Momentan scheint es mal wieder so, als würde Stillstand am Paradeplatz herrschen. Und in gewisser Hinsicht stimmt das auch, denn bereits seit geraumer Zeit stehen mehr als ein Dutzend Bäume mit dick verpackten Wurzelballen am Kopfende des Platzes gegenüber der Hypovereinsbank. Hier wird jedoch nicht getrödelt. Schuld ist, wie die Stadt berichtet, vielmehr eine fehlerhafte Lieferung.
„Bestellt waren nach eindeutigem Stadtratsbeschluss Bäume, die sowohl von der Größe als auch der Passform genau definiert waren“, erklärt Britta Kurth, Pressesprecherin der Stadt, auf Nachfrage unserer Redaktion.
Zudem sollten die Bäume schon zwei Witterungsperioden unter ganz bestimmten Wachstumsbedingungen überstanden haben und dementsprechend auf das Leben auf der Tiefgarage sowie die zu erwartenden Wetterbedingungen in Forchheim vorbereitet sein. „Nur so kann die entsprechende Widerstandsfähigkeit über lange Jahre gesichert werden“, berichtet die Pressesprecherin.
Schnurbaum hat Tradition
Deshalb habe sich der Stadtrat bewusst auch für eine bestimmte, bewährte Baumsorte entschieden: den japanischen Schnurbaum. Auch wenn diese Art sich für manch einen im ersten Moment exotisch anhört, handelt es sich um eine in Forchheim seit langer Zeit bekannte Pflanze. So stehen drei Exemplare bereits seit über 100 Jahren im Forchheimer Stadtpark. Gepflanzt habe sie der damalige Stadtgärtner Hugo Post.
Weitere Schnurbäume sind in der ganzen Stadt verteilt und haben sich aus Sicht der Stadt seither bewährt. Aus diesem Grund habe man sich dazu entschlossen, auch auf dem Paradeplatz Schnurbäume zu pflanzen. Als die Lieferung aus der Baumschule ankam, gab es jedoch eine äußerst unangenehme Überraschung: Zwar waren statt der bestellten Art nicht gerade Eichen oder Kastanien oder andere Spezies geliefert worden. Die Lieferung stimmte aber dennoch nicht mit dem überein, was die Forchheimer Stadtverwaltung geordert hatte.
Fehler liegt bei Baumschule
„Tatsächlich hat die beauftragte Firma aus Brandenburg Bäume geliefert, die zum einen von der Optik, Wuchshöhe und Form, Ballenform und Ballengröße nicht dem ursprünglichen Auftrag entsprechen“, schreibt die Pressestelle auf Anfrage. Aus diesen Gründen könnten die gelieferten Bäume auch nicht eingepflanzt werden.
Zum anderen habe die ausführende Baumschule Bäume geliefert, die zum Teil einer falschen Unterart angehörten. Deshalb würden die Bäume mittelfristig auch vom Aussehen und der Wuchsform her gar nicht zusammenpassen und folglich den Ansprüchen an Stadtbäume nicht genügen. „Die Stadtverwaltung befindet sich aktuell im Gespräch mit der Lieferfirma, um die Situation bald zu klären“, erklärt Kurth. Deshalb könne man derzeit auch nicht sagen, wann eine Bepflanzung des Paradeplatzes mit den richtigen Bäumen stattfinde.
Baumwahl gelungen
„Im Grunde ist der Ansatz richtig“, sagt Klimaexperte Christian König. Schnurbäume seien sehr trockenresistent und würden bei uns über keine akuten Antagonisten verfügen, die ihnen schaden. Bedenklich sei allenfalls, dass sie sich aufgrund ihrer toxischen Bestandteile nicht so gut als Innenstadtgrün eigneten wie andere Arten. „Aber wer isst schon täglich die Samen“, betont der Experte.
Fragwürdig findet der studierte Forstwirt hingegen die Tatsache, dass die Bäume bereits seit längerer Zeit auf dem Paradeplatz darauf warten, gepflanzt zu werden. „Es ist natürlich verständlich, dass man es nicht einfach hinnehmen will, wenn etwas Falsches geliefert wurde“, erklärt König.
Eine solche Wartezeit sei für die Pflanzen jedoch vermutlich nicht zuträglich. „Zwar werden die Winter dank des Klimawandels immer milder. Darauf können wir uns aber in so einer Situation nicht verlassen“, berichtet er. Schließlich sei auch in Forchheim bereits der erste Schnee gefallen, der zum Teil noch immer auf den Dächern liege.
Schadet der Frost den Bäumen?
Nachts seien bereits jetzt deutliche Ausschläge unter den Gefrierpunkt bis 10 Grad minus möglich. Das könne zu ernsthaften Schäden an den Pflanzen führen. „Dann war’s das im Zweifelsfall“, betont er. Sollten die Bäume während des Streits kaputtgehen gehen, bliebe mit Pech die Stadtkasse auf den daraus resultierenden Kosten sitzen. Es sei also auch im Interesse der Stadt, eine baldige Lösung im Streit mit der Brandenburger Baumschule zu finden.
Monika Erlwein, Mitinhaberin der Baumschule Hofmann in Kersbach, sieht derzeit hingegen keine Gefahr für die Bäume. „Solange es keine Extremtemperaturen gibt und das Wetter eher feucht ist, sollte es keine Probleme geben“, erklärt sie.
Auch sei eine einzelne Nacht mit einem Temperatursturz in ihren Augen nicht schlimm. „Damit es zu Schäden kommt, müssten die Temperaturen für einen längeren Zeitraum unter zehn Grad minus fallen“, berichtet sie. Ein solcher Wettereinbruch sei derzeit jedoch nicht angekündigt.
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