0
Die Meinung von Martin Regner
Wie eine goldige Simulation an der Wirklichkeit vorbei fährt
Engstelle ReuthForchheim & Fränkische Schweiz
Besagte Engstelle mit zusätzlich rund 18 Prozent Steigung // Martin Regner
Forchheim – Dass ein Ergebnis nur so viel wert ist, wie die Methode, mit der man zu dem Ergebnis gelangt ist, ist eine alte Weisheit. Nur die Stadt Forchheim will davon nix wissen. Und von kritischen Fragen auch nicht.

Ein Ergebnis ist immer nur so gut wie die Methode, mit der man zu diesem Ergebnis gelangt ist. Diese alte Erkenntnis aus der Wissenschaft scheint noch nicht zum Bauamt der Stadt Forchheim durchgedrungen zu sein. Da präsentiert man stolz eine dynamische Computersimulation des nach dem geplanten KiTa-Neubau zu erwartenden Verkehrsgeschehens auf der Hutstraße mit dem Ergebnis, dass die vorhandenen Straßen dafür leistungsfähig genug seien.

Stadtrat Manfred Hümmer (FW) bezeichnete den Filmausschnitt der Simulation, der im Planungs- und Umweltausschuss vorgeführt wurde, als „goldig“ und traf damit genau den Punkt. Denn in dem Computermodell halten sich alle Fahrer brav an die Verkehrsregeln und warten an der Engstelle oberhalb der Bushaltestelle „Bergwirt“, wenn jemand anderes Vorfahrt hat. Dass ein Auto, das eigentlich warten müsste, trotzdem in den ebenso schmalen wie schlecht einsehbaren Bereich einfährt und bei Gegenverkehr dann mindestens einer zurückstoßen muss, kam in der Simulation nicht vor. Das ist aber realer Alltag an dieser Stelle – was auch alle wissen, die hier öfter durch müssen.

Vieles fehlt in der Simulation

Und das ist nicht der einzige Mangel der gezeigten Simulation. Darin gab es zum Beispiel auch keine langsamen Verkehrsteilnehmer wie etwa die städtische Kehrmaschine, landwirtschaftliche Traktoren oder bergan strampelnde Radler. Ebenfalls fehlten Hindernisse wie auf der Straße geparkte Autos von Anwohnern und Kleintransporter von Handwerkern oder Lastwagen beim Be- oder Entladen. Die gibt es in der Realität aber ebenso wie Fahrzeuge, die alle paar Meter stehen bleiben müssen, etwa die Zustellfahrzeuge der Post oder die Müllwagen der Müllabfuhr.

In der Simulation hält der Bus der Linie 262 an der Haltestelle „Bergwirt“ und man sieht, wie ein entgegenkommendes Auto am stehenden Bus mühelos vorbeifährt. Wer die Stelle kennt weiß: Das klappt nur selten. Es kam in der Simulation auch kein Verkehr vor, der aus den Seitenstraßen wie dem Kindergartenweg oder der Ruhstraße in die Hutstraße einmündet oder dorthin abbiegt. Und es gab auch keine Fahrzeuge, die aus privaten Hofeinfahrten kommen oder dorthin wollen.

Im Extremfall geht nix mehr

Nachfragen zu diesen Schwächen bezeichnete die Pressesprecherin der Stadt als „subjektive Meinung“. Dabei machen sie die ganze Simulation und damit auch deren Ergebnis womöglich komplett wertlos. Was nötig gewesen wäre, ist eine Belastungssimulation mit widrigen Umständen. Etwa eine Begegnung des bergauf fahrenden Busses mit einem bergab fahrenden Lastwagen in der Engstelle, während davor und dahinter weitere Autos ankommen, so dass auch das Rangieren zum Ausweichen erschwert wird.

Und man hätte unbedingt auch den Extremfall simulieren müssen: Eine längere Blockade der Engstelle etwa durch einen umgestürzten Baum auf der Fahrbahn, durch einen wegen einer Panne liegengebliebenen Bus oder durch einen Unfall zwischen einem Auto und einem Lkw. Dann hätte sich gezeigt, dass in so einem Fall das gesamte Wohngebiet und auch der geplante KiTa-Standort komplett von einer Erreichbarkeit mit Fahrzeugen abgeschnitten werden. Falls die Kreuzung an der Haltestelle „Bergwirt“ blockiert sein sollte, kommen auch Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei nicht mehr hoch. Oder sie müssen wenden und zeitraubende Umwege etwa über den Unteren Schulweg einschlagen, was im Notfall beträchtliche Verzögerungen mit sich brächte.

In welcher Simulation lebt die Stadtverwaltung?

Doch davon will die Pressesprecherin der Stadt nichts wissen und teilt mit: „Für uns steht die Seriosität unseres Gutachtens außer Zweifel. Ihre persönlichen Annahmen werden wir als Stadtverwaltung nicht mit Ihnen diskutieren. Eine Diskussion steht ausschließlich dem Stadtrat der Stadt Forchheim zu“. Wie goldig! Da muss man sich ernsthaft fragen, in welcher Simulation die Stadtverwaltung lebt. Denn auch hier ist die Realität eine andere: In der Realität muss es eine Stadtverwaltung aushalten, dass interessierte Bürger politische Entscheidungen diskutieren, und dass Medienvertreter kritische Fragen stellen.

Lesen Sie auch: 

Inhalt teilen
  • kopiert!