Im Planungs- und Umweltausschuss des Stadtrates wurde der geplante Standort an der Hutstraße in unmittelbarer Nachbarschaft zur Bogenschießanlage der SpVgg Reuth heiß debattiert. Zwar hatte Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) appelliert, das Fass der Standortfrage nicht mehr aufzumachen - das verhinderte aber nicht, dass sich Ratsmitglieder und ein anwesender Bürger kritisch zu dem Vorhaben äußerten.
Es wären gern mehr Anwohner gekommen
Walter Schrenker, der an der Hutstraße wohnt, kritisierte, dass der Termin für die Ausschusssitzung, in der es um den geplanten KiTa-Standort an der Hutstraße gehen sollte, nicht im Bürgerinformationsportal der Stadt im Internet aufzufinden gewesen sei. Er habe die Seite mehrfach überprüft, aber keine Informationen zur Sitzung finden können. Eine E-Mail an die Stadt sei unbeantwortet geblieben. Erst durch einen Anruf von Schrenker bei der für die Internetseite zuständigen Stelle der Stadtverwaltung habe ergeben, dass ein Häkchen nicht gesetzt worden sei. Die Folge: Die Informationen über die Sitzung wurden im Internet nicht öffentlich angezeigt.
Diesen Fehler, so Schrenker, habe die Stadt erst am Vormittag des Sitzungstages korrigiert. In der Folge hätten die Bürger gar nicht wissen können, dass die Sitzung mit diesem Thema auf der Tagesordnung überhaupt stattfindet. „Die Leute sind ziemlich stinkig. Da wären gern mehr gekommen", so Schrenkers Fazit.
Dynamische Computersimulation erstellt
In der Folge erklärte der Anwohner, dass er nichts gegen einen Kindergarten in der Nachbarschaft habe. Im Gegenteil sehe er darin eine Belebung für die Hutstraße. Allerdings sei der Standort aus seiner Sicht trotzdem nicht geeignet. Denn der Verkehr auf der Hutstraße sei gefährlich, insbesondere an der Engstelle oberhalb der Bushaltestelle „Bergwirt". „Ich habe Angst um die Kinder, die beim Bergwirt zu Tode gefahren werden", sagte Schrenker zum Schluss.
Oberbürgermeister Kirschstein bat um Entschuldigung für das Versehen, dass das entscheidende Häkchen, das zur Veröffentlichung der Sitzungsdaten im Computersystem der Stadt hätte gesetzt werden müssen, vergessen worden sei. Das sei jedoch keine Absicht gewesen. Im Übrigen bestehe für die KiTa-Kinder keine Gefahr, totgefahren zu werden, da Kinder im Kindergartenalter nicht alleine auf der Straße unterwegs seien: „Die werden gebracht."
Der Bedarf ist laut Hümmer enorm
Das Stadtbauamt präsentierte nicht nur die Stellungnahmen, die Träger öffentlicher Belange zu dem geplanten Bauvorhaben abgegeben haben, sondern auch die Einwände aus der Bürgerschaft. Nachdem die Verkehrssituation ein Hauptkritikpunkt war, hat die Stadt eine dynamische Computersimulation des Verkehrsgeschehens beauftragt. Das Ergebnis: Der zu erwartende Mehrverkehr könne von den vorhandenen Straßen aufgenommen werden. Dazu wurde ein Videoausschnitt mit simulierten Autofahrten an der Engstelle an der Hutstraße vorgeführt, den Manfred Hümmer (FW) in der Folge als „goldig" bezeichnete.
Denn in der Computersimulation hielten sich alle Autofahrer an die Verkehrsregeln und warteten brav an der Engstelle, wenn der Gegenverkehr Vorfahrt hat. „Das wird so in der Wirklichkeit nicht passieren", so Hümmer weiter. Es sei allen bewusst, dass der Standort „suboptimal" sei, aber der Bedarf für Kindergartenplätze sei enorm.
Die Bogenschießanlage als zweiter Knackpunkt
Das Wort „suboptimal" benutzte auch Thomas Schuster (CSU), der außerdem kritisierte, dass die Bürger, die vor rund einem Jahr im Rahmen des Verfahrens Einwendungen gegen die Pläne vorgebracht hatten, bis jetzt noch keine Antwort von der Stadt erhalten hätten: „Das hätte man machen sollen. Das wäre für mich transparent gewesen."
„Ich stehe dem Ganzen skeptisch gegenüber", erklärte Steffen Müller-Eichtmayer (Grüne/FGL). Die Verkehrswende setze Verkehrsvermeidung voraus und durch den geplanten Standort am Ortsrand werde stattdessen der Autoverkehr zunehmen. „Mir ist ein suboptimaler Kindergarten lieber, als gar keiner", meinte dagegen Holger Lehnard (CSU). Reinhold Otzelberger (CSU) betonte die positiven Seiten des Standorts, dass etwa das Grundstück bereits der Stadt gehöre, und sprach von einer „Premiumlage für den Aufenthalt im Freien."
Auch neues Baugebiet nimmt nächste Hürde
Der zweite Knackpunkt ist die Bogenschießanlage der SpVgg Reuth in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem Grundstück, auf dem die KiTa entstehen soll. Der Verein selbst sieht in seiner Stellungnahme die Existenz der Sparte Bogenschießen gefährdet, wenn der Kindergarten nebenan gebaut wird.
Dazu erklärte Kirschstein, dass derzeit Verhandlungen mit dem Verein laufen, mit dem Ziel, die Bogenschießanlage an eine andere Stelle zu verlegen: „Wir werden da eine Lösung finden. Eine Verlagerung der Bogenschießanlage halte ich für den probatesten Weg."
Am Ende votierte das Gremium gegen die Stimme von Müller-Eichtmayer mit 14 zu 1 für die Fortführung des Planungsverfahrens. Mit 8 zu 6 Stimmen fiel wenig später auch die Zustimmung zur Fortführung des Verfahrens in Sachen neues Baugebiet am Oberen Schulweg in Reuth. Beide Planungsverfahren werden nun erneut öffentlich ausgelegt.
Lesen Sie auch:













