0
Staatspreis für Drosendorfer
Mit 75 Jahren: Waldumbau im Ein-Mann-Betrieb
Waldbauer Georg Leonhard Schirner pflanzt junge Bäume.Forchheim & Fränkische Schweiz
Waldbauer Georg Leonhard Schirner aus Drosendorf bekommt den Staatspreis für vorbildliche Waldwirtschaft. // Mathias Erlwein
Signet des Fränkischen Tags von Mathias Erlwein
Drosendorf am Eggerbach – Der 75-jährige Georg Leonhard Schirner aus Drosendorf betreibt unermüdlich Waldarbeit. Dieses herausragende Engagement wird mit einem Staatspreis geehrt. Aber erst muss er sich noch um 800 neue Bäume kümmern.

Waldarbeit ist harte Arbeit, in Zeiten des Klimawandels mehr denn je. Um die Waldbestände zu sichern, muss intensiver Waldumbau betrieben werden. Die Früchte dieser dann hoffentlich fruchtbaren Arbeit wird erst die künftige Generation erleben. Georg Leo Schirner aus Drosendorf in der Marktgemeinde Eggolsheim hat keine eigenen Nachkommen. Trotzdem betreibt er in großem Maße und mit all seiner Schaffenskraft Waldumbau.

Dieses herausragende Engagement des heute 75-Jährigen wurde 2019 mit dem Förderpreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung der Waldbesitzervereinigung (WBV) Kreuzberg, einem „Waldpokal“, gewürdigt. Nun bekommt er von Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) im Rahmen eines Festaktes in München am Donnerstag den Staatspreis für vorbildliche Waldwirtschaft.

Hof bis zum Ruhestand bewirtschaftet

„Ich freue mich sehr, dass meine harte Arbeit so eine Anerkennung findet. Es ist eine große Auszeichnung für einen kleinen Bauern“, macht sich Schirner mit etwas mulmigen Gefühl im Bauch auf den Weg in die Landeshauptstadt. Er ist den großen Rummel nicht gewohnt, sein bisheriges Leben ist geprägt vom heimischen Hof, den er bis zu seinem Ruhestand bewirtschaftete. Weit herum kam er dabei nicht.

Schwere Waldarbeiten beim Holzeinschlag und dem anschließenden Einzäunen musste der Rentner auf seinem Hanggrundstück verrichten.Forchheim & Fränkische Schweiz
Schwere Waldarbeiten beim Holzeinschlag und dem anschließenden Einzäunen musste der Rentner auf seinem Hanggrundstück verrichten. // M. Erlwein

Nicht einmal um die etwa zwei Hektar Wald, die zum landwirtschaftlichen Anwesen gehörte, konnte er sich vernünftig kümmern. „Dafür war wenig Zeit“, blickt er auf seine arbeitsreiche Tätigkeit als Landwirt zurück. Bis vor wenigen Jahren bewirtschafte er den Milchviehbetrieb noch selbst. Je weiter sein Alter vorrückte, desto mehr erkannte der „Leo“, wie er im Ort genannt wird, seine große Leidenschaft zum Wald.

Sukzessive kaufte er sich, wie ein Sammler, Waldparzelle um Waldparzelle hinzu. Sein stolzer Besitz wuchs so von zwei auf heute rund acht Hektar, verteilt auf über 50 Grundstücke mit einer durchschnittlichen Größe von 1600 Quadratmetern. „Kein einfache Aufgabe, hier Waldumbau in großem Stil zu betreiben“, erklärt Forstamtsrat Matthias Jessen, zuständiger Revierleiter vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Bamberg. Bei ihm hatte Schirner angeklopft und um Rat gefragt: Welche Baumarten soll man wo pflanzen?

Und so erarbeiteten die beiden einen Kulturplan, der die Bedürfnisse des Waldbesitzers und die Klimaanforderungen in Einklang brachte. Immer nach dem Erwerb eines neuen Waldstückes wartete Schirner nicht lange. Waren die Grenzen ungenau, so wurde das Vermessungsamt gerufen und die Grenzen festgestellt, Grenzsteine gesetzt.

Emsiges Treiben des Rentners

Mit der Sicherheit im Rücken, auch wirklich die eigene Scholle zu bewirtschaften, wurde dann entbuscht, entrümpelt, eingezäunt, gepflanzt und gepflegt, beschreibt Forstamtsrat Matthias Jessen das emsige Treiben des Rentners. Den Pokal der WBV Kreuzberg bekam er damals verliehen, weil er auf einem besonders schwer zugänglichen Waldstück im Steilhang auf etwa 6000 Quadratmetern Wald über 3000 neue Bäume eigenhändig gepflanzt hat.

Dabei setzte Schirner nicht nur auf eine Baumart, sondern er verwendete insgesamt 15 verschiedene Baumarten wie die Eiche, Bergahorn, Spitzahorn, Flatterulme, Kirsche und Elsbeere. „Diese Baumarten können voraussichtlich die künftigen klimatischen Verhältnisse am besten bewältigen“, erklärt der mittlerweile erfahrene Waldbauer.

Bevor er in Richtung München aufbricht, musste er aber erstmal am Dienstag noch 800 Pflanzen bei der WBV abholen, die er bereits bestellt hat. „Jetzt ist optimale Pflanzzeit, ich habe Weißtannen, Vogelkirschen, Esskastanien, Nussbäume und Flatterulmen geordert“, so Schirner.

Lesen Sie auch:

Inhalt teilen
  • kopiert!