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Umweltminister im Interview
Heizen, Klimaschutz, Windkraft – Das plant Glauber
Nach der Wahl 2018 wurde Thorsten Glauber zum ersten Mal Umweltminister in Bayern.Forchheim & Fränkische Schweiz
Klimaschutz nimmt im Gespräch eine wichtige Rolle ein. Laut Glauber sollte es aber nicht das einzige Thema sein. // Anna-Lena Reif
Forchheim – Thorsten Glauber hat sich erneut den Posten des bayerischen Umweltministers gesichert. Aber was will der Pinzberger in den nächsten Jahren für Bayern, Forchheim und die Umwelt erreichen?

FT: Wie zufrieden sind Sie mit dem Ergebnis der Koalitionsverhandlungen?

Thorsten Glauber: Es waren Verhandlungen auf Augenhöhe. Es gibt jetzt einen guten Koalitionsvertrag, der viele Themen verstetigt, die wir in den letzten fünf Jahren begonnen haben.

Was sind konkrete Projekte, die Sie unbedingt fortführen wollen?

Insbesondere die Bereiche Klima und Wasserversorgung sind politische Schwergewichte. Was unsere Region angeht, da freut es mich, dass wir den Wildpark Hundshaupten gerade modernisieren und barrierefrei machen. Das ist eine Förderung, die über das Umweltministerium und das Wirtschaftsministerium in den Landkreis geflossen ist.

Weitere wichtige Baustellen sind für mich die Sanierung der Schwimmbäder in der Fränkischen Schweiz und die weitere Förderung des Streuobstanbaus. Auch Bahnanbindung und Mobilität bleiben weiterhin Thema.

Wie zufrieden sind Sie damit, was zum Klimaschutz und erneuerbaren Energien im Koalitionsvertrag steht?

Wir müssen alle gemeinsam die Transformation der Gesellschaft hin zu erneuerbaren Energien hinbekommen. Im letzten Koalitionsvertrag von 2018 stand auf Wunsch der CSU, dass an der 10-H-Regelung festgehalten wird. Ich bin froh, dass wir schon in der letzten Periode 10-H angepasst haben. Aber um es klar zu sagen: Nicht nur Windkraft, sondern alle erneuerbaren Energien von der Biomasse, zu Biogas bis hin zu Photovoltaik oder Geothermie sind wichtig.

Thorsten Glauber beim Gespräch in der FT-Redaktion.Forchheim & Fränkische Schweiz
Thorsten Glauber beim Gespräch in der FT-Redaktion. // Anna-Lena Reif

Es wird immer wieder kritisiert, dass in Bayern im letzten Jahr nur so und so viele Windräder gebaut worden seien. Das hat vor allem auch damit zu tun, dass wir erst ein Stoppschild entfernen mussten. Wir wollen jetzt den Ausbau beschleunigen und koordinieren und dabei die Bürger und Gemeinden mitnehmen.

Wir haben 100 neue Stellen bei den Bezirksregierungen geschaffen, um die Regionalplanungen voranzutreiben. Wenn die Pläne fertig sind, gibt es sogenannte Vorrangflächen, die im Prinzip mit einer grünen Ampel versehen sind. Das bringt dann Beschleunigung.

Bis wann sollen die Regionalpläne fertig sein?

Wenn ich mir anschaue, was die Regierung von Oberfranken schon erarbeitet hat, gehe ich davon aus, dass wir circa Mitte nächsten Jahres die ganzen Flächen beieinanderhaben.

Laut Koalitionsvertrag sollen bis 2030 in Bayern 1000 neue Windräder gebaut werden. Schaffen wir das?

Wenn die Regionalpläne wie bisher vorangetrieben werden, halte ich das für machbar. Gleichzeitig müssen wir den Netzausbau schaffen. Ansonsten braucht es zumindest Speichermöglichkeiten für den erzeugten Strom.

Im Landkreis Forchheim gibt es bisher nur ein Windrad. Muss Forchheim aufholen?

Die Gemeinden haben jetzt viele Flächen im Regionalplan gemeldet. Die sind gerade in der Überprüfung.

Wie sieht es in Pinzberg aus?

Wir hatten schon mal in der ersten Regionalplanung eine Vorrangfläche ausgewiesen, die zwischen Pinzberg, Kersbach, Poxdorf und Effeltrich liegt. Ich halte die Fläche nach wie vor für geeignet.

Pinzberg und Effeltrich haben die Besonderheit, dass wir eine eigene Energiegenossenschaft haben. Das heißt, wir versorgen die Bürger über das eigene Netz. Ich halte das für eine große Chance, Bürgerenergie so zu nutzen. Der Wunsch ist immer, die Bürger nicht nur zu beteiligen, sondern sie am Ende auch mit einem fairen Strompreis zu versorgen.

Das ist auch ein entscheidender Schritt hin zu mehr Akzeptanz. Lokale Wertschöpfung, die am Ende nicht nur für die Kasse der Kommune gut ist, sondern auch für jeden Einzelnen.

