Das „Haus für Kinder“, wie die evangelische Kindertagesstätte in Streitberg heißt, platzt aus allen Nähten. Deshalb sollen Container als Übergangslösung an der B 470 aufgestellt werden, bis das Kindergartengebäude erweitert ist. „Es ist allerdings leichter, einen Kindergarten neu zu bauen, als das entsprechende Personal dafür zu finden.“ Dies sagte jemand, der es wissen muss.
Denn zur jüngsten Marktgemeinderatssitzung war Martin Hempfling vom Amt für Jugend und Familie des Landratsamtes Forchheim gekommen, um über die Bedarfsanerkennung der Kinderkrippen- und Kindergartenplätze im Markt Wiesenttal aufzuklären. Grundlage dafür ist die Bedarfsplanung 2023 nach dem sogenannten Hildesheimer Bevölkerungsmodell. Im Augenblick läuft auch die neue Abfrage bei den Eltern für die Bedarfsplanung 2024.
Zuzug aus der Ukraine erhöht Bedarf
2022 herrschte ein starker Zuzug, vor allem durch Familien aus der Ukraine. Diese starken Wanderungszahlen wurden in der Statistik 2023 nicht berücksichtigt. Bei den Krippenkindern unter drei Jahren sind im Augenblick 24 Plätze belegt, zwölf davon befristet als Provisorium genehmigt. Im Januar waren es in dieser Altersgruppe 21 Kinder, davon 17 im Haus für Kinder, eines in einer Tagespflege und drei Kinder aus dem Markt Wiesenttal werden in auswärtigen Einrichtungen betreut. Die Bedarfsquote in dieser Altersgruppe liegt im Markt Wiesenttal bei 36 Prozent, im Landkreisdurchschnitt bei 48,3 Prozent. Im Wiesenttal also im unteren Bereich.
Hempfling rechnet allerdings damit, dass sich die Nachfrage erhöhen wird. „Sie brauchen auch zwei Plätze für Kinder mit Behinderung und sollten einen Platz als Puffer vorhalten“, riet der Experte für die Jugendhilfeplanung. Bei den Regelkindern bis zur Einschulung liegt die Bedarfsquote schon bei über 100 Prozent. Aktueller Stand in beiden Kindergärten sind 62 Kindergartenplätze.
Der evangelische Kindergarten ist mit 53 Kindern, zwei davon sind Gastkinder aus anderen Gemeinden, voll belegt. Eigentlich schon überbelegt. Auch der Waldkindergarten in Streitberg ist aktuell mit 26 Kindern ausgebucht. Genau die Hälfte davon kommt aus dem Markt Wiesenttal, 13 aus anderen Gemeinden.
Rechtsanspruch seit zehn Jahren
Migrationshintergrund in dieser Altersgruppe haben aktuell sechs Kinder, für die ein höherer Förderfaktor von 1,3 gilt. Bei Regelkindern liegt dieser Faktor bei 1,0. Hempfling verwies darauf, dass es seit zehn Jahren einen Rechtsanspruch für die Kinderbetreuung ab dem Alter von einem Jahr gibt. Die Gemeinde muss also für alle Kinder ab diesem Alter einen Krippen- oder Kindergartenplatz anbieten können. 2026 kommt dann auch der Rechtsanspruch für die Ganztagesbetreuung für Grundschulkinder.
111 Kinder in der Grundschule
Aktuell besuchen die Muggendorfer Grundschule 111 Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren. Davon nutzen bereits 74 das Angebot der offenen Ganztagsschule. Das sind 85 Prozent alle Grundschüler.
Bürgermeister Marco Trautner (FW/CSU) betonte, dass der Markt Anstrengungen machen müsse, um neue Plätze zu schaffen. Man braucht zumindest eine weitere Krippengruppe und eine zusätzliche Regelgruppe. „Aus Interimslösungen müssen Festlösungen werden“, so Trautner.
„Dies wird für uns in den nächsten Jahren nicht einfacher werden“, resümierte der Rathauschef. Vor allem auch wegen des Fachkräftemangels.
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