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Sozialladen Forchheim
Der Andrang ist größer denn je
Die letzten Handgriffe, bevor der Laden öffnet.Forchheim & Fränkische Schweiz
Die letzten Handgriffe, bevor der Laden öffnet. // Andreas Kraft
Forchheim – Im Sozialladen von Caritas und Diakonie gibt es seit 23 Jahren günstige Lebensmittel. Aktuell ist der Andrang größer denn je. Die Macher stoßen immer mehr an ihre Grenzen.

Es sind die letzten Handgriffe, bevor der Laden öffnet. Hassan Kaniy schichtet den frischen Spargel auf. Er dreht die Pakete immer wieder herum, sucht für jedes nach der richtigen Position. Bis alles passt und für die Kunden, die gleich kommen, auch schön ausschaut. Seit dem frühen Morgen ist er im Einsatz. Er und seine Kollegen sind mit den beiden Lieferwagen die Forchheimer Supermärkte abgefahren und haben Lebensmittel eingesammelt, die noch gut sind, aber nicht mehr verkauft werden können. In der Birkenfeldstraße haben sie alles sortiert und in die Regale des ehemaligen Bioladens eingeräumt.

Seit bald vier Jahren hilft der Iraker ehrenamtlich im Sozialladen von Caritas und Diakonie in der Forchheimer Birkenfeldstraße. Zusammen mit seiner Frau, seinen fünf Söhnen und seiner Tochter ist er 2015 nach Deutschland gekommen. Ein bisschen Deutsch hat er gelernt. Es reicht, um zu erzählen, dass sein Sohn im Herbst eine Lehre als Optiker anfängt. „Er hat den Vertrag schon unterschrieben“, sagt er stolz.

Im Sozialladen von Caritas und Diakonie Forchheim gibt es auch Brot und Gebäck.Forchheim & Fränkische Schweiz
Im Sozialladen von Caritas und Diakonie Forchheim gibt es auch Brot und Gebäck. // Andreas Kraft

Draußen vor der Tür hat sich eine Menschtraube gebildet. Dicht gedrängt stehen sie vor der Tür. Die Nasen fast an der Scheibe. Es dürfen immer nur sechs Kunden gleichzeitig in den Markt. Die vordersten Plätze sind begehrt, denn wer zuerst drin ist, hat die größte Auswahl. Das Team aus haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern hat daher ein System entwickelt. „Rentnerinnen oder schwangere Frauen dürfen zuerst einkaufen“, sagt Peter Ehmann, der hauptamtliche Vorstand des Caritasverbandes für die Stadt Bamberg und den Landkreis Forchheim. „Der Andrang ist einfach zu groß. Der Laden, die Kolleginnen und die Ehrenamtlichen kommen einfach an die Grenzen.“

Konzept muss angepasst werden

Mit der Inflation und den vielen Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine habe die Nachfrage enorm zugenommen. Caritas und Diakonie haben daher das Konzept schon überarbeiten müssen. Ab Mai darf jeder Einkaufsberechtigte nur noch an einem Tag die Woche kommen, im Keller des Gebäudes gibt es jetzt eine Wärmestube, damit die Kunden nicht zu lange in der Kälte warten müssen, und auch die Einkaufskarte kann nur noch zu festen Zeiten beantragt werden.

Einkaufen dürfen im Sozialladen nur Bedürftige. Für die Prüfung müssen sie entsprechende Nachweise vorlegen. Neben Arbeitslosengeld-II-Beziehern dürfen auch Rentner oder Arbeitnehmer einkaufen, wenn ihr Einkommen maximal 30 Prozent über dem Regelsatz der Sozialhilfe liegt. Die Preise im Laden sind symbolisch, ein Hörnchen kostet 20 Cent, eine Butter 40 Cent. Für rund zehn Euro bekommt man einen Einkauf, der bei den aktuell stark gestiegenen Lebensmittelpreisen im Supermarkt rund 80 Euro kosten würde.

Kunden scheuen auch lange Anfahrt nicht

So etwas spricht sich natürlich herum. Der 23-jährige Alexander ist heute zum zweiten Mal da. Es ist dafür mit dem Bus aus Behringersmühle nach Forchheim gefahren. Über eine Stunde war er mit seiner Freundin unterwegs. Er erzählt in gebrochenem Englisch davon, wie er vor gut einem Jahr aus Sjewjerodonezk geflohen ist, die Stadt wurde von russischen Truppen immer wieder bombardiert. Und davon, wie schwer es für ihn ist, in Deutschland Fuß zu fassen. Zwar gebe es für ihn als gelernten Koch viele freie Stellen, doch niemand wolle ihn anstellen, weil er kein Deutsch kann. Aber kürzlich hat er einen Platz in einem Kurs gefunden, in wenigen Wochen beginnt sein Deutschunterricht. Und dann sind da noch die vielen Regeln in Deutschland. Seine Freundin unterbricht das Gespräch. Sie brauchen FFP2-Masken, im Laden herrscht noch Maskenpflicht. Die beiden machen sich auf den Weg, um welche zu kaufen. Es dauert noch, bis sie dran sind.

Der 23-jährige Alexander sucht Arbeit, findet aber keinen Job als Koch.Forchheim & Fränkische Schweiz
Der 23-jährige Alexander sucht Arbeit, findet aber keinen Job als Koch. // Andreas Kraft

Jutta Hack schiebt gerade ihren Wagen von dem kleinen Laden zu ihrem Elektromobil. So richtig zufrieden ist sie mit ihrem Einkauf heute nicht. „Hier wird auch alles immer teurer“, sagt sie. Die 75-Jährige kommt schon seit einigen Jahren einmal in der Woche in die Birkenfeldstraße. Sie hat früher als Krankenschwester gearbeitet, war irgendwann alleinerziehend, jetzt ist die Rente ziemlich knapp – vor allem mitten in der stärksten Inflation seit 50 Jahren. Der enorme Andrang macht ihr sichtlich zu schaffen. „Ich habe jedes Mal Bauchschmerzen, wenn ich her muss“, sagt sie. „Wie vor einer Prüfung.“

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