Thorsten GlauberForchheim & Fränkische Schweiz
Umweltminister Thorsten Glauber ist neben seinem Amt in München auch im Gemeinderat in Pinzberg. // Anna-Lena Reif

Bayern will bis 2040 klimaneutral sein. Das klingt sehr ambitioniert.

Große Herausforderungen bringen eine große Verantwortung mit sich. Wir haben im Freistaat über 150 Maßnahmen angeschoben. Wir sind dabei, auch in allen Sektoren Geld einzusetzen. Wir haben im Freistaat eine Klima-Milliarde eingesetzt.

Zusätzlich würde ich mir wünschen, dass ein Teil der Einnahmen des Bundes aus der CO₂-Bepreisung an die Länder ausgeschüttet wird. Damit könnten wir unsere Kommunen beim Klimaschutz vor Ort unterstützen.

Der Bund will bis 2045 klimaneutral werden. Gleichzeitig hatte der Bund bei der Einsparung bisher die Nase vorne. Wie funktioniert das?

Die Ausgangsposition war eine andere. Der Bund hatte deutlich höhere CO₂-Emissionen im Vergleich zu Bayern. Bei einem höheren Ausgangswert fällt die rechnerische Einsparung natürlich größer aus. Bayern ist in den letzten Jahren außerdem um fast eine Million Menschen gewachsen. Trotzdem ist der CO₂-Ausstoß runtergegangen.

Der Weg wird für Bayern ein anspruchsvollerer werden. Wir wollen unser ambitioniertes Ziel 2040 erreichen. Dazu ist es wichtig, dass man sich konsequent auf den Weg macht.

Man kann sich viele Ziele geben. Die Frage ist ja: Ist das realistisch?

Unser neues Klimaschutzgesetz spricht eine klare Sprache. Wir arbeiten an der Umsetzung. Gleichzeitig müssen wir die Wirtschaftskraft erhalten. Was ich nicht will, ist, dass die Industrie aus unserem Land verschwindet und in anderen Ländern unter schlechteren Standards neu aufgebaut wird. Dann hat das Weltklima nichts gewonnen.

Wie sehen Sie das Thema Heizen?

Ich habe nicht verstanden, warum man Holz schlecht redet. Wir haben in den 2000-er Jahren die Nahwärmenetze der Gemeinden ausgebaut, wir haben die staatlichen Schulen im Landkreis Forchheim mit Hackschnitzelheizungen ausgestattet.

Die regionalen Waldbesitzer sind die Wertschöpfungsträger. Da geht es nicht um Holz, das als Bau- oder Möbelholz verwendet wird. Es geht um Holz, das überbleibt.

Die Wärmepumpe hat ihren Vorteil. Im Neubau ist sie gut, im Altbau ist sie nicht das Mittel der Wahl. Sonst muss ich den Altbau komplett sanieren, was mit extremen Kosten verbunden ist.

Wie kommt man beim Heizen im Klimaschutz voran?

Indem man zum Beispiel Energiepläne von den Kommunen erstellen lässt und sich fragt, was braucht das jeweilige Gebäude. Und ich muss die Menschen so unterstützen, dass sie eine Sanierung des Gebäudes bezahlen können.

Springen wir zu einem anderen Thema. Wie sollte Bayern mit dem Wolf umgehen?

Wir stehen an der Seite der Nutztierhalter und der Almwirtschaft. Deshalb haben wir in Bayern eine eigene Wolfsverordnung beschlossen. Der Landwirtschaftsminister und die Umweltministerin auf Bundesebene erklären immer wieder, dass das Bejagen von Wölfen eigentlich kein Problem ist.

Fakt ist aber, es ist ganz schön herausfordernd, eine Entnahme eines Wolfes rechtlich hinzubekommen. Die Entnahmen werden beklagt und beschäftigen die Gerichte. Die Wolfs-Population nimmt stark zu, das sehen wir in Nachbarländern wie Polen.

Die Lösung wäre einfach: Beim Umgang mit dem Wolf müssen Bund und EU Rechtsänderungen auf den Weg bringen. Insbesondere muss sich der Bund bei der EU dafür einsetzen, den Schutzstatus des Wolfs herabzusetzen.

Sie sind ja nicht nur Umweltminister, sondern auch im Gemeinderat in Pinzberg. Wie schafft man das?

Klar, es ist eine Herausforderung. Aber ich bin wirklich sehr gern Gemeinderat. Man schafft nicht jede Sitzung, aber wenn es irgendwie möglich ist, versuche ich, da zu sein. Ich finde, jeder, der eine politische Karriere machen will, hat eine Verpflichtung, kommunal in einem Parlament verankert zu sein.

Unsere Entscheidungen, die in München getroffen werden, haben eine kommunale Relevanz und die spürst du auch. Dieses direkte Feedback finde ich wichtig, um geerdet zu bleiben.

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