der Kreishandwerkerschaft der Metallbauinnung Forchheim. Er hat sich in seiner Firma in Gößmannsberg mit der CSU-Bundestagsabgeordneten Silke Launert getroffen: „Schön, dass ich unsere Sorgen und Probleme mal direkt loswerden kann.“
Anlass war der Aufruf des Bundesverbandes Metall am 19. Januar. Unter dem Motto „Zeit zu machen“ forderte der Verband das Metallhandwerk auf, auf die sich zuspitzende Lage in der Branche aufmerksam zu machen. An diesem Tag sollten die Betriebe um 11 Uhr die Arbeit für zehn Minuten niederlegen. „Wir haben das auch gemacht. Und gleich das ganze Dorf eingeladen, gegrillt und mit den Leuten diskutiert“, erzählt Hertling und sagt weiter, dass die Menschen die Aktion positiv aufgenommen haben.
„Die momentane Regierung entscheidet irgendetwas, was keiner versteht. Und sie erklärt nicht, warum so entschieden wurde“, bemängelt der Schlossermeister und fügt hinzu, dass schnell etwas vorgeschrieben werde, dies aber oft kurz darauf wieder rückgängig gemacht werde: „Wir brauchen aber aktuell eine Regierung, die Einigkeit zeigt, stark ist und sich von Fachleuten beraten lässt.“ Dem stimmt die Bundestagsabgeordnete zu: „Ja, aktuell trifft eine kleine Gruppe ohne Basiserfahrung an der Spitze die Lösungen.“
Bürokratie belastet Handwerk zusätzlich
Für Albin Hertling ist das Heizungsgesetz ein solches Thema. Er hat aktuell Nachtspeicheröfen: „Ich halte das nicht für das Beste, aber soll ich die jetzt ausbauen? Und was soll ich hier draußen nutzen? Wärmepumpe ist nicht möglich.“ Launert nickt: „Die Entscheidungen sind ideologisch geprägt, bei denen Strukturen erst mal zerschlagen werden.“ Dem stimmt Hertling zu: „Aber dadurch entstehen bei den Menschen Ängste und sie sperren sich. Und dann wird es schwer, Kompromisse zu finden.“
Ihn belastet auch, dass die Bürokratie zunimmt. Als aktuelles Beispiel bringt er die im Dezember von der Bundesregierung getroffene Entscheidung, dass selbstfahrende Arbeitsmaschinen nun eine eigene Versicherung benötigen. „Die waren bisher in der Betriebshaftpflicht. Der neue Verwaltungsaufwand bindet Fachkräfte.“
Diese würden sowieso überall fehlen: „Da fehlt mir auch ein politisches Konzept.“ Hertling berichtet von einem langjährigen Mitarbeiter, der in Rente ging und nach wie vor stundenweise bei ihm einspringen würde. Das mache er aber nicht mehr, weil die Abzüge zu hoch seien. „Ja, wir fordern, dass Menschen, die mehr leisten, auch etwas davon haben. Zum Beispiel sollen Überstunden steuerfrei werden“, entgegnet die Bundestagsabgeordnete.
Ausbildung und Zehn-Stunden-Tage vertragen sich nicht
Weiter spricht Hertling von der geplanten Einführung der Vier-Tage-Woche im Metallbereich. Er gehe dabei von vier Tagen je zehn Stunden aus: „Da kann ich dann keine Lehrlinge mehr ausbilden, da diese ja nicht so lange arbeiten dürfen.“ Launert gibt zu, dass ihr das auch noch nicht bewusst war. Dann weist Hertling auf das Thema Lohnnebenkosten hin: „Wie kann ich einem Mitarbeiter erklären, dass ich für ihn beim Kunden 58 Euro in der Stunde verlange, bei ihm aber nach allen Abzügen unter zehn Euro ankommen?“
Er moniert, dass alles über die Arbeit der Mitarbeiter abgerechnet werde, nicht über das, was durch Maschinen erwirtschaftet werde. „Große Firmen mit vielen Maschinen und wenig Mitarbeitern sind da im Vorteil“, fasst er zusammen und sagt weiter: „Durch das ständige Hin und Her werden die Menschen konfuser und es gibt für mich keine Planungssicherheit mehr.“ Er freue sich aber, dass er seinen Frust direkt bei einer Berliner Abgeordneten habe loswerden können. „Leider sind wir in der Opposition. Aber wir stellen zumindest Anträge, damit etwas passiert“, antwortet Silke Launert.
